Bittere Pille und neuer Mutmacher

porträt kühl 1

von
08. Mai 2015, 14:51 Uhr

Irgendwie ploppt der gescheiterte Bahnhofs-Deal immer wieder zwischen den Synapsen auf. Mal ganz abgesehen davon, ob man den gegen die Wand fahrenden Zug nicht vorher durch entsprechende Weichenstellungen auf ein anderes Gleis hätte schieben können – hätte man vermutlich nicht, Verhandlungspartner war die Bahn –, blitzt immer wieder die Kaufpreisforderung auf: 900  000 Euro. Wofür bitte schön? Für das Häufchen Elend mit unansehnlicher Wartewabe, Bahnhofskaufmann mit Bistro, Kartenverkaufsbüro, kleiner Schaltzentrale, Bahnhofsmission und ein paar Quadratmeter leerstehender Gewerbefläche? Und da sind die Wertminderungen schon eingepreist. Da fragt man sich: Was treibt die Bahn? Will sie vielleicht gar nicht verkaufen? Denn einen besseren Käufer als die Stadt wird sie dafür wohl kaum finden.

Irgendwann, wenn der Lack so richtig ab ist, und der ganze Schuppen vielleicht nicht einmal mehr für 300  000 Euro zu verscherbeln ist, wird es zwei Verlierer geben: die Bahn – also im Zweifel wir Steuerzahler – und die Stadt, die um eine Chance zur Aufwertung des Gebiets gebracht worden ist.

Das Ganze ist schon mehr als bitter. Und die Kinofreunde gucken noch länger in die Röhre.

Ein Rückschlag für das erfolgsverwöhnte Eckernförde der vergangenen Jahre mit dem gelungenen Ausbau der Innenstadt und der Promenaden, der Hafenspitze und Projekten wie der Museumsräucherei. Wird langsam wieder Zeit für einen neuen Mutmacher. Vielleicht wird’s die Nooröffnung, für die die Stadt heute von 11 bis 15 Uhr hinter dem Aldi-Markt die Werbetrommel rührt. Jede Menge Detailfragen drohen derzeit den Blick fürs Ganze zu vernebeln. Wichtig wird es sein, eine überzeugende, städtebaulich ansprechende und soziale akzeptable Lösung für die Uferrandbebauung zu finden. Dafür lohnt sich jede Anstrengung, weil die sensible Innenstadt starke Impulse und belebende Entwicklungen braucht, um in Zeiten des Internethandels die Menschen auch weiterhin nach Eckernförde zu locken.

Aber es gibt nicht nur die Nooröffnung und die Innenstadt. Auch die Neuerschließung des früheren FH-Campus am Lorenz-von Stein-Ring und das große Borbyer Wohn- und Einzelhandelsprojekt an der Prinzenstraße sind wichtige Wegmarken auf dem Weg in die Zukunft.

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