Abschied vom Bürgermeisteramt : Böttcher: „War sehr gerne Bürgermeister“

Horst Böttcher danke seiner Frau Ulrike, dass sie ihm während seiner 24 Jahre als Bürgermeister den Rücken frei hielt.
Horst Böttcher danke seiner Frau Ulrike, dass sie ihm während seiner 24 Jahre als Bürgermeister den Rücken frei hielt.

Horst Böttcher war 24 Jahre Bürgermeister in Damp und zuvor schon fast zehn Jahre Mitglied der Gemeindevertretung. Der 69-Jährige blickt zurück.

von
30. Juni 2018, 06:19 Uhr

Damp | In Deutschland demonstrieren die Menschen für Frieden und gegen die Aufrüstung. In dieser turbulenten Phase Deutscher Geschichte wird Horst Böttcher 1983 als wählbarer Bürger von der SPD in der Gemeinde Damp aktiv. Von 1984 bis 2018 gehörte er dann ununterbrochen der Gemeindevertretung als Gemeindevertreter, seit 1994 als Bürgermeister, an. Künftig ist er noch als wählbarer Bürger für die Gemeinde tätig.

Dass Böttcher einmal über 24 Jahre lang Bürgermeister der Gemeinde wird, daran hatte er 1983 nicht gedacht. Nach einem Jahr als wählbarer Bürger rückte er als Nachrücker nach. Schon in der nächsten Legislaturperiode wurde Böttcher zum ersten stellvertretenden Bürgermeister. Viele Jahre arbeitete er konstruktiv mit Bürgermeister Paul Jestrimsky (CDU) zusammen, bevor er ihn 1994 nach dessen 20 Jahren als Bürgermeister im Amt ablöste. „Diese Kontinuität ist für eine Gemeinde sehr gut“, sagt Böttcher im Rückblick. „Da kann man was schaffen und bewegen“, sagt er und betont zugleich, dass Wechsel zum demokratischen Verständnis gehören. „Ich bin zutiefst Demokrat“, sagt Böttcher „und ich war sehr gerne Bürgermeister“. „Es gab vielleicht acht Monate, da hat es keinen Spaß gemacht.“ Warum? Weil es persönlich wurde, sagt der heute 69-Jährige.

Als mit den schönsten Moment seiner Amtszeit bezeichnet Böttcher das Vorhaben um die Aufstockung des Feuerwehrgerätehauses. Ausschließlich in ehrenamtlicher Arbeit der Feuerwehrkameraden entstand innerhalb von zwei Jahren der Dachaufbau und Ausbau. Und während die Männer bauten, verköstigten die Frauen das Baustellenteam. „Das ganz Dorf hat mitgezogen“, so Böttcher, angetan von der großen Kameradschaft und dem Willen, das Projekt abzuschließen.

Immer wieder wurde das Thema Kindergarten aktuell. Bereits sein Vorgänger Jestrimsky baute und erweiterte das Angebot. In den vergangenen Jahren war die Einrichtung um den überdachten Innenhof erweitert worden und jüngst durch den Umbau der Küche und des Speiseraums. Auch beim Thema Flüchtlinge konnte sich der Bürgermeister auf seine Bürger verlassen. Zum ersten Treffen für Helfer 2014, als die steigende Zahl von Flüchtlingen absehbar war, da kamen unglaubliche 70 Bürger, um ihre Hilfe anzubieten, berichtet Böttcher. Die Gemeinde unterstützte die Arbeit mit der Installation einer hauptamtlichen Koordinatorin, um in der Spitze 110 Flüchtlinge zu betreuen.

Wenn Böttcher die Bürgermeisterschaft an seinen Nachfolger übergibt, dann übergibt er eine wirtschaftlich gesunde Gemeinde mit Rücklagen und einem gut ausgebauten Straßennetz. Dazu beigetragen haben der Standort der Kliniken im Ostseebad und der Tourismus. Ob die Betriebe nun wie zu Anfang als GmbH und Co KG, als Damp Holding AG oder seit 2013 als Teil des Helios Gesundheitskonzerns geführt werden, als Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler haben sie der Gemeinde gut getan und für eine solide wirtschaftliche Basis gesorgt.

Um die Gemeinde weit über die Grenzen hinaus bekannt zu machen, dazu haben auch Großveranstaltungen wie der „Lauf zwischen den Meeren“ und der „Ostseeman 113“ beigetragen. Böttcher: „Ich habe mich immer als erster Verkäufer der Gemeinde betrachtet“ Ausruhen dürfe man sich aber keineswegs. Besonders im Bereich Tourismus muss die Gemeinde am Ball bleiben. „Wir müssen Attraktionen schaffen“, blickt Böttcher voraus. Hilfreich dabei seien nicht nur die Einnahmen aus der Zweitwohnungssteuer, sondern auch aus der neuer Übernachtungssteuer. Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Satzung hat Böttcher nicht. Nach dem ersten Jahr der Steuererhebung wurden Bescheide über rund 500 000 Euro verschickt. Geld, mit dem die Gemeinde in Attraktionen und Infrastruktur gemäß den Vorschlägen der Gemeindevertretung investieren kann. Diese hält er dringend für nötig, um mit Orten an der südlichen Ostsee und an der Nordsee mithalten zu können.

Mit seinem Rückzug gewinnt Böttcher mehr Zeit für sein Privatleben. Seine Frau Ulrike freue sich sehr, so Böttcher, der künftig seine zweite Leidenschaft – Laufen und Radfahren – pflegen wird. Und vielleicht gibt es noch Aufgaben für ihn, „aber nicht mehr wie zu Bürgermeister-Zeiten.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen