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Blumenloser Abschied für die Ausbildungswerkstatt Metall

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Letzter Tag der Ausbildungseinrichtung mit Freisprechung von zwölf Auszubildenden

Eckernförde | Es war ein stilles Ende für die Ausbildungswerkstatt Metall. Zwölf Auszubildende der Berufe Metallbearbeiter und Teilezurichter sind gestern, am letzten Tag der Einrichtung, in dem Gebäude am Rosseer Weg freigesprochen worden. Man war unter sich - Gäste aus Politik oder Verwaltung hatten sich nicht angekündigt.

Mit dem Aus der Ausbildungswerkstatt endet eine sozialwirtschaftliche Ära in Eckernförde. 1959 wurde die "Gemeinschaftslehrwerkstatt" gegründet, um die Grundausbildung aller Metallberufe zu zentralisieren. Sieben Kooperationspartner, darunter fünf Betriebe, die Stadt und die Industrie- und Handelskammer (IHK) gehörten zu den Gründern. Später kam auch das Arbeitsamt hinzu. Fortan galt es, auch benachteiligte Jugendliche auszubilden und zu vermitteln.

Seit 1970 gab es die Einrichtung in der heutigen Form und am heutigen Standort. Zum Schluss gehörten dem Trägerverein neben den Unternehmen Sauer & Sohn und Punker auch die IHK und die Stadt Eckernförde an, Vereinsvorsitzender ist Bürgermeister Jörg Sibbel. Auszubildende im ersten Lehrjahr lernten hier Grundfertigkeiten, schwer zu vermittelnde Jugendliche wurden in Kooperation mit den Betrieben ausgebildet und oft in Lohn und Brot gebracht.

Bis gestern. Im Oktober zog sich die Agentur für Arbeit als größter Geldgeber aus dem Projekt zurück. Grund: Die Beschäftigungschancen würden steigen, wenn die jungen Menschen statt in integrativer Ausbildung in einem regulären Betrieb ausgebildet werden. Zudem sei die Nachfrage gesunken. Die Stadt sieht sich nicht in der Lage, die Finanzlücke in Höhe eines hohen fünfstelligen Betrages pro Ausbildungsjahrgang zu schließen.

Ausbildungsleiter Frank Thielebein hätte sich von der Arbeitsagentur eine differenzierte Betrachtungsweise gewünscht: "Die Vermittlungsquote solcher Einrichtungen liegt bundesweit bei unter 40 Prozent. Wir aber hatten über 70 Prozent." Er bezweifle, dass die betriebliche Ausbildung in diesem Fall funktioniert: "Unsere Auszubildenden weisen schulische oder soziale Defizite auf, die hier kompensiert werden können, aber nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt." Er glaubt, dass die Schließung der Einrichtung bald durch arbeitslose Jugendliche auf der Straße sichtbar werde. "Ich hätte mir gewünscht, dass die Stadt mehr für die Einrichtung kämpft."

Für die Betriebe bedeutet die Schließung einen erhöhten Mehraufwand, da sie ihren Auszubildenden nun hausintern die Grundbildung zukommen lassen müssen. "Wir suchen nach einer ähnlichen Kooperation", sagt Joachim Peetz von der Firma Punker.

Derweil finden Gespräche für eine Nachnutzung des Gebäudes statt. "Es konkretisiert sich etwas", sagt Bürgermeister Jörg Sibbel auf EZ-Anfrage. Der Ansatz sei wie bisher, benachteiligten Jugendlichen den Übergang in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Wieder gehe es dabei um eine Kooperation mit ortsansässigen Betrieben, der Stadt und der Agentur für Arbeit. Doch zunächst müsse die Mitgliederversammlung des Trägervereins in der zweiten Augusthälfte abgewartet werden.

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erstellt am 01.Aug.2013 | 04:59 Uhr

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