"Bellevue" : Borbyer Kaiserhof soll rekonstruiert werden

Imposanter Bau und Erinnerung an die große Zeit Borbys - der Kaiserhof, der seit knapp acht Jahren unbewohnt ist.  Fotos: Kühl
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Imposanter Bau und Erinnerung an die große Zeit Borbys - der Kaiserhof, der seit knapp acht Jahren unbewohnt ist. Fotos: Kühl

Eigentümer wartet auf Baurecht und möchte dann mit der Sanierung beginnen. Sofortmaßnahmen erforderlich.

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19. April 2013, 07:42 Uhr

Eckernförde | Je mehr Putz von den Fassaden des 1882 unter dem Namen "Bellevue" erbauten Kaiserhofs bröckelt, desto stärker rückt er auch ins öffentliche Interesse. Die Stadt musste aus Sicherheitsgründen bereits den direkt am Gebäude entlangführenden Fußweg sperren und hat am Mittwoch in einem Gespräch mit dem Architekten des Eigentümers auf die Erledigung einiger Sofortmaßnahmen zur baulichen Sicherung des Gebäudes gedrungen, sagte Bauamtsleiter Roy Köppen gestern auf EZ-Anfrage.

Ginge es nach dem Eigentümer, der Kaiserhof Fördeblicke GmbH aus Henstedt-Ulzburg, wäre das unter Denkmalschutz stehende Objekt längst in Bau. An der bereits Anfang vergangenen Jahres veröffentlichten Ursprungsplanung (siehe EZ v. 13. Januar 2012) hat sich nämlich nichts verändert, erklärte der Gesellschafter und Geschäftsführer Michael Mattner: Die Fassade des historischen Kaiserhofs soll restauriert und weitgehend erhalten bleiben, innen sind mehrere moderne, große Wohnungen mit Hafenblick geplant. Nur: Noch liegt der GmbH keine Baugenehmigung vor, weil derzeit ein Bebauungsplan aufgestellt wird und zudem eine Veränderungssperre verhängt wurde, weil verhindert werden soll, dass bauliche Tatsachen geschaffen werden, die der Zielsetzung des B-Plans entgegenstehen. Wobei Bauamtsleiter Köppen feststellt, dass erforderliche Baumaßnahmen zum Schutz eines Gebäudes und zur Sicherung der denkmalgeschützten Fassade natürlich jederzeit genehmigt werden würden.

"Wir sind selbst traurig und besorgt, wie der Zahn der Zeit an dem Gebäude nagt", sagte Mattner der EZ. "Wir wollen den Kaiserhof erhalten. Bei uns stehen alle Zeichen auf Grün, wir warten auf die Genehmigung des Bauantrags."

Architekt Olaf Schmidt-Bleyl kann dem nur beipflichten. "Wir rekonstruieren den Kaiserhof und werden ihn komplett sanieren. Es gab nie eine andere Botschaft." Sobald es Baurecht gibt, werde man die mit dem Denkmalschutz abgestimmte Vorplanung realisieren, sagte der Architekt. Hinter historischen Fassaden sollen vier bis fünf große Wohnungen entstehen. Die Planungen seien auch mit dem Bauausschuss einvernehmlich abgestimmt worden. Schmidt-Bleyl sagte, dass der schlechte bauliche Zustand während des sechsjährigen Leerstands unter dem Vorbesitzer entstanden sei. Die Untere Denkmalpflege des Kreises Rendsburg-Eckernförde bestätigte die abgestimmte Bauplanung für den Kaiserhof.

Der nebenan befindliche Lindenhof, der ebenfalls von der Henstedter Elektrofirma erworben wurde, soll abgerissen werden. Dort entsteht eine Wohnanlage, die die jetzigen Dimensionen jedoch nicht überschreitet. Ein Bereich werde für eine gastronomische Nutzung freigehalten, falls sich ein Betreiber findet.

Gestern hat eine Allianz aus Bürger-Forum, Bürgerinitiative Bauen in Eckernförde und Altstadtverein an Bürgermeister, Politik, Denkmalpflege und Eigentümer appelliert, "das bedrohte Geschichts- und Baudenkmal Kaiserhof" zu erhalten. Der Kaiserhof stehe "kurz vor seiner Zerstörung". Das Gebäude sei "das letzte Beispiel einer großen Vergangenheit Borbys als Seebad" und müsse gerettet werden. Sollte der Kaiserhof jedoch so baufällig geworden sein, dass eine Restaurierung nicht mehr in Frage komme, "so ist als letzte Chance ein Abriss denkbar, dem eine formgetreue Kopie folgt. Man könnte dabei den hässlichen Vorbau weglassen und den schönen Terrassen-Anbau mit der Balustrade aus der Kaiserzeit rekonstruieren."

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