Hamburg : Bischofswahl wurde zum Wahlkrimi

Gutes Miteinander:  Die Kandidatinnen bei der Wahl um das Hamburger Bischofsamt, Petra Bahr (links) und Kirsten Fehrs in der St. Michaelis-Kirche in Hamburg.  Foto: dpa
Gutes Miteinander: Die Kandidatinnen bei der Wahl um das Hamburger Bischofsamt, Petra Bahr (links) und Kirsten Fehrs in der St. Michaelis-Kirche in Hamburg. Foto: dpa

Es war knapp, es war spannend, - doch so richtig daneben liegen konnte die Synode bei der Wahl der neuen Bischöfin für Hamburg und Lübeck wohl sowieso nicht.

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18. Juni 2011, 10:01 Uhr

Hamburg | "Wir haben die Wahl zwischen zwei hoch kompetenten Frauen", hatte Schleswigs Bischof Gerhard Ulrich als Vorsitzender des Wahlausschusses geschwärmt, bevor die 121 Kirchenparlamentarier im Hamburger Michel zum Stimmzettel griffen. Am Ende entschied womöglich die größere Kompetenz als Norddeutsche zugunsten der Hamburger Pröpstin Kerstin Fehrs.

Allerdings brauchte die 49-Jährige vier Wahlgänge, um sich gegen die EKD-Kulturbeauftragte Petra Bahr (45) aus Berlin durchzusetzen. Weil von 140 stimmberechtigten Synodalen 19 nicht erschienen waren, hatte es in den ersten drei Wahlgängen für keine der Kandidatinnen zur absoluten Mehrheit gelangt. Fehrs lag zwar jedes Mal mit 62 beziehungsweise 63 Stimmen knapp vorn, verpasste aber die nötige Marke von 71 Stimmen. Entsprechend der Wahlbestimmungen stand die St. Jacobi-Hauptpastorin im vierten Anlauf dann allein auf dem Zettel und bekam 97 Stimmen.
Heimvorteil als "Eigengewächs Nordelbiens"
Fast ein Jahr nach dem Rücktritt von Maria Jepsen ist das Bischofsamt im Sprengel Hamburg und Lübeck damit wieder besetzt. Fehrs wird für etwa 900.000 Protestanten in 226 Kirchengemeinden verantwortlich sein. Zum Sprengel zählen außer den beiden Hansestädten auch große Teile der Speckgürtel-Kreise Pinneberg und Stormarn sowie der Kreis Herzogtum Lauenburg.

Wie von Ulrich vorhergesehen, machten die Bewerberinnen den Synodalen die Entscheidung nicht leicht. In gleichermaßen überzeugenden Vorträgen warben die Theologinnen nochmals für sich. Beide plädierten für eine aktive und mutige Rolle der Kirche bei bedeutenden gesellschaftlichen Themen. Kirsten Fehrs überzeugte zuletzt wohl mit ihrem Heimvorteil als "Eigengewächs Nordelbiens" aus. So erinnerte die gebürtige Dithmarscherin an ihre Taufkirche in Wesselburen. "Die war unser Schutz bei der Sturmflut 1962 und ich - ein halbes Jahr alt - war auf dem Arm meiner Mutter dabei."
(mlo, shz)

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