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Eckernförder Galerie- und Ateliernacht : Bis an die Grenze der Genießbarkeit

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Kunst- und Kulturverein organisiert Ausstellungen mit vielen Facetten. Preis an Brigitta Krause verliehen.

Eckernförde | Und wieder ein Abend im Namen der bildenden Kunst: In Eckernförde stand eine neue Galerie- und Ateliernacht an. Fast schon traditionell sorgte dabei der Eckernförder Kunst- und Kulturverein für den Auftakt und lud zur Eröffnung am Sonnabend in das Foyer der Stadthalle ein. Das fügte sich gut, denn hier hängt seit einiger Zeit ohnehin eine Bilderausstellung des Vereins. Unter dem Titel „Größenwahn“ finden sich zahlreiche Bilder, Skulpturen und eine Installation (wir berichteten). So gab es große Formate an großen Wänden und für die eintreffenden Besucher genügend Sitzgelegenheit, mehrreihig im Halbrund.

Das Programm des gesamten Abends ließ sich aus einem Folder entnehmen, der für Kunstinteressierte weitere fünf Anlaufstellen in der Innenstadt nannte: Die Galerie 66 mit einem Vortrag von Restauratoren aus Hamburg, die Frühstücksbühne (Marianne Tralau), HofART (Fognin alias Markus Feuerstack), Otte 1 das Künstlerhaus (aktuelle Stipendiaten der Stadt) und die Künstler Werkstatt von PeKa und Brigitta Krause.
Zunächst jedoch wurde die Eröffnung der diesjährigen „Nacht“ in der Stadthalle gefeiert. Die Vorsitzende des Kunst- und Kulturvereins, Margrit Niemann, hatte eine abwechslungsreiche Stunde organisiert. Hier kamen bei der Begrüßung auch der Stadtpolitiker und Maler Martin Klimach-Dreger und Vereinsmitglied Björn Schreurs zu Wort. Letzterer nutzte die Gelegenheit, um auf launige Weise einen ersten Preis des „K&K“ an Brigitta Krause zu verleihen. Die Eckernförder Künstlerin hatte eine riesige, dabei federleichte Installation in das Foyer der Stadthalle gehängt. Über hundert kleine Papierschiffe, besetzt mit Menschenköpfen (gezeichnet auf ebenfalls Papier) hängen am „seidenen“ Faden, bewegen sich je nach Luftzug ziellos in der Leere,Weite – Flüchtlingsschicksal auf dem Mittelmeer fällt ein, rüttelt auf, bedrückt und formuliert eine Tatsache – ohne ein einziges Wort. Auf lustige Weise sollten dann Kunstrosen und ein altertümliches Kristallgefäß den errungenen Preis für Brigitta Krause symbolisieren.

Es folgten Gedichte, Gedanken von und mit Linda und Harald Röthlin. Seine waren zumeist schwermütig, abgründig, trauernd – „das Leben selbst hat mich versäumt“. Wären nicht als frohe Ergänzung die positiven Worte und Ansichten der Linda Röthlin gekommen, hätte der Musiker und Sänger Detlev Uhle ganz allein für eine sonnige Stimmung in der kleinen Kunst-Gesellschaft sorgen müssen. Er sang gut und spielte sowohl die Gitarre wie die kleine finnische Kantele, dass das Zuhören richtig Freude machte. Seine plattdeutschen Lieder bekamen besonders viel Applaus. Dass er gegen Spenden für Amnesty International spielte, bekam noch zusätzlichen Beifall.

Der Programmpunkt „Galerie 66“ war schnell abgehakt: Den angekündigten Vortrag gibt es erst im nächsten Jahr, wenn die Galerie ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Weiter in die Nicolaistraße und hier zunächst zu Markus Feuerstack, alias Fognin. Bei ihm ließ sich die Galerie- und Ateliernacht so erleben, wie man es sich vorstellt: In dunklen Abendstunden bei schummriger Beleuchtung in einem gemütlichen Innenhof („HofART“) saßen die Besucher bequem an kleinen Tischen, hatten ihre Getränke vor sich, dazu zwei Musiker, denen man hätte stundenlang zuhören können.

Julian Petor-Isenburger aus Eckernförde spielte Klarinette und Saxophon, Marian Klein aus Kiel die Gitarre, und – beide Stimmen waren durchaus hörenswert. An den Backsteinwänden Fotografien und – ein toller Gag – an quergespannten Wäscheleinen hingen Druckblätter mit Menschenportraits. Markus Feuerstack, der jetzt auch ein Atelier auf der Carlshöhe hat, arbeitet momentan mit Hochdruckverfahren. Er kombiniert sie mit eigener Handschrift nach Texten von Arthur Rimbaud (1854 – 1891). „Manches kann man lesen, vieles auch nicht, und das soll so“, meint Fognin, wie sich Markus Feuerstack mit Künstlernamen nennt.

Die Haustür zum Künstlerhaus in der Ottestraße ist offen, aber es brennt kein Licht, nichts zu hören, drinnen alle Türen abgeschlossen. Wo sind die Stipendiaten? Es ist doch erst kurz vor 22 Uhr, und laut Ankündigung soll die „Kunstnacht“ bis 24 Uhr dauern? Also zu Marianne Tralaus „Frühstücksbühne“ in der Nicolaistraße – viele Stufen geht es hoch, bis man sie oben unterm Dach vorfindet. Beim Eintreffen nur wenige Besucher, ein karger Raum, außer Schwarz und Weiß keine Farben. Das macht stutzig, das macht neugierig. Sie liebt Stift und weißes Papier, sie liebt Striche – für Marianne Tralau lässt sich alles Wichtige mit schwarzen Strichen auf weißem Untergrund ausdrücken. Angedeutetes hat oft Stacheln und scharfe Kreuze – Schmerzen im Fadenkreuz der Symbole. „Ich möchte die Grenze der Genießbarkeit erreichen, – ich nehme mir das Recht heraus, unangenehm zu sein,“ sagt Marianne Tralau. Das ist ehrlich – gedacht und gearbeitet. Zu später Stunde kletterten noch viele Besucher auf den Stufen nach oben.

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