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Harter Vorwurf : Brekendorf: Staatsanwalt beschlagnahmt 57 Pferde

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Reit- und Fahrverein Brekendorf bestreitet Vorwurf der Tierquälerei . Mehrheit der Tiere gehört privaten Besitzern

Fassungslosigkeit beim Reit- und Fahrverein Brekendorf: Die Staatsanwaltschaft Kiel hat alle Pferde vom Hof des Vereins beschlagnahmt. 57 Tiere wurden an einen geheimen Ort gebracht. Der Vorwurf lautet Tierquälerei. Der Vorstand und die Mitglieder bestreiten das vehement. Sie sehen in der Aktion einen Akt der Willkür.

Am Donnerstagvormittag fuhren mehrere Polizeiwagen, zwei Turnierpferdtransporter und zwei Autos mit Pferdeanhängern unangekündigt auf den Hof an der Dorfstraße 97. „Es waren mindestens 20 Polizisten dabei“, berichtet Arno Krause, Vorsitzender des Reitvereins. Was dann folgte, macht die Mitglieder ebenso wütend wie traurig: Die Tiere wurden verladen und abtransportiert. „Die Pferde wurden zum Teil mit Gewalt auf die Anhänger gedrückt“, sagt Saskia Böcking. Sie habe sich nicht mehr um ihren Wallach Cinzanos Loxly kümmern können. „Niemand durfte mehr zu den Pferden. Wir haben nur noch geweint“, beschreibt sie die Situation. Nur wenige der Besitzer waren bei der Aktion selbst auf dem Hof. Sie bekamen von der ermittelnden Staatsanwältin weder eine Auskunft noch einen Beleg über die Beschlagnahmung.

Oberstaatsanwalt Manfred Schulze-Ziffer bestätigte gestern auf Zeitungnachfrage: „Es besteht der Verdacht auf Vergehen nach dem Tierschutzgesetz.“ Demnach sollen den Pferden „länger anhaltende Leiden“ zugefügt worden sein. Ihm zufolge seien etliche Tiere stark abgemagert. Dem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichtes Kiel liegen Bürgeranzeigen und Kontrollergebnisse des Veterinäramtes zugrunde. „Die Pferde sind in amtlicher Obhut und werden nun veterinärmedizinisch untersucht“, so der Oberstaatsanwalt.

„Ich möchte wissen, woher die Staatsanwaltschaft diesen Verdacht nimmt. Alle Pferde sind wohlgenährt“, sagt Saskia Böcking. Auch Arno Krause ist sich sicher, dass sein Verein nichts falsch gemacht hat. Die auf dem Hof gepachteten Ställe, Reitplätze und die Koppeln seien erst im Dezember vom Kreisveterinäramt und vom Amt Hüttener Berge begutachtet worden. Es gebe zwar Auflagen, die der Verein noch umsetzen müsse. Daraus lasse sich jedoch keine Tierquälerei ableiten. Es gehe hauptsächlich um den Bau eines Unterstands auf einer der Koppeln und um einen Zaun, der noch erhöht werden müsse. Er bekräftigt, dass es nichts zu verbergen gebe. Im Gegenteil, der Verein habe erst im Sommer mit zwei Fohlen die ersten beiden Plätze beim Bundeschampionat gewonnen. Die Muttertiere seien den Preisrichtern ebenfalls vorgeführt worden. „Wenn die Tiere hier so schlecht behandelt worden wären, wie es jetzt behauptet wird, hätte es diese Bundessiege sicher nicht gegeben“, so Arno Krause.

„Die Beschlagnahmung bringt uns an den Rand der Existenz“, sagt Arno Krause. Allein 4000 Euro fallen ihm zufolge weg, weil der Verein nun keine Reitkurse anbieten kann. Zudem leide der Ruf unter den Pferdebesitzern, die dem Verein ihre Tiere zur Pflege und Ausbildung überließen. Die Mehrheit der Pferde im Stall und auf den Koppeln komme von diesen Einstellern, so Krause. Dazu gehört auch Pia Basener. „Was haben unsere Pferde damit zu tun?“, fragt sie sich. Ihr gut versorgtes, privates Pferd sei einfach mitgenommen worden, obwohl es mit den Vorwürfen nichts zu tun habe.

Arno Krause glaubt, dass sich die Staatsanwaltschaft hat instrumentalisieren lassen. Der Hintergrund der Bürgeranzeige sei weniger das Wohl der Pferde. Vielmehr sei der Ruf des Vereins das Ziel gewesen. „Aber wir kämpfen“, sagt er.

 

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erstellt am 03.Feb.2014 | 11:15 Uhr

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