zur Navigation springen

Segelschüler fahren U-Boot : Brennstoffzelle statt Segel: SCE-Nachwuchs taucht ab

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Absolute Ausnahme: Das Unterseeboot U 31 nimmt zwei junge Segler mit auf Tauchgang in der Eckernförder Bucht. Segler sind sonst aufgefordert, Abstand von U-Booten zu halten. Die Nachwuchssegler trauten an Bord ihren Augen kaum.

von
erstellt am 25.Jan.2014 | 06:54 Uhr

Eckernförde | Regelmäßig treffen sie im Sommer aufeinander, die einen beim Segeltraining, die anderen beim Ein- oder Auslaufen aus dem Kranzfelder Hafen: U-Boote und junge Segler. Sich gegenseitig einzuschätzen, ist für beide nicht immer leicht. Deshalb hat sich das U-Boot-Geschwader als absolute Ausnahme einmal dazu bereit erklärt, zwei Nachwuchsseglern des Segelclubs Eckernförde (SCE) einen Einblick in die U-Boot-Welt zu gewährleisten.

War es zunächst nur eine Besichtigung, bot der Kommandant von U31 eine Überraschung an: „Fahrt doch einfach mit“, schlug Korvettenkapitän Lars Gössing vor, dessen Boot eine Fahrt zu Messzwecken auf der Eckernförder Bucht absolvieren musste. Ausnahmsweise standen zwei Plätze nebst Begleitung zur Verfügung, die per Losentscheid unter zwölf SCE-Jugendlichen vergeben wurden.

„Abwärts“ lautete die Ansage, als Katja Faltin und Joachim Foedtke die Leiter hinabstiegen und sich im Deck zwischen den Unterkünften wiederfanden. Die ungewohnte Umgebung ließ beide schnell die Orientierung verlieren. „Wir werden um 17 Uhr aus- und gegen Mitternacht wieder einlaufen“, ließ der Kommandant verlauten – Zeit genug für die 15- und den 16-Jährigen, das Boot kennenzulernen und einen Einblick in das Leben der Besatzung zu erhaschen.

„Ich bin erstaunt, wie viel Platz hier vorhanden ist“, stellte Joachim Foedtke fest, Katja Faltin war von der Technik fasziniert. Ein Blick ins leere Torpedorohr, vorbei am „begehbaren Kühlschrank“, empfingen im hinteren Bereich sterile Schaltschränke und die Brennstoffzelle die Besucher. Eine Leiter hoch, unter einer niedrigen Tür hindurch war der Weg in die Zentrale nur kurz, wo bunte Bildschirme und die Sehrohre warteten.

Ein paar Kommandos, danach Plätschern an der Bordwand und nicht zuletzt ein merkbares Schaukeln beim Verlassen des Kranzfelder Hafens – spätestens jetzt merkten die beiden, dass U31 unterwegs war. „Wo sind wir jetzt?“, lautete die Frage, die nur in der Zentrale beantwortet werden konnte. Ein Blick durchs Sehrohr ließ nur dunkle See in der Nacht erkennen, das Wärmebild daneben zeigte deutlich die Stadtsilhouette von Eckernförde. Die Bildschirme ließen nach kurzer Erläuterung Position, die zurückgelegte Wegstrecke, den Eigenkurs sowie die Konturen der Küste erkennen, bevor U31 mit leichtem Wasserrauschen in den Tauchzellen und fast unmerklicher Neigung in die Tiefe glitt.

„Kein Schiffsverkehr um diese Zeit, viel zu hören gibt es nicht“, sagte der Operator an der Sonarkonsole. Wie sich jedoch die Ankerketten der Schifffahrtstonnen im Seegang anhörten, war aus den weitergereichten Kopfhörern zu entnehmen.

„Am stärksten beeindruckt hat mich der Umgang und Zusammenhalt der Besatzung“, fasste Katja Faltin das Erlebte zusammen, eher technisch interessiert, beeindruckte Joachim Foedtke der Leitstand. Für’s Segeln haben beide ihre Schlüsse gezogen: Ein U-Boot kann nicht schnell manövrieren, und die Crew nimmt die Welt anders wahr als der „sehende“ Segler. Deshalb: Abstand halten.

Die Frage des Kommandanten nach dem mitternächtlichen Einlaufen, ob U-Boot-Fahren vielleicht ein zukünftiger Beruf sei, haben beide am Ende nicht verneint.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen