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Schleswig-Holstein Musik Festival : Brass einfach brillant

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

ten Thing Brassensemble erobert Publikum im Kuhhaus Altenhof

Auch wenn man im Vorhinein bereits wusste, dass zum ten Thing Brassensemble zehn Musikerinnen mit Blechinstrumenten gehören, so war man doch erstaunt, als sie eine nach der anderen auf die Bühne kamen: vier Trompeterinnen, eine Hornistin, drei Posaunistinnen, eine Dame mit Bassposaune und eine mit der riesigen Tuba. Das konnte sich sehen lassen.

Bald bewiesen sie, dass sich ihre Kunst auch hören lassen konnte. Was zunächst noch ungewohnt klang, hatte bald den Hauch von befremdlich Neuem verloren. Sie spielten, was das glänzende Metall hergab, zunächst von Edvard Grieg „Aus Holbergs Zeit“ oder „Großmutters Menuett“, bei dem Karin Nordli mit der Tuba die Großmutter sein sollte. So sagte die berühmte norwegische Trompeterin Tine Thing Helseth. Tine Thing übernahm ohnehin – in herrlich norwegisch gefärbtem Deutsch – die Moderation und brachte mit ihren Spracheigenheiten alle Zuhörer zum Lachen. Die humorvolle Moderation der barfüßigen Hauptperson war sicher ebenso ungewöhnlich wie die Bühnenpräsenz der Akteurinnen. Spielten sie ohne Noten, dann bewegten sie sich gern in Formationen über die Bühnenbretter, und die gut gelaunten Gäste des Abends konnten sie von allen Seiten mit ihren Instrumenten betrachten.

Nach Griegs Wiegenlied und einem polternden Trolltanz ging es mit Isaac Albeniz nach Spanien. Auch der „Valse sentimental“ von Peter Tschaikowsky kam einem durchaus bekannt vor – wenn auch durch die Bearbeitung von Jarle Storlöcken recht verfremdet. Ten Thing Brass arbeitet eng mit dem norwegischen Gitarristen und Arrangeur Jarle Storlöcken zusammen. Er hat die gesamte Musik des Ensembles arrangiert, die bekannte Instrumentalbesetzung für das Ensemble umgeschrieben. So hört man Mozarts „Alla turca“ plötzlich ganz neu und mag es vergnüglich finden, dass einige Bläserinnen dabei spielend durch die Saalgänge zogen.

Die kleine Dreigroschenmusik von Kurt Weill kam gut, vor allem in den jazzigen Passagen. Die Interpretation von zwei argentinischen Tangos von Astor Piazolla könnte vielen Zuhörern eventuell zu laut und heftig erschienen sein.

Als kleine „Oper in sechseinhalb Minuten“ kündigte Tine Thing Helseth die Carmen-Suite von Georges Bizet an. Sie sollte dann – mit der Zugabe eines deutschen Tanzes – auch den Abend beschließen. Das Publikum war heiter und applaudierte herzlich, manche trampelten sogar vor Begeisterung. Es war spannend, Ten Thing Brass live zu erleben, bekannte Musik völlig neu zu hören, das Outfit des musizierenden Damenensembles zu begutachten, die fröhliche Moderation zu verfolgen. Doch darüber hinaus lag für viele im Publikum vermutlich der musikalische Höhepunkt des Abends in Georg Friedrich Händels „Feuerwerksmusik“. Hier klangen die Instrumente festlich und bald königlich, hier spielten die Musikerinnen hell und klar wie die Turmbläser, die von hohen Schlosszinnen über weite Lande schmettern. Mit viel Kunstverstand dargeboten und so brillant, dass einem ganz leicht ums Herz wurde.

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