Diskussion : Braune Flecken in der Ahnengalerie

Muss die Galerie im Rendsburger Kreishaus umgestaltet werden?: Landrat Rolf-Oliver Schwemer (links) und Kreisbaudirektor Martin Kruse mit dem Bild von Waldemar von Mohl, der während der Nazi-Zeit in Segeberg amtierte.
Muss die Galerie im Rendsburger Kreishaus umgestaltet werden?: Landrat Rolf-Oliver Schwemer (links) und Kreisbaudirektor Martin Kruse mit dem Bild von Waldemar von Mohl, der während der Nazi-Zeit in Segeberg amtierte.

Waldemar von Mohl war Landrat in der NS-Zeit und amtierte auch im Kreis Bordesholm. Nun gibt es eine Debatte über das unkommentierte Porträt .

von
26. November 2013, 06:37 Uhr

Das Zimmer im Rendsburger Kreishaus trägt die schlichte Bezeichnung „Raum 169“. Auch die 36 Bilder an der Stirnwand, alle in Rahmen im Din-A-4-Format, wirken auf den ersten Blick unspektakulär. Dennoch birgt die Galerie mit den Porträts ehemaliger Landräte Zündstoff. Denn unter den Abgebildeten befindet sich auch Waldemar von Mohl. Der frühere Verwaltungschef hat im Kreis Segeberg eine Debatte darüber ausgelöst, ob Landräte aus der Zeit des Nationalsozialismus unkommentiert in Ahnengalerien erscheinen sollten.

Kreisbaudirektor Martin Kruse will diese Frage auch in Rendsburg zur Diskussion stellen. Der Bauamtsleiter, der zuständig ist für den Fachdienst Regionalentwicklung, Schulen und Kultur, hat das Thema zur Beratung in der Sitzung des Hauptausschusses am Donnerstag, 5. Dezember, vorgeschlagen. „68 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur ist die Frage nach den Akteuren in der Zeit von 1933 bis 1945 nach wie vor aktuell.“ Martin Kruse findet es daher wichtig, dass die Verwaltung die Politiker informiert über die Erkenntnisse zum umstrittenen Landrat, der in den Jahren von 1921 bis 1932 im damaligen Kreis Bordesholm im Amt war.

Ebenso wie in Rendsburg hängt das Bild von Waldemar von Mohl in der Ehrengalerie im Segeberger Kreishaus, ohne weitere Erklärung, nur mit Namen und der Amtszeit (1932 bis 1945) versehen. Diese Art der Würdigung hatte die Linke-Fraktion im Segeberger Kreistag kritisch hinterfragt. Daraufhin hatte der Kreis, um sich Klarheit zu verschaffen, ein Gutachten beim Institut für Schleswig-Holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte der Universität Flensburg in Auftrag gegeben. Dessen geschäftsführender Mitarbeiter Prof. Dr. Uwe Danker und der wissenschaftliche Mitarbeiter Dr. Sebastian Lehmann kommen in ihrer Studie zu dem Ergebnis: von Mohl war kein Nationalsozialist, aber mitverantwortlich am Unrecht.

Die Wissenschaftler machen deutlich, dass sich der Mann, der seit 1937 Mitglied der NSDAP war, dem Nazi-Regime pflichtschuldig unterworfen habe. Ein Scharfmacher sei er zwar nicht gewesen. Aber er funktionierte. „Uns ist wichtig zu betonen, dass von Mohl als Landrat eine wichtige Funktion bei der Umsetzung nationalsozialistischer Politik besaß“, heißt es in dem Gutachten. So sei die Vereidigung von SA-Männern als Hilfspolizisten durch den Landrat belegt. Aktenkundig sei auch, dass von Mohl bei der „Arisierung“ jüdischen Grundbesitzes und der Zwangsenteignung involviert war.

Die Experten haben den Politikern in Segeberg geraten: Unkommentiert darf das Bild des Landrats aus der Nazi-Zeit nicht länger in der Ahnengalerie im Kreishaus hängen. Denn von Mohls Mitwissenschaft stehe außer Frage. „An diesem Beispiel lässt sich viel lernen darüber, wie Angehörige traditioneller Eliten trotz zum Teil innerer Distanz mitmachten und den NS-Staat erst ermöglichten.“ Die Politiker in Segeberg wollen dem Vorschlag der Historiker, die Galerie als Dokumentation umzugestalten und von Mohls Porträt mit ergänzenden Texten hängen zu lassen, folgen. Eine abschließende Entscheidung soll Anfang des nächsten Jahres fallen.

In Rendsburg steht die Debatte erst am Anfang. „Ein Beratungstermin wird nicht ausreichen“, sagt Martin Kruse. Er will dem Hauptausschuss empfehlen, das Thema auch im Ausschuss für Schule, Sport, Kultur und Bildung zu behandeln. Denn es gehe nicht allein um die Person Waldemar von Mohl. Nach Durchsicht der Galerie im Raum 169, in dem der Hauptausschuss öffentlich tagt und Gäste empfangen werden, gibt es fünf weitere Bilder von Landräten, die in der NS-Zeit im Amt waren: Walter Alnor, Peter Matthiessen, Hans Kolbe (Altkreis Eckernförde) sowie Wilhelm Hamkens und Julius Peters (Altkreis Rendsburg). Diese Namen bergen ebenfalls brisanten Stoff: Walter Alnor fungierte von 1941 bis 1943 als Gebietskommissar für das Reichskommissariat Ostland im lettischen Libau. Eine steile Karriere im Nationalsozialismus machte auch der Rechtsanwalt Wilhelm Hamkens, der bis zum NS-Regierungspräsidenten und Gaujägermeister aufstieg.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen