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Landschlachterei in Ascheffel : Biofleisch aus den Hüttener Bergen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Nach 40 Jahren geht Ascheffels Schlachter Dethard Staar in den Ruhestand / Nachfolger wird die Biofleisch-Erzeugergemeinschaft Hüttener Berge

Vor 65 Jahren gründeten Heinz und Anneliese Staar die Schlachterei in Ascheffel. Schon früh trat Dethard Staar in die Fußstapfen seines Vaters. Mit 15 Jahren begann er seine Lehre im elterlichen Betrieb und packte auch schon in den Jahren zuvor immer wieder im Geschäft mit an. 1968, im Alter von 22 Jahren, absolvierte er seine Meisterprüfung. Unter anderem war Dethard Staar bei der Schlachterei Sell in Kronshagen sowie Gotlieb Flügge und Harald Meyer in Eckernförde tätig. 1965 übernahmen er und seine Frau Sigrid die Schlachterei. „Nach 53 Jahren ist jetzt Schluss“, sagt Staar. Zum Ende des Jahres geht er in den Ruhestand. Am Sonnabend wird er zum letzten Mal mit seinem Verkaufswagen auf dem Eckernförder Wochenmarkt stehen.

Einen Nachfolger aus der eigenen Familie kann der 68-Jährige nicht präsentieren, aber dennoch soll die Tradition der Landschlachterei im Dorf fortgesetzt werden. Den gesamten Gebäudekomplex samt Wohnhaus im Förstereiweg in Ascheffel hat die Gesellschaft (GbR) der Biofleisch-Erzeugergemeinschaft Hüttener Berge erworben. Der Gesellschaft gehören mit Rolf Pieper aus Ascheffel und Detlef Matthiessen aus Osterby sowohl Verbraucher als auch mit der Familien Mahrt-Thomsen (Damendorf), der Familie Gosch aus Holzbunge, Ingo Tornier aus Hütten und Hans-Jürgen Gosch aus Hüsby, Fleischerzeuger an. Sprecher der GbR und der Arbeitsgruppe „Biofleisch Hüttener Berge“ ist der Agrarstudent Jakob Gosch. Für Rolf Pieper, den Geschäftsführer der GbR, ist es bei dem Projekt wichtig, die ländliche Versorgung zu unterstützen und den Schlachter im Ort zu halten. Er besuchte die Betriebe in der Region und warb für das Projekt.

„Erste Gespräche hat es schon im Herbst 2012 gegeben, als klar war, das Dethard Staar aufhört“, berichtet Jakob Gosch. Stammkunden und landwirtschaftliche Betriebe haben gemeinsam ein Konzept erarbeitet, um die Schlachterei weiterzuführen. „Die Erzeugerbetriebe liegen alle in der Region Hüttener Berge und sind daran interessiert, eine hofnahe Schlachtung weiter aufrecht zu erhalten“, betont Gosch. Einer der Betriebe ist der Hof Saelde in Schoothorst. „Wir wollen kurze Transportwege für die Tiere, den Stress für sie vermeiden,“ sagt Johannes Richert, das spiegele sich auch in der Qualität des Fleisches wider. Das sei schon bei Dethard Staar immer der Fall gewesen und das soll auch unter der neuen Betreibergesellschaft weiter gehen, sagt der Landwirt und Betreuer vom Hof Saelde. „Bis vor drei Jahren habe ich noch selbst geschlachtet“, sagt Dethard Staar, „Schweine, Schafe und Rinder“. Die Kunden konnten sicher sein, dass das Fleisch aus der Region stammte. Auch Staar selbst hatte eine eigene Angus-Herde in Langstücken laufen. Dorthin wird auch Staar mit seiner Familie ziehen. Der Hof dort wird derzeit umgebaut, ein paar Tiere will er noch behalten – als Hobby.

Das neue Konzept setzt künftig ausschließlich auf Biofleisch. „Es wird keine Vermischung mit konventioneller Fleischware geben“, betont Jakob Gosch. Neben dem Hof Saelde gehört auch der Hof Gosch (nicht verwandt mit Jakob Gosch) in Hüsby bislang dazu. Der elterliche Hof von Jakob Gosch mit der Anguszucht in Holzbunge soll in den nächsten Jahren das Bio-Zertifikat erhalten. „Viele Kunden wollen wissen, wo das Fleisch herkommt und Erzeuger wollen ihr Fleisch nicht anonym an Schlachthöfe verkaufen“, hat Jakob Gosch festgestellt. „Biofleisch Hüttener Berge“ soll so zu einer Marke in der Region werden. Der Kontakt vom Verbraucher zum Erzeugerhof ist somit sehr eng, der Weg vom Ferkel zur Wurst und vom Kalb zum Steak wird nachvollziehbarer.

Doch das Wichtigste fehlt der Erzeugergemeinschaft noch: der Schlachter. „Wir waren uns bereits mit einem Fleischermeister einig, doch der sprang plötzlich ab“, berichtet Gosch. Denn viele juristische Detailfragen mussten geklärt werden, die Umsetzung dauerte länger als erwartet, da wollte der Interessent nicht mehr warten. Rolf Pieper und Jakob Gosch sind guter Dinge, dass zum neuen Jahr diese Personalie steht. „Wir sind in Kontakt mit der Innung“, so Pieper.

Vieles hänge vom neuen Fleischermeister ab. Einige der Maschinen aus Staars Betrieb können übernommen werden. Dennoch muss die GbR investieren – im fünfstelligen Bereich, vermutet Rolf Pieper. Eine Begehung mit dem Veterinäramt des Kreises hat es schon gegeben. Auch eine bauliche Erweiterung ist durchaus denkbar. Unterstützt bei den Planungen und Genehmigungen wird sie dabei von der Gemeinde Ascheffel. „Wir sind froh, dass der Betrieb im Ort erhalten bleibt. Es ist lobenswert, dass wir frühzeitig in die Planungen eingebunden wurden“, sagt Bürgermeister Günther Petersen.

 

>www.biofleisch-huettenerberge.de

 


 

 

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erstellt am 27.Nov.2014 | 06:33 Uhr

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