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Bevor es ganz verschwindet: Doku für die Nachwelt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Fotografen der Heimatgemeinschaft dokumentieren das Zeitgeschehen für die folgenden Generationen

Wandgemälde, verzierte Fenster oder vergessene Denkmäler – die acht Mitglieder des 2015 ins Leben gerufenen Arbeitskreises „Foto-Dokumentation“ der Heimatgemeinschaft Eckernförde spüren immer wieder besondere Fundstücke auf, die sich lohnen, für die Nachwelt erhalten zu werden. Der Kreis engagierter Fotografen widmet sich ehrenamtlich der bildlichen Dokumentation gefährdeter Bau- und Kunstwerke in der Stadt und im Altkreis. Die ersten beiden Projekte waren die fotografische Erfassung der gesamten Tapete im Festsaal von Schloss Ludwigsburg mit ihren um 1849 entstandenen arabischen Motiven sowie die genaue Dokumentation des „Nagel-U-Bootes“ von 1915 in einem Stabsgebäude des Kranzfelder Hafens (wir berichteten).

Ein weiterer „Fund“ des Arbeitskreises ist in gute Hände der Stadtverwaltung gewechselt. Fotografen hatten im Gelände der „Neuen Bauschule“ ein Steindenkmal für den Hochschulgründer und Architekten Andreas Faber wiederentdeckt, dessen Sicherung und neue Platzierung auf dem Mühlenberg-Friedhof vom Kulturamt der Stadt übernommen werden soll. In diesem Zusammenhang wurde ein weiteres „verstecktes“ Denkmal fotografisch festgehalten, das den im Ersten Weltkrieg gefallenen Bauschülern gewidmet ist; auch seine Versetzung wird nach Angaben des Arbeitskreises diskutiert.

Von vielen Seiten erreichten die Fotografen und Dokumentatoren Hinweise auf vergessene und gefährdete Kunstwerke am und im Bau: Im Berufsbildungszentrum Eckernförde wurde das großformatige Sgraffitto (Dekorationstechnik zur Bearbeitung von Wandflächen) „Fischer bei ihrem Boot“ des Künstlers Walter Rössler dokumentiert, in der Grundschule Karby ein Wandgemälde von Hans Kock. Die Fotografen suchten am Südstrand auch noch einmal das rätselhafte Autowrack auf. Nachdem die Gemeindefreizeitstätte Wulfsteert an das Heilpädagogikum verkauft wurde und der Abriss bevorsteht, sollen dort die kirchlichen Kunstwerke fotografisch festhalten werden. Ebenfalls genauestens dokumentiert werden sollen die wachsenden Schäden am unter Denkmalschutz stehenden „Kaiserhof“.

Mitarbeiter des Arbeitskreises Foto-Dokumentation haben sich für den Sommer weitere Aufgaben vorgenommen: So werden derzeit die erhaltenen offiziellen Grenzsteine Eckernfördes im Bild festgehalten, ebenso die steinernen Eckpfeiler (oder „Radabweiser“) in der Altstadt. Weitere übernommene Aufgaben sind die Dokumentation wichtiger Grabsteine auf Friedhöfen des Altkreises oder historischer Türen und Fenster in Eckernförde.

Bei ihren Bemühungen stoßen die ehrenamtlich arbeitenden Fotografen immer wieder auf Verluste. Noch vor wenigen Jahren war der Grabstein für Anna Elisabeth Stein, der Mutter des Staatsrechtlers und Ökonomen Lorenz von Stein, auf dem Borbyer Friedhof zu sehen, heute ist er nicht mehr aufzufinden. Als kürzlich die traditionsreiche Gaststätte „Frau Clara“ abgerissen wurde, verschwand auch die Bemalung rund um die Eingangstür von Künstler Falko. Und als großen Verlust bezeichnen die Arbeitskreismitglieder auch das Verschwinden originaler Fensterscheiben am „Kontorhaus“ in der Frau-Clara-Straße. Noch dokumentiert werden konnte nur ein einziges, mit ornamentaler Ziselierung versehenes Glasfenster – die verloren gegangenen Gläser mit dem Abbild von Bismarck sind nirgendwo im Bild festgehalten.

Zur Dokumentationsarbeit gehört auch das Sammeln und Deuten historischer Fotos. Hier kann der Arbeitskreis unter anderem auf das reiche Foto-Archiv der Heimatgemeinschaft zugreifen. Ein besonders spannendes Thema ist das fotografische Dokumentieren von außergewöhnlichen Menschen, die früher wie heute im Stadtbild immer wieder anzutreffen sind. So besitzt der Arbeitskreis Fotos vom „Schwanenvater“, vom „langen Willi“ oder von „Käpt’n Souvenir“ am Hafen.

Der Arbeitskreis ist immer auf der Suche nach Themen und nach Hinweisen, er freut sich auch über die kurzzeitige Überlassung alter Fotografien und ist dankbar für Mitteilungen über gefährdete Bau- und Kunstwerke. Gerne übernehmen die kundigen Fotografen Dokumentationsarbeiten auch im Auftrag anderer Ämter oder Vereine. Erreichbar ist der Arbeitskreis Montag und Donnerstag in den Büros der Heimatgemeinschaft auf der Carlshöhe (Barbara Schäfersküpper, Tel. 04351/ 85427).


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erstellt am 10.Mär.2016 | 06:09 Uhr

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