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ÜBER 500 ZUSCHAUER KAMEN AUF IHRE KOSTEN : Bitterböser Humor und schlüpfrige Gags

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Comedy-Ehepaar, Emmi und Herr Willnowsky, zündete am Freitag ein Humor-Feuerwerk in der Eckernförder Stadthalle. Dieser Auftritt bildete den Auftakt einer Deutschlandtournee.

Hat man am Freitagabend in Eckernförde die Lachsalven gehört, die aus Richtung Stadthalle kamen? Da gastierten zum wiederholten Mal „Emmi & Willnowsky“, ein inzwischen stadt- und landbekanntes Kabarett– und Komiker-Paar. Mit über 500 Gästen war der Austragungsort proppevoll, restlos ausverkauft, und erwartungsfroh harrten dann alle im Saal der Dinge, die da kommen sollten.

Man weiß es ja eigentlich schon: Die grandiose Emmi ist in der alltäglichen Welt Christoph Dompke (50), und an Herrn Willnowskys Berliner Haustür steht als Name auch ein anderer: Christian Willner (48). Trotzdem ist es immer wieder umwerfend, wenn beide als altes Ehepaar auftreten – jede Form von Ablehnung, Verletzung und Qual inklusive. Das Schöne daran – und ganz anders als im wirklichen Leben: Die gegenseitige Feindseligkeit scheint sie nicht unglücklich zu machen. Ganz im Gegenteil: Mit unerhörtem Einfallsreichtum, atemberaubendem Witz und schier ungeheuerlichen Vorwürfen scheinen die beiden bei den Zuschauern selbstgemachte Erfahrungen aus dem eher Ab als Auf des Ehelebens zu bestätigen. Dinge beim Namen zu nennen, oft Gedachtes rüde und rücksichtslos endlich einmal auszusprechen, das reißt die Zuhörer vom Hocker. Alle, die unerfreuliche Ehe – und Beziehungserfahrungen haben, finden sich wohl wieder, lachen über die Leidensgenossen und schmeißen sich weg vor Amüsement.

Das eheliche Wasserbett sei ein totes Meer, die Sexualität inzwischen spannend wie ein Stein. „Unterschied zwischen Zwiebeln und meiner Frau? Wenn ich sie zerhacke, weint keiner. Und wenn sie am Friedhof vorbei geht, binden sich die Würmer schon die Lätzchen um.“ Und Emmi kontert: „Gehirnzellen kommen und gehen, Fettzellen bleiben. Und warum ich meinen Mann einen Halbidioten nenne? Ich wollte nicht die ganze Wahrheit sagen.“

Nach solchen und weitaus noch deftigeren „Zärtlichkeiten“ entdeckten die beiden im Zuschauerraum eine Besuchergruppe aus Sörup. Der dortige Edeka-Chef hatte seine Mitarbeiter eingeladen. Gnadenlos wurde Sörup mit Edeka und erdachtem Swingerclub zum „running gag“ des Abends. Über die jüngeren Männer machte sich die anscheinend notgeile Emmi her, holte einen von ihnen sogar auf die Bühne, mit dem Vorwand, ordentlich stille Pantomime zum gesungenen Text zu verzapfen. Das klappte prima. Das Publikum klopfte sich auf die Schenkel und verstand dann auch schnell: Eigentlich wollte Emmi ihn nur becircen, anmachen, auf seinem Schoß landen. Die aufgeheizte Emmi kann sich gar nicht lassen und legt noch einen Striptease obendrauf. Mann, Mann, die voluminöse Emmi und Striptease – blieb da ein Auge trocken? Gottlob war sie nur bis aufs Hemd entkleidet. So bewahrt Willnowsky beim Anblick seiner wildgewordenen Frau doch Contenance, lässt zwar ein paar üble Lästereien los, ist ansonsten aber ganz mit seinem Klavierspiel befasst. Und er kann spielen! Rutscht manchmal leichthändig ins Klassische ab, kriegt sich dann aber schnell wieder ein und ferkelt weiter. Nicht verwunderlich, dass „Willnowsky“ Musik studiert hat. Auch „Emmi“ ist eine Studierte, sogar Promovierte, lässt das aber nicht raushängen. Lediglich an der Intelligenz, die hinter allen lasziven Witzen, obszönen Vergleichen, Beispielen von irrer Wortakrobatik und blitzschneller Improvisation lauert, erkennt man die Könner. Sie wissen halt genau, mit welchen Un-ge-heu-er-lichkeiten sie ihre Gäste von den Stühlen holen.

Es wurde gesungen, ganz viel (aus –)gesprochen und agiert, zum Teil unter Mithilfe des Publikums – Direktkontakt war heiß erwünscht. Dabei war jegliche Schutzfolie entfernt von - Katholiken, Nonnen, Lesben, Schwulen, sexuell Tätigen und Untätigen. Heilige Kuh – adieu.

Auch Veranstalter Mario Hoff freute sich über den erneuten Erfolg in Eckernförde: „Wir lassen unsere Tournee 2016 bewusst hier starten, die Eckernförder sind immer ein tolles Publikum.“


>Weitere Termine in Schleswig-Holstein: Schleswig (4.11.), Neumünster (26.11.), Heide (27.11.)


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