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Schwere Bilder : Bomben, Kriegsende und Vertriebene

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Filmnacht des Kulturkreises Altenholz mit zeitgenössischen Beiträgen des Filmemachers Kay Gerdes zum Thema Zweiter Weltkrieg in Kiel

„Es waren für mich schwer zu ertragende Bilder“, stellte Günter Pieper vom Altenholzer Kulturkreis nach dem ersten Film fest, der am Freitag im Ratssaal in Stift vorgeführt wurde. Im Rahmen einer Filmnacht zeigte der Filmemacher Kay Gerdes in Kooperation mit dem Kulturkreis drei seiner Filme, die in den Jahren 2005 bis 2009 entstanden. Gleich zu Beginn des ersten Films „Kiel im Bombenkrieg“ lief einem als Zuschauer angesichts brennender Häuser, flüchtender Menschen und dem bedrohlich wirkendem Sirenengeheul ein Gänsehaut hervorrufender Schauer über den Rücken. Wie auch in den folgenden beiden Filmen „Fünf Tage im Mai – Das Kriegsende in Kiel“ und „Die Jahre danach“ lässt Gerdes Zeitzeugen im Wechsel mit historischem Film- und Fotomaterial zu Wort kommen. Es handelt sich teilweise um Filmmaterial, das erstmals veröffentlicht wurde. Einige Sequenzen des ersten Beitrags zeigen beispielsweise die Stadt während der Bombenangriffe. „Mehr oder weniger zufällig stieß ich bei meinen Recherchen auf Filme, die seinerzeit ein Arztsohn mit der Kamera seines Vaters während der Angriffe machte, was natürlich illegal war“, so Gerdes. Material aus dem Kieler Stadtarchiv oder auch aus dem Imperial War Museum in London ergänzen die Dokumentationen. Am wichtigsten erscheinen Gerdes aber die Aussagen der Zeitzeugen, die von ihren ganz persönlichen Erlebnissen und Empfindungen erzählen – sehr emotional und teilweise auch mit einer Prise Sarkasmus. „Dadurch, dass ich alleine bei den Leuten aufkreuzte und nicht mit einem kompletten Aufnahmeteam, sind Gespräche entstanden, die sonst so nicht zustande gekommen wären“, ist Gerdes überzeugt. Dass das Publikum überwiegend älter ist, liegt in der Natur der Sache. „Aber“, so der Filmemacher, „ich habe das Gefühl, dass die Zuschauer in letzter Zeit jünger werden“. „Und“, so der 59-jährige Scharnhagener, „viele der Älteren, die die Zeit noch selbst erlebt haben, tun es sich erst jetzt an, sich die Filme anzuschauen“. Man sah in den Zuschauerreihen durchweg ernste, nachdenkliche Gesichter – unberührt ließen die Filme sicherlich niemanden. Der erste Beitrag endete mit den Worten einer Zeitzeugin: „Wir fühlten uns geschlagen, besiegt aber wir waren froh, dass es vorbei war“. Und da knüpfte der zweite Film an, der die „Fünf Tage im Mai“ behandelte. Erzählt wird das Kriegsende in Kiel am 5. Mai 1945 mit dem Erreichen einer britischen Spezialeinheit – vor der eigentlichen Frontlinie. Es wurde befürchtet, dass die Russen bis zur Nordsee und nach Dänemark vorrücken könnten, und diesem Einmarsch habe man zuvorkommen wollen.

Der dritte Film „Die Jahre danach“ schildert das Leben der unzähligen Flüchtlinge und Vertriebenen, die aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien nach Schleswig-Holstein kamen. Auch hier kamen Menschen zu Wort, die in bewegenden Schilderungen von ihrer Not während der Flucht und vom Neuanfang in der neuen Heimat berichteten. Zwischen den einzelnen Filmen bestand die Möglichkeit zu Gesprächen mit Kay Gerdes. „Die Filme wurden einzeln schon einmal bei uns in Altenholz gezeigt. Da diese sehr großen Anklang gefunden hatten, haben wir beschlossen, alle drei Filme nochmals am Stück zu zeigen“, sagte Wolfgang Hübner vom Kulturkreis. Die Zuschauer konnten entweder für einzelne Filme zahlen oder gleich das „ganze Paket“ buchen. „Nach dem ersten Film kamen viele Zuschauer und haben die beiden folgenden Filme ’nachgelöst’, zusätzlich kamen zum zweiten Film auch neue Zuschauer hinzu“, so Hübner.

Auch wenn die Bilder „schwer zu ertragen“ sind – sehenswert sind die Filme allemal, für alle Generationen.

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