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EIne Krankheit mit vielen gesichtern : Bewährte Therapien und neue Perspektiven

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Rund 200 Besucher bei Deutsch-Dänischem Parkinson-Kongress in Damp

Die Diagnose „Parkinson“ ist für die Betroffenen ein Schock. Die neurodegenerative Erkrankung bedeutet in den meisten Fällen den langsamen Verlust von Lebensqualität und Eigenständigkeit. Muskelstarre und Muskelzittern, Haltungsinstabilität und Bewegungsverlangsamung bis hin zum Bewegungsverlust begleiten die erkrankten Menschen. Brigitte Kunze kennt die heimtückische Krankheit. Sie ist selbst betroffen und weiß um die Auswirkungen, die die Krankheit für den Patienten und seine Familie hat. „Die Krankheit ist immer noch schambesetzt“, erzählt die ehemalige Tontechnikerin von Radio Bremen, die heute zusammen mit ihrem Mann Jürgen der Deutschen Parkinson Vereinigung in Schleswig-Holstein vorsitzt und in Rendsburg eine Selbsthilfegruppe mit rund 100 Mitglieder leitet.

Das Zittern und der unsichere Gang seien in einer unaufgeklärten Gesellschaft immer noch allzu oft ein Zeichen von beispielsweise. Alkoholismus. Der deutsch-dänische Dialog, zu dem Ehepaar Kunze in diesem Jahr nach Damp einlud soll Abhilfe schaffen. Natürlich stand die Fachlichkeit im Mittelpunkt, der Wunsch, den Erkrankten gute Hinweise auf Hilfen im Alltag zu vermitteln, aber auch die Aufklärung ist und bleibt wichtiges Anliegen der engagierten Familie. „Im letzten Jahr haben wir uns mit dänischen Patienten in Sonderburg getroffen, in diesem Jahr sind 200 Teilnehmer nach Damp angereist“.

An zwei Tagen verfolgten die Teilnehmer nach einem Grußwort der Schirmherrin, Heide Simonis, Fachvorträge von renommierten Wissenschaftlern und Medizinern. Der erste Abend stand unter dem Motto „Abend der Bewegung“ und nahm damit den Faden auf, der den zweiten Tag beherrschte. Jürgen Kunze: „Zusätzlich zu einer Medikation und medizinischen Therapie sind künstlerisch-aktivierende Verfahren eine sinnvolle Ergänzung für eine ganzheitliche Therapie.“ In verschiedenen Workshops wurden dafür unterschiedliche Ansätze dargestellt. Simon Schweder lud zur „Evidenzbasierten Therapie“ ein; Bernd Teichmann, Tänzer und Parkinson-Patient weiß aus persönlicher Erfahrung um den Wert des Tanzens. Sein Angebot an diesem Tag hieß „Tanz der Sinne“. Tanzlehrerin Birgit Damrau hat sich als Tanz-Therapeutin auf Parkinson-Patienten spezialisiert. „Beim Tanzen ist man nicht ständig in der angestrengten Therapie-Situation. Man kann mit dem Partner die Musik und die schwingenden Bewegungen genießen und Positives erzielen“, so Damrau. „Man muss kein Parkinson-Patient sein, um mitzumachen. “

Ganz leise war es bei Bettina Münster, die ein „Quigong“-Angebot machte. Ebenfalls dabei die Logopädie (Ulrike Pohl), Logopädie und Gesang (Susanne Schleidt) und Malen in Acryl (Elke Eickhorst). „Je früher man mit den künstlerisch-aktivierenden Maßnahmen beginnt, desto besser“, rät Brigitte Kunze, denn durch die zusätzliche Stimulation lassen sich die Krankheitsverläufe verlangsamen. Wichtig sei auch die Unterstützung durch die Familie. „Niemand wird alleine krank“, sagt Brigitte Kunze.

Jürgen Kunze wirbt für Aufklärung. „Parkinson kann jeden treffen. Geschätzt gibt es in Norddeutschland rund 900 Patienten, die betroffen sind. „Die Dunkelziffer ist höher“, so Brigitte Kunze. Es sei immer noch schwierig, schnell einen versierten Therapeuten zu finden. Neben den vorgestellten ergänzenden Maßnahmen, gibt es gute Ansätze die Lebensqualität von Parkinson-Patienten nachhaltig zu verbessern. Renate Poettgen aus Fockbek lebt sein drei Jahren mit einem Hirnschrittmacher (THS). Während einer Traumreise auf der AIDA seien ihr die Einschränkungen in ihrem Leben durch die Krankheit deutlich bewusst geworden. Da habe sie sich für die Operation entschiedenen und diesen Schritt nicht einmal bereut. Heute fährt sie zum Beispiel wieder Auto. Mit der Operation kamen Eigenständigkeit und Lebensfreude zurück. Parkinson – eine einschränkende Krankheit mit höchst unterschiedlichen Lebensbildern drängt die Betroffenen oft in die Isolation und Einsamkeit. Der deutsch-dänische Kongress, der unter dem Titel „Parkinson kennt keine Grenzen“ stand, zeigte erneute Wege auf, den Verlusten von Lebensqualität zu begegnen. 

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