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Eckernförder Zeitung

23. Oktober 2017 | 19:18 Uhr

Big brother is watching you

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 11.Feb.2017 | 06:07 Uhr

Jeder Moment, jedes Tun, jedes Wort wird registriert, festgehalten und beurteilt. Das Gefühl und die Angst, dem ausgesetzt zu sein, kennen wir. In Psalm 139 heißt es: „Herr, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht alles wüsstest.“

Auch wir Christen glauben, dass Gott jeden Moment unseres Lebens auf uns achtet. Aber das ist ein liebvoller, behütender, kein abschätzender und abwägender Blick, mit dem unser himmlischer Vater uns bedenkt. Ein Blick, unter dem wir uns nicht nur wahrgenommen, sondern besonders angenommen wissen dürfen. Gott schenkt uns seine Zuwendung und unser Ansehen. „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst dein Hand über mich.“ So singen und beten wir schon mit unseren Kindern: „Kennt auch dich und hat dich lieb...“ Wir versuchen unseren Kindern weiter zu geben, dass das auch Bedeutung für den Umgang miteinander hat.

Geht es aber um das eigene Recht und die persönlichen Ansichten, vergessen wir schnell, wie wichtig es ist, uns auch untereinander ein Ansehen zu geben und zu wahren. Die Tugenden Behutsamkeit und Achtsamkeit stehen besonders im öffentlichen Umgang nicht sehr hoch im Kurs. In den Kommentaren im Internet und in den Medien lässt sich das zuhauf belegen. Das betrifft auch unser beschauliches Städtchen Eckernförde, wenn die Bürger sich an den politischen Auseinandersetzungen und Diskussionen aktiv beteiligen.

Eigentlich eine gute Sache – aber ich nehme wahr, dass die Spannungen und das gegenseitige Misstrauen über die Jahre gestiegen sind und darüber das Ansehen der Stadt und aller Beteiligten Schaden genommen hat. Der Ton, der die Musik macht, hat sich unangemessen verändert und ist nun voller abwertender und verletzender Dissonanzen. Die Vorstellung, dass die notwendigen Auseinandersetzungen bei jedem Zukunftsprojekt in diesem Stil geführt werden, bedrückt mich.

Es wird Zeit, dass wir einander wieder ein Ansehen geben: Den Bürgern die notwendige Aufmerksamkeit und Achtung, die ihnen zusteht, den von uns gewählten Politikern den rechten Respekt und uns allen mehr Behutsamkeit im Umgang miteinander.

Einen gesegneten Sonntag wünscht
Pastor Rainer Kluß, Kirchengemeinde Borby

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