Borbyer Friedhof in Eckernförde : Blockiertes Gaspedal: Schussfahrt übers Gräberfeld

Eine Spur der Verwüstung auf dem Borbyer Friedhof: Vier Gräber wurden durch die unkontrollierte Schussfahrt zerstört. Fotos: Kühl (2)
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Eine Spur der Verwüstung auf dem Borbyer Friedhof: Vier Gräber wurden durch die unkontrollierte Schussfahrt zerstört.

Ein 87-Jähriger Autofahrer hat auf dem Borbyer Friedhof die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren. Er raste über vier Grabstellen. Der Schaden ist beträchtlich.

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23. März 2016, 06:35 Uhr

Eckernförde | Das Gräberfeld am westlichen Rand des Borbyer Friedhofs ist stark lädiert. Umgestürzte und zerbrochene Grabsteine, entwurzelte Bäume und tiefe, lange Reifenspuren quer über vier Grabstellen. Der Ort der Ruhe und des Erinnerns ist ein Ort der Verwüstung. Der Vorarbeiter der Friedhofsgärtnerei, Hans-Jürgen Jeltsch, notiert alle Schäden. „Vor Ostern wollen wir das wieder hinkriegen.“

So etwas hat Jeltsch in seiner 20-jährigen Laufbahn als Friedhofsgärtner noch nicht erlebt. Dienstagmittag war ein älteres Ehepaar zu einem Vorgespräch mit ihm auf dem Borbyer Friedhof verabredet. Da der Mann stark gehbehindert ist, durfte er mit seinem Auto den gepflasterten Gehweg an der Westseite befahren. Nach dem Gespräch setzte sich das Ehepaar wieder in den Wagen und der 87-Jährige wendete. Dabei muss sich die Fußmatte irgendwo im Gaspedal verfangen haben, erzählte Hans-Jürgen Jeltsch.

Schon beim Wenden habe der Motor mehrfach aufgeheult. Und dann, so der Vorarbeiter, nahm das Fahrzeug plötzlich Fahrt auf, beschleunigte unkontrolliert und fuhr schnurstracks quer über das Gräberfeld. Die Wacholderbäume und die ersten drei Grabsteine konnten das Fahrzeug nicht aufhalten. Erst ein großer Grabstein dahinter beendete das Drama: der Wagen fuhr auf und blieb mit der Unterseite des Motorraums auf dem Stein liegen – die Räder des Heckantrieblers drehten sich weiter und wurden erst durch das Abstellen des Motors zum Stillstand gebracht. Das noch fahrbereite Fahrzeug wurde anschließend von einem Abschlepper abtransportiert und die Geschädigten informiert.

Glücklicherweise wurde bei diesem Zwischenfall zur Mittagszeit niemand verletzt, auch das ältere Ehepaar im Auto nicht. Glück im Unglück hatte Karin Brücker, die sich um das Grab ihrer Mutter und ihres Mannes direkt neben einem zerstörten Grab kümmert. „Eigentlich wollte ich das Grab Dienstagmittag bepflanzen, aber es war mir zu kalt. Es ist traurig, dass man nicht mal auf dem Friedhof seine Ruhe hat.“ Ihr nächster Pflanztermin ist jetzt der Sonnabend.

Da sich die Nachricht über die sozialen Netzwerke schnell verbreitete, war die Unglücksstelle auf dem Borbyer Friedhof gestern eine der meist fotografierten Orte Eckernfördes. Der Schaden auf dem Friedhof beläuft sich nach erster Schätzung des Friedhofsgärtners auf rund 10.000 Euro.

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