Nachhaltige Waldwirtschaft : Brekendorfer Wald auf dem Prüfstand

Die Nachhaltigkeit der Wälder im Blick: Christiane Herty, Rainer Mertens, Tim Scherer und Gerhard Kuske (von links) überprüfen die Einhaltung der FSC-Standards für die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten.
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Die Nachhaltigkeit der Wälder im Blick: Christiane Herty, Rainer Mertens, Tim Scherer und Gerhard Kuske (von links) überprüfen die Einhaltung der FSC-Standards für die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten.

Nach Orkan „Christian“: Förster wollen sich von Experten nachhaltige Wiederaufforstung attestieren lassen / Ergebnis erst in vier Wochen

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29. März 2017, 06:54 Uhr

Brekendorf | Mit kritischem Blick steht Auditor Gerhard Kuske auf dem Eulenberg und begutachtet die von Sturm „Christian“ in Mitleidenschaft gezogene Waldfläche im Brekendorfer Forst. Das Revier ist eine von insgesamt fünf Förstereien der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten, die in der vergangenen Woche für die erneute Erlangung des FSC-Zertifikates für nachhaltige Waldbewirtschaftung kontrolliert wurden. Bereits im Vorfeld hatte sich der Prüfer Kuske die Betriebsunterlagen der Landesforsten zukommen lassen, um durch Stichprobenkontrollen in vier Förstereien einen Überblick über den Gesamtbetrieb zu bekommen.

Der Brekendorfer Forst sei spannend, weil dort verschiedene Charakteristiken und Waldbilder zu finden sind, erläuterte Gerhard Kuske, der zum ersten Mal das Revier von Förster Rainer Mertens besuchte. Das Augenmerk des Auditors lag am Eulenberg auf dem Umgang mit der Wiederbewaldung nach dem Sturm. Hier waren bereits vor dem Orkan junge Douglasien und Buchen gepflanzt worden, die anschließend mit starkem Brombeerwuchs zu kämpfen hatten. „Entscheidend für uns war der frühe Zeitpunkt, um der Begleitvegetation voraus zu sein“, erläuterte Revierleiter Rainer Mertens. Das manuelle Abmähen der Brombeeren zeichne sich dabei aus, da durch die geringere Bodenverdichtung die Jahrestriebe nicht so sehr in die Höhe schössen, erklärte Mertens weiter.

Um zu prüfen, ob die Landesforsten den Bodenschutz überall gewährleisten, schaute sich Gerhard Kuske anschließend die so genannten Rückegassen der Abteilungen in Kropp an. Diese sind dauerhafte Schneisen, auf denen die Forstmaschinen ausschließlich fahren dürfen. „Die Äste werden vor der Maschine aufgearbeitet und als Matte abgelegt, sodass der Bodendruck beim Überfahren gemindert wird“, beschrieb Revierleiter Mertens das Vorgehen. Als positiv für die Mischung von Baumarten bescheinigte Kuske hier den Erhalt von einzelnen Eichen im Fichtenbestand: „Sie besitzen ein langfristiges Potenzial für die Aussamung und Naturverjüngung“, so der Auditor. Da die Abteilungen in Kropp am stärksten vom Sturm betroffen waren, musste hier mehr Holz entnommen werden als in den Bewirtschaftungsplänen vorgesehen. „Es taucht eine negative Zahl auf, also Holzmengen die nicht vorgesehen waren“, muss Gerhard Kuske nun vor Ort begutachten, ob die Holzeinschläge trotzdem nachhaltig sind. „Zu den einzelnen Abteilungen schaut man sich immer die Bewirtschaftungspläne, die Karten und Arbeitsaufträge an und wie diese nach dem Sturmwurf angepasst worden sind“, legte Gerhard Kuske die Bewertungsgrundlage dar. In der nächsten Abteilung stand ein Gespräch mit dem Harvester-Fahrer auf dem Plan des Zertifizierers. In einem persönlichen Vier-Augen-Gespräch wollte Kuske unter anderem herausfinden, ob Revierleiter Rainer Mertens eine Einweisung vor Ort gegeben hat, die Arbeitsaufträge den Standards entsprechen und die Rettungspunkte bekannt sind. Denn auch soziale Gesichtspunkte, wie Arbeitsschutz, Arbeitsverhältnisse sowie Aus- und Fortbildungen seien Teile des Audits, erläuterte Christiane Herty, die bei den Landesforsten für die Zertifizierung und den Naturschutz zuständig ist.

„Das ist weltweit das schärfste Zertifikat für Nachhaltigkeit“, zeigte sich Tim Scherer, Direktor der Landesforsten, stolz auf die Auszeichnungen der vergangenen Jahre. „Das Zertifikat ist für uns mehr ein Kommunikations- als ein Marktinstrument“, sagte er. Scherer sieht jedoch weniger einen Vorteil im erlösten Preis als eher in der Diskussion über nachhaltige Waldbewirtschaftung mit Bürgern und Naturschutzverbänden.

Auf das Ergebnis des Audits und auf den etwa 40 Seiten langen Bericht von Gerhard Kuske mit Beobachtungen, Stärken und Schwächen müssen die Landesforsten jedoch noch mindestens vier Wochen lang warten. Christiane Herty zeigte sich vorab bereits optimistisch, dass die Begutachtung der Försterei Brekendorf auch zur erneuten Verleihung des FSC-Zertifikates führen wird.




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