„... bis zu seinem Tode ...“

shz.de von
07. Juni 2018, 06:38 Uhr

Mit zunehmendem Alter wird der Körper hin und wieder reparaturbedürftig und ein Aufenthalt in einer Klinik erweist sich als notwendig. Vorzügliche Arzte sorgten immer wieder dafür, dass ich geheilt entlassen werden konnte.

So war ich einmal eingewiesen worden in eine große Klinik, die für die Lösung meines Problems besonders geeignet erschien. Nach Abschluss der erfolgreichen Behandlung erhielt ich, wie üblich, zum Abschied einen Arztbrief für den Hausarzt, in dem mein Gesundheitszustand beschrieben wurde. Auf der Heimreise, im Zug, öffnete ich diesen Brief, um zu erfahren, was über mich zu berichten war, soweit ich in der Lage war, die medizinische Fachsprache zu verstehen.

Mir stockte der Atem, als ich las: „Herr Kurt Füchtner, geboren am 2. 8 1934 war vom 22. 8, 2005 bis zu seinem Tode am 24. 8. 2005 bei uns in stationärer Behandlung.“

Bis zu seinem Tode! Über den eigenen Tod zu lesen, ist doch sehr berührend. Aber erfreulicherweise konnte ich an mir feststellen, es bestand kein Zweifel, dass ich noch lebte.

Außerhalb des Operationssaals war ich von einem Arzt und einer bildschönen, jungen Ärztin betreut worden. Sie war nicht nur eine Augenweide, sondern auch kompetent und charmant. Wenn sie ins Zimmer kam, vergaß man einen Augenblick seine Leiden und freute sich auf ein Gespräch mit ihr. Man wünschte sich fast, dass nicht ihr dieser Irrtum passiert war.

Wer immer es war, den Fehler sollte sie oder er selber finden. Ich bat am Telefon lediglich um einen Rückruf wegen des Arztbriefes. Zwei Stunden später rief eine Ärztin an. Sie entschuldigte sich tausend Mal, erklärte wie es passiert war, eine Verwechslung, der Computer, die viele Arbeit. Sie war so zerknirscht und ihr ganzes Mitgefühl strömte durch das Telefon für die unangenehmen Empfindungen, die der Brief bei mir ausgelöst haben müsste. Sie tat mir richtig leid. Ich hätte sie am liebsten in den Arm genommen, um sie zu trösten. Leider war mir im Moment der Name der Stationsärztin entfallen. Auch konnte ich sie schlecht fragen, ob sie die Hübsche, Kompetente ist. Wer immer es war, sie war sehr einfühlsam und sensibel.

Nach wenigen Tagen gehörte ich in dem neuen Arztbrief wieder zu den Lebenden. Später fragte ich mich, ob ein Patient eine Ärztin oder Arzt tatsächlich in den Arm nehmen darf, wenn sie oder er tröstenden Zuspruch bedarf. Wahrscheinlich geht das dann doch zu weit.

Einem Chefarzt erzählte ich von dieser Panne, ohne Ross und Reiter zu nennen. Einen kleinen Eingriff, meinte er, den man früher auf zwei Din à 4 Seiten dokumentiert hätte, würde heute, mit viel Zeitverlust, ein ganzes Aktenbündel auslösen. Man kämpfe nicht nur gegen Krankheiten, sondern auch gegen Papier und Computer.

Das entschuldige nichts, aber erklärte manches. So hat jeder Beruf seine Probleme.


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