zur Navigation springen

Flüchtlinge : „Bis jetzt nur positive Rückmeldungen“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Erste Zwischenbilanz der neuen Integrationslotsin Hanane Dhaibi zu ihrer Arbeit mit den Flüchtlingen

shz.de von
erstellt am 22.Okt.2015 | 05:59 Uhr

Eckernförde | Die Flüchtlingszahlen werden im Quartalstakt nach oben korrigiert. Während Eckernförde in diesem Jahr zunächst 80 Asylsuchende aufnehmen sollte, waren es zwischendurch 152 und 225, schließlich 411. Rund 180 sind mittlerweile untergebracht, der größte Teil soll noch kommen. Deshalb hat sich die Stadt um eine Integrationslotsin bemüht: Finanziert durch die Integrationspauschale des Landes, ist Hanane Dhaibi zum 1. Juli bei „ProRegio“ für 24 Stunden pro Woche angestellt worden. Die 33-Jährige mit marokkanischem Hintergrund lebt seit fünf Jahren in Deutschland und hilft den Flüchtlingen, sich zurechtzufinden. Eine erste Zwischenbilanz nach etwas mehr als 100 Tagen.

Sie sind jetzt seit dreieinhalb Monaten als Integrationslotsin tätig. Worin besteht Ihre Aufgabe?

In erster Linie geht es um die alltäglichen Dinge, bei denen ich die Flüchtlinge unterstütze. Die meisten können kein Deutsch, aber weil ich Arabisch spreche, kann ich mich mit den Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak verständigen.

Wie geht die Hilfe konkret über die Bühne?

Ich arbeite in Kooperation mit dem Rathaus, mit Simone Staack-Simon und Telse Brunkert. Wenn die Stadt neue Flüchtlinge bekommt, bin ich möglichst dabei. Wichtig ist dann zu erklären, wie der Verwaltungsapparat arbeitet, wo es Berechtigungsscheine für einen Arztbesuch gibt und wie die Unterbringung funktioniert. Ich kümmere mich darum, Kinder an der Schule anzumelden und Eltern einen Deutschkurs zu vermitteln.

Nun haben Flüchtlinge erst einen Anspruch auf die Finanzierung eines Deutschkurses, wenn sie ihre Aufenthaltsgenehmigung haben...

Das stimmt, aber UTS und der BSI-Campus bieten Kurse kostenlos an, zum einen auf dem Campus, zum anderen bei Nix Neues im Hans-Christian-Andersen-Weg 1. Und ab November beginnt ein neuer Kurs in der Bürgerbegegnungsstätte. Auch im Grünen Haus werden demnächst Kurse angeboten. Viele Ehrenamtliche ermöglichen zusätzliche Angebote, zum Beispiel Sprachpatenschaften.

Begleiten Sie auch Familien zum Amt oder zum Arzt?

Das gehört eigentlich nicht zu meinen vorrangigen Aufgaben, ich habe es anfangs aber gemacht, weil die Sprachbarriere zu groß war. Mittlerweile gibt es Ehrenamtliche, die diese Aufgabe übernehmen.

Wie eng arbeiten Sie mit dem Ehrenamt zusammen?

Alle vier Wochen findet das Willkommenscafé statt, heute zum Beispiel wieder von 16 bis 18 Uhr in der Bürgerbegegnungsstätte. Da treffen sich sowohl Leute, die sich über ein Ehrenamt erkundigen möchten, als auch Helfer, die schon lange dabei sind und zum Beispiel eine Patenschaft für eine Familie übernommen haben. Dabei vermitteln sie die deutsche Sprache und Kultur.

Gibt es Rückmeldungen von den Flüchtlingen über ihre Aufnahme in Eckernförde?

Bis jetzt nur positive. Sie freuen sich über jede Unterstützung. Und wenn sie sogar einen Paten bekommen, sind sie einfach glücklich. Fast jede Woche melden sich neue Freiwillige, die ihre Hilfe anbieten.

Heißt das, Sie haben genug Helfer?

Als ich anfing, war der Bedarf größer. Jetzt sind wir zufrieden mit der Beteiligung, nehmen aber immer gern neue Helfer an. Besonders hilfreich sind dabei Sprachkenntnisse wie Arabisch, Dari oder Armenisch.

Was sind die größten Probleme der Flüchtlinge und was können sie noch am besten gebrauchen?

Ich sehe noch einen Bedarf bei der Begleitung zum Arzt. Dort ist die Sprachbarriere besonders hinderlich. Oft werde ich gefragt, ob ich nicht mitgehen kann, um die Symptome zu schildern. Das schaffe ich aber nicht immer. Dafür benötigen wir noch Helfer.

Dafür muss man aber die Sprache sprechen. Wieviele Leute gibt es denn in Eckernförde, die Arabisch sprechen und übersetzen können?

Ich kenne bislang nur zwei Personen. Die eine hilft uns, die andere musste aus beruflichen Gründen aufhören. Aber es geht nicht nur um die arabische Sprache, sondern auch um die Menschen aus dem osteuropäischen Raum, aus Albanien zum Beispiel oder auch aus Armenien.

Gibt es Unterschiede in den Bedürfnissen der Flüchtlinge? Haben Flüchtlinge aus Syrien zum Beispiel andere Probleme als Flüchtlinge aus Somalia?

Ich merke, dass Flüchtlinge aus Syrien wegen der Kriegserlebnisse häufiger und stärker traumatisiert sind. Da wäre psychologische Hilfe angebracht, was aber aufgrund der Sprachbarriere nicht geschehen kann. Die Sprache ist also das A und O.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen