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Jetzt geht es los : Bio-Offensive aus den Hüttener Bergen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Zusammenschluss regionaler Betriebe startet Produktion / Biofleischerei lädt am Sonnabend zum Verkauf bei ehemaliger Schlachterei Staar in Ascheffel

Ascheffel | Die Gemeinde Ascheffel hat wieder eine Schlachterei. Ende 2014 ging Fleischermeister Dethard Staar nach rund 40 Jahren in den Ruhestand und schloss damit das Kapitel der traditionsreichen Landschlachterei – zumindest für etwa zwei Jahre. Am Sonnabend, 18. Februar, von 10 bis 16 Uhr, lädt die neu gegründete Biofleischerei Hüttener Berge zum ersten Werksverkauf im Förstereiweg.

„Im Dezember wurden die ersten Schweine und das erste Rind für die Probeproduktion geschlachtet“, berichtet Jakob Gosch. Der 32-jährige Holzbunger ist geschäftsführender Gesellschafter der GmbH & Co.KG. Seit Aufnahme der ersten Gesprächen vor rund vier Jahren über die Übernahme der Schlachterei ist Gosch dabei. Landwirten und Verbrauchern aus der Region Hüttener Berge lag es am Herzen, dass auch nach dem Ruhestand von Staar eine hofnahe Schlachterei erhalten bleibt. Viele Kunden wollen wissen, wo das Fleisch herkommt, und Erzeuger wollten ihre Tiere nicht anonym an Schlachthöfe verkaufen. Es gründete sich die Biofleisch-Erzeugergemeinschaft Hüttener Berge, die sich schließlich mit Dethard Staar über den Kaufpreis des Gebäudes im Förstereiweg einig wurde. Der Gesellschaft gehören die Landwirte Hans-Jürgen Gosch aus Hüsby, Ingo Tornier aus Hütten, Familie Gosch aus Holzbunge, Jürgen Mahrt-Thomsen aus Damendorf und die Familie Richert vom Hof Saelde an sowie als Verbraucher Detlef Matthiessen aus Osterby, Rolf Pieper, Dr. Michael Fleischhauer und Jörg Harder (alle aus Ascheffel). Hinzu kommen noch 17 so genannte stille Gesellschafter. Mit Michael Rosenträger (45) ist auch ein Schlachter gefunden, der das Handwerk von der Pieke auf gelernt hat.

Viel Geld, Geduld und Nerven mussten aufgebracht werden, um einen konventionellen Betrieb, wie ihn Staar jahrelang führte, in einen bio-zertifizierten Betrieb mit EU-Zulassung umzuwandeln. Für neue Maschinen und den Umbau haben die Gesellschafter rund 90  000 Euro investiert.

Etwa zwei Jahre dauerten die Vorabgespräche, weitere zwei Jahren steckten die Gesellschafter in die Modernisierung der Gebäude, um schließlich das Zertifikat als Bioschlachterei zu erhalten. Unter anderem wurde im Sommer 2016 ein Crowdfunding-Projekt initiiert, bei dem Spendengelder für Maschinen gesammelt wurden. 15  000 Euro kamen zusammen. Als es dann im Herbst beinahe losgehen sollte, stellte sich heraus, dass die Abwasserleitung unter dem Vorplatz erneuert werden mussten, über 20  000 Euro mussten investiert werden. Dann kam noch die Vogelgrippe hinzu, die die Behörden im Kreis dermaßen in Anspruch nahm, dass sich die Biofleisch Hüttener Berge GmbH für einige Wochen in der Warteschlange bei den Bearbeitungen befand.

Das neue Konzept setzt ausschließlich auf Biofleisch. „Es gibt keine Vermischung mit konventioneller Fleischware“, betont Gosch. Außerdem gebe es keine langen Transportwege. „Kein Tier ist länger als 30 Minuten unterwegs.“ Massenschlachtungen wie in großen Fleischfabriken üblich, werde es in Ascheffel nicht geben. Drei bis fünf Rinder sollen pro Woche geschlachtet werden, fünf bis zehn Schweine, rund 20 Schafe und Ziegen. Einen Wartestall wird es also nicht geben, unnötiger Stress für die Tiere bleibt aus. Mit einem Bolzenschussgerät oder der Elektrozange werden die Tiere betäubt, anschließend lässt der Schlachter sie durch einen Halsstich ausbluten. Ein Tierarzt ist immer dabei.

Michael Rosenträger hat viele Ideen für die Zubereitung. Das sind Rezepte von seinem Großvater, aber auch aus von den vielen Schlachtereien aus Hessen oder Niedersachsen, in denen er bereits tätig war. Die ersten Produkte wurden bereits im Biomarkt in der Speicherpassage in Eckernförde verkauft. „Den Kunden hat’s geschmeckt“, erzählt Gosch von den Reaktionen. „Das schmeckt wie früher“, hätten einige gesagt, die sich gefreut hätten, dass auch wieder Rezepte, die nahezu in Vergessenheit gerieten, wieder aufgetischt werden, beispielsweise Zungenwurst.

Neben der Lohnschlachtung für Direktvermarkter kauft die Biofleischerei auch Tiere für die eigene Produktion auf und beliefert – derzeit noch in geringem Umfang – Gastronomie, Hotels und Weiterverkäufer. Ideen gibt es viele. So sei man derzeit in Planung, den hohen Verpackungsanforderungen nachzukommen, um Konserven oder Dosen für den Handel anzubieten. Auch den Versand- und Internethandel habe man im Auge, betont Gosch.

Zum Verkaufsstart am Sonnabend wird es eine Auswahl von über 30 Wurst- und Schinkenprodukten von Rind, Schwein und Schaf geben. Die Erzeuger und der Fleischermeister beantworten Fragen zur Tierhaltung und Produktionen. In den kommenden Wochen wird der Werksverkauf immer freitags von 14 bis 18 Uhr stattfinden. Eine Erweiterung der Öffnungszeiten ist aber geplant. 



> www.biofleisch-huettenerberge.de

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erstellt am 17.Feb.2017 | 06:41 Uhr

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