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Eckernförder Zeitung

24. Oktober 2017 | 02:54 Uhr

Getanzte Passion : Bewegung im Leiden

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

„No Borders Company“ zu Gast in der St.-Nicolai-Kirche / Leidensweg Christi künstlerisch interpretiert

Mit dem Läuten der Kirchenglocken in St. Nicolai begann und endete ein ungewöhnlich intensiver Abend. Eine Woche vor Karfreitag erwartete die Besucher keine Johannes-Passion der gewohnten Art. Hier hatten sich unter der musikalischen Leitung von Kirchenmusikdirektorin Katja Kanowski und der Regie von Stela Korljan Einzelaspekte zusammengefügt, die den Leidensweg Christi in besonders sinnfälliger Art formulierten und zum Mitempfinden, zur schmerzlichen Anteilnahme frei gaben.

Christus – verraten, verspottet, gequält und verhöhnt, Gottes Sohn in der Todesstunde am Kreuz verlassen, als „Judenkönig“ mit Dornen gekrönt – diese biblische Geschichte ist durch alle jährlichen Wiederholungen, mit Bildern und Skulpturen durch alle Jahrhunderte und neuzeitlich auch mit „Spiel“-Film dokumentiert, allen bekannt, hat mit all seiner Grausamkeit schon fast an Unglaublichkeit verloren. Die ergreifende Inszenierung in der St.-Nicolai-Kirche zeigte den Leidensweg Jesu wieder neu, erschütternd durch die ungewöhnliche Kombination der Attribute: Zwei Tanzsolisten aus Berlin verkörperten Jesus (Alexander Abdukarimov) und Maria (Marina Kanno). Eine viele Meter lange rote Stoffbahn bot sich als Symbol an – als (Leidens-)Weg, als Blutspur, chaotisch verheddert als Wirrwarr und Wahnsinn in Geist und Seele. Die enge Verbindung zwischen Mutter und Sohn, Verzweiflung und Hilflosigkeit, Qual, Angst und Schmerzen – das alles spürte man beim Anblick der Bewegungsabläufe.

Das Ensemble Voces Berlin interpretierte Christoph Demantius’ Choralpassion (1631) in solistischer, sechsstimmiger Besetzung: „ Passion nach dem Evangelisten Johannes“ und „Weissagungen des Leidens und Sterbens Jesu Christi aus dem 53. Kapitel des Propheten Esajae“. Kirchenmusikdirektor Michael Mages, Flensburg, ergänzte das Gesamtprogramm mit Orgelimprovisationen.

Dieses spartenübergreifende Kunstprojekt der „No Borders Company“ ist die zweite Inszenierung der beiden Nicolai-Gemeinden in Flensburg und Eckernförde sowie dem deutsch-dänischen Kulturfokus.

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