Honigmanufaktur : Bienen sind ihre Leidenschaft

Agnes Flügel steht mit einer vollen Honigwabe im benachbarten Rapsfeld, das ihre Bienen zurzeit gerne anfliegen. Eine spezielle Handsalbe verhindert ein zu häufiges Stechen.
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Agnes Flügel steht mit einer vollen Honigwabe im benachbarten Rapsfeld, das ihre Bienen zurzeit gerne anfliegen. Eine spezielle Handsalbe verhindert ein zu häufiges Stechen.

Die Imkerin Agnes Flügel hält rund 50 Völker. In Seminaren vermittelt die Kulturwissenschaftlerin die kleine Bienenkunde für alle Interessierten.

shz.de von
23. Mai 2015, 05:56 Uhr

WAABS Es summt und brummt, wenn man das Grundstück der Honigmanufaktur Flügelchen im Immenhorst betritt. Es ist die Zeit der Rapsblüte – die Sonne scheint, so dass die Bienen ihre Stöcke verlassen und ausfliegen. „Das Summen und der Geruch, der einem entgegenströmt – das ist einfach toll“, sagt die Imkerin Agnes Flügel. Die studierte Kulturwissenschaftlerin, die ehemals in der Internetbranche in Hamburg gearbeitet hat, hat ihre Berufung gefunden, die sie auch heute noch nach fast zehn Jahren nicht mehr loslässt. Bienen und Honig faszinieren die 47–jährige, die 2007 ihre ersten eigenen Völker angeschafft hat.

Die Honigfrau, so der Titel ihres 2011 erschienenen Buches, hat sich mit der Imkerei ein neues berufliches Standbein geschaffen. Mittlerweile nennt sie 40 bis 50 Völker ihr Eigen – jedes Volk umfasst rund 60  000 Bienen. Lag ihr Augenmerk anfangs hauptsächlich auf der Herstellung von Honig und dem Aufbau eines Vertriebsnetzes, bietet Agnes Flügel seit dem letzten Jahr auch Seminare an. Auslöser war eine Anfrage des Schwansener Landfrauenvereins, in dem die Waabserin Mitglied ist. „Sie interessierten sich für die Imkerei, und das war dann der Anfang“, verrät Flügel. So bietet sie zweieinhalbstündige Seminare an. Wichtig ist ihr, nicht nur die Technik des Imkerns zu präsentieren, wie Aufbau und Pflege eines Bienenstocks oder das Schleudern des Honigs in der dafür eigens vorgesehenen Küche. Agnes Flügel möchte viel mehr auch die jahrtausendalte enge Beziehung zwischen Mensch und Biene verdeutlichen. Bereits in der Antike hätten reiche Griechen Imker beschäftigt, Honig sei als Grabbeigabe von Pharaonen gefunden worden. In der Osternacht würden Bienenwachskerzen, und in der Bibel heiße es, ein Land, wo Milch und Honig fließen. Die große Bedeutung, die Honig einst in der Vergangenheit hatte, sei durch die Industrialisierung gewichen.

Auch gibt Flügel in den Seminaren Antworten auf die Fragen: Wofür fliegen Bienen dreimal um die Welt, und warum ist Honig mal fest und mal flüssig? Als herausragendes Merkmal der Biene, im Vergleich zur Hummel, die auch bestäubt, nennt Flügel: „Die Biene ist blütenstet. Sie bleibt einer Blüte treu und wechselt zwischendurch nicht.“

Immer wieder begeistert ist die 47-Jährige von dem Kommunikationssystem ihrer Bienen. „Kommt eine Biene zurück in den Stock, trägt sie Pollen der zuletzt besuchten Blüte im Haarkleid. Diesen Geruch nehmen ihre Artgenossen wahr. Die Biene wackelt zusätzlich mit den Hinterleib und führt einen Tanz auf. Durch die Vibration, die in der Wabe dem dunklen Stock entstehen, entnehmen ihre Mitbewohnerinnen Informationen über den Ort der begehrten Blüte. Der einfache Rundtanz sagt ihnen, ob sich die Futterquelle in einer Entfernung unter 100 Meter befinden. Liegt diese entfernter vom Stock, teilt die Biene mithilfe des Schwänzeltanzes auch Entfernung und Richtung der Blüten mit“, erzählt Flügel.

Trotz des zu kalten und nassen Frühjahrs hofft die Imkerin in diesem Jahr auf eine gute Ernte, die sie als Mitglied von feinheimisch sowohl auf Märkten als auch in ihrem Hofladen verkauft. Fällt eine Ernte gut aus, gewinnt sie rund 40 Kilogramm Honig pro Volk.

Informationen zur Honigmanufaktur Flügelchen unter www.fluegelchen.de, Tel. 04352/948987. Ein zweieinhalbstündiges Seminar inklusive Verkostung kostet 19 Euro pro Teilnehmer.

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