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Bewegung, Erholung und Ernte an frischer Luft

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Warum Schrebergärten trotz ihres etwas angestaubten Image’ so gut für die Seele der Städter sind

von
erstellt am 07.Jun.2016 | 06:10 Uhr

Mütter und Söhne haben naturgemäß oft verschiedene Ansichten. Das könnte eine Altersfrage sein. Das Gute ist nun, dass wir im Freundinnen-Frühstücks-Kreis über diese Ansichten und daraus manchmal resultierenden Probleme diskutieren und beraten können. Gut ist daran auch, dass wir uns oft in unseren Ansichten und Vorhaben bestärken. Das könnte nun wiederum am gleichen Alter liegen.

Fakt ist, dass vor einiger Zeit eine von uns dreien erzählte, dass ihr Sohn sie belächelt, weil sie sich einen Schrebergarten zugelegt hat. Seine Mutter ist eigentlich recht unkonventionell, daher meinte er nun: Das ist doch ziemlich spießig, oder, Mama?

Wir anderen beiden wissen davon schon länger und finden, dass es eine gute Idee war, mit einer Freundin, die etwas jünger ist, einen Schrebergarten zu pachten und neu zu gestalten. Wenn man im 5. Stock eines Hauses mitten in Kiel wohnt und weder Dachgarten noch Balkon hat, ist es in unseren Augen einfach eine tolle Sache. Spießig hin, spießig her – sie macht all das, was ich manchmal vermisse, seit ich Haus und Garten verkauft habe: sie buddelt, sie sät, sie pflanzt, sie schneidet – und sie erntet. Es gibt kaum etwas, dass entspannender ist - finde ich jedenfalls. Sie fährt mit dem Fahrrad hin und ist stundenlang an der frischen Luft.

Nun sind Schrebergärten ja in den letzten Jahren rückläufig, das weiß jeder von uns. Dem Namen dieser Gärten, benannt nach ihrem Erfinder Daniel Moritz Gottlieb Schreber, haftet in unserer Zeit schon in den Gedanken vieler etwas Altmodisches an. Viele Parzellen, auch in Eckernförde, werden nicht mehr genutzt. Und doch gibt es Ideen, mit kleinen Gruppen diese Gärten wiederzubeleben, zu bearbeiten und – nicht unwichtig – Ernten einzufahren, die diese Gartenfreunde inzwischen stolz präsentieren können. Was nach dem Krieg lebensnotwendig war, müsste nur ein wenig abgestaubt werden. Vielleicht besinnen sich doch in den nächsten Jahren manche jungen Familien ohne eigenen Garten am Haus wieder auf diese bodenständige Art des Pflanzens und Erntens, wie es unsere gar nicht spießige Freundin praktiziert.

Wenn man sich allerdings zu zweit oder in Gruppen zusammen tut, um diesem alten Hobby, das auch echte Arbeit bedeuten kann, zu frönen, dann sollte man sich in jedem Fall über die einzelnen Schritte im Garten absprechen. In der Gartengemeinschaft unserer Kleingärtnerin gab es trotz ihrer guten Absicht, einige Beete neu anzulegen und somit die Anlage aus ihrer Sicht zu verschönern, ein paar unschöne Momente, weil eben die Partnerin andere Vorstellungen hatte. Aber inzwischen ist alles bereinigt.

Und wenn auch der Sohn unserer Gärtnerin bei seiner Meinung bleiben sollte, wird seine Mutter damit leben können, auch einmal spießig sein zu dürfen, wenn es ihr guttut. Ich glaube, ein bisschen Spießer sind wir alle – die Jüngeren wissen es manchmal nur nicht.

Und was soll ich sagen: Als der junge Mann den Garten gesehen hatte, stellte er sich sofort als Nachfolge-Pächter zur Verfügung, falls Mama nicht mehr gärtnern möchte – könnte wieder eine Altersfrage sein.

Wer weiß, vielleicht sind Schrebergärten in ein paar Jahren überhaupt nicht mehr spießig, sondern „hip“ oder „cool“, also total „in“!


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