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Schöffengericht : Bewährungsstrafe für Hühnerdieb

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ein 26-Jähriger ist am Schöffengericht zu eineinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er hatte Gartenlauben aufgebrochen und daraus Gegenstände gestohlen – und Hühner.

shz.de von
erstellt am 16.Sep.2017 | 06:52 Uhr

Eckernförde | Sein Gartenhäuschen glich einem Lager: Hirschgeweihe und Gaslaterne, Luftentfeuchter, Bauholz, Dekofiguren, Tiertransportboxen und Flechtkorbgarnituren. Auch ein großer Räucherofen, ein Rundgrill und ein aufgebrochener Wandtresor eines Tennisclubs gehörten dazu, nicht zuletzt mehrere lebendige Hühner. Jetzt ist der Pächter des Kleingartens wegen 14 Fällen des Diebstahls in besonders schwerem Fall am Schöffengericht zu einer Strafe von eineinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 26-Jährige die Gegenstände und Tiere gestohlen hatte, indem er andere Kleingartenlauben aufbrach. Der Angeklagte bestritt dies bis zum Schluss.

Es war der fünfte Verhandlungstag. Zuvor hatten Richter und Schöffen über 30 Zeugen gehört, unter anderem mehrere Kleingärtner, die ihre persönlichen Gegenstände größtenteils wiedererkannten. Und auch die Version des Angeklagten bekamen sie zu hören. Dieser hatte erzählt, dass die Gegenstände nicht von ihm, sondern von einem Bekannten stammten, der einige Zeit den Garten nebenan bewirtschaftet hatte. Um diesen für den Nachpächter aufzuräumen, habe er die Sachen bei sich untergestellt.

Doch das wollte die Staatsanwältin nicht glauben. Zum einen hatte ein Kumpel des Angeklagten zugegeben, mit ihm zusammen in mehrere Gartenlauben eingebrochen zu sein, zum anderen hatte der Angeklagte einige Aussagen im Laufe der Zeit mehrfach geändert, sobald sie sich als nicht glaubhaft erwiesen. Sie stellte fest, dass es sich durchweg nicht um Hehlerware handelte: „Es ging nur darum, die eigene Laube gemütlich einzurichten.“

Die Verteidigerin hatte eine andere Auffassung: Die Gegenstände seien zwar bei ihrem Mandanten gefunden worden, jedoch deute nichts darauf hin, dass er sie auch gestohlen habe. Sie wies darauf hin, dass zwischen dem Diebstahl und dem Auffinden der Gegenstände mehrere Jahre lagen. Es fehlten die Beweise für die Einbrüche. Dem Belastungszeugen, der mehrere gemeinsame Einbrüche zugegeben hatte, wollte sie nicht glauben. Er habe sich rächen wollen, weil es zuvor einen heftigen Streit zwischen den Kumpels gegeben habe. Zudem sei seine Glaubwürdigkeit wegen seines Alkohol- und Drogenproblems in Zweifel gezogen. Sie forderte einen Freispruch.

Richter Tiedemann und die beiden Schöffen ließen sich Zeit für die Bewertung der Beweisaufnahme. Schließlich folgten sie der Argumentation und dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Erklärungen des Angeklagten seien nicht nachvollziehbar gewesen, auch gebe es keine Anhaltspunkte für ein Komplott, das der Belastungszeuge gegen ihn schmiede. Im Gegenteil: Er habe die Taten nachvollziehbar schildern können und sich damit sogar selbst belastet. Zudem habe der Angeklagte erst während der Hauptverhandlung erklärt, dass die Gegenstände seinem ehemaligen Gartennachbarn gehörten. Bei der Polizei hatte er zuvor noch eine andere Geschichte erzählt.

Die eineinhalb Jahre Freiheitsentzug sind auf zwei Jahre Bewährung ausgesetzt. Sollte der Angeklagte keine geregelte Arbeit vorweisen, kommen noch 150 Stunden gemeinnützige Arbeit hinzu.

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