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Eckernförder Zeitung

16. Dezember 2017 | 04:30 Uhr

Friedhof : Betreiber für den Friedhof gesucht

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Kirchengemeinde Rieseby kündigt wirtschaftlichen Betrieb des Friedhofs mit Wirkung zum 1.1. 2019 auf / Defizit aus dem Betrieb steigt weiter

von
erstellt am 01.Feb.2017 | 06:30 Uhr

Rieseby | Die Kirchengemeinde Rieseby wird den wirtschaftlichen Betrieb des Friedhofs ab dem 1. Januar 2019 einstellen. „Wir können das finanzielle Defizit nicht mehr alleine tragen“, sagt Pastor Jörg-Michael Schmidt und berichtet davon, dass der Kirchengemeinderat lange und intensiv über eine Lösung beraten hatte. „Das ist eine Notbremse“.

Zu dem Grundsatzbeschluss gab es keine Alternative, nachdem die Hoffnung der Kirchengemeinde auf eine Übernahme eines Defizits von rund 57  000 Euro Ende 2015 aus dem Friedhofsbetrieb durch die politischen Gemeinden Rieseby und Loose gescheitert war. Einzig Loose hatte die vollständige Übernahme ihres Defizitanteils (bezogen auf den Bevölkerungsanteil) von rund 7800 Euro beschlossen, Riesebys Gemeindevertretung hatte allerdings nur eine Übernahme in Höhe von maximal 40 Prozent für beide Gemeinden beschlossen, so Schmidt. „Zu wenig für uns. Wir sahen uns deshalb gezwungen, eine Entscheidung zu treffen“, so Pastor Schmidt.

Das Defizit ist aus dem Wandel in der Bestattungskultur entstanden. Als Schmidt vor 30 Jahren sein Amt antrat, lag die Quote der Erdbestattungen bei 90 Prozent, zehn Prozent bei Urnenbestattungen. Heute sind die Verhältnisse umgekehrt und die Zahl der Bestattungen nimmt ab, so Schmidt. Für das Jahr 2016 wird mit einem zusätzlichen Defizit von rund 17  000 Euro gerechnet. Es gab lediglich 13 Bestattungen, in „normalen“ Jahren sind es um 30, so Schmidt. Ein einzelnes Erdgrab kostet 1050 Euro, eine Fläche für zwei Urnen kostet 990 Euro.

Der Betrieb des Friedhofs wird nur aus den Mitteln gedeckt, die über den Friedhof erwirtschaftet werden. Kirchensteuermittel dürfen nach Kirchenrecht nicht zur Deckung eines Defizits verwendet werden, macht Schmidt deutlich.

Seit Jahrhunderten hat sich die Kirchengemeinde um den Friedhof gekümmert. Auch wenn der rein wirtschaftliche Betrieb des Friedhofs andere übernehmen müssen, so wird Pastor Schmidt weiterhin kirchliche Beerdigungen halten und Menschen in Trauer seelsorgerisch begleiten. Der Friedhof bleibt ein Ort des Gedenkens und Erinnerns. Bestehende Gräber werden im Rahmen der laufenden Verträge von der Kirchengemeinde weiter gepflegt. Bestattungen wird es aber ab 2019 nicht mehr in kirchlicher Trägerschaft geben, so der Stand heute.

Auch wenn heute die meisten Friedhöfe im Land in kirchlicher Trägerschaft sind, ist laut Gesetz das Bestattungswesen eine kommunale Aufgabe, so Schmidt. Dabei weiß er sich rechtlich gut beraten durch die Kirchenkreisverwaltung, wie Pressesprecherin Inga Lange feststellt. Die Veränderung der Bestattungskultur und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Folgen, werden kreisweit festgestellt, stellt sie fest. Die Aufkündung des Betriebs erfolgt aber erstmals.

Der Ball liegt nun bei den Kommunen, sagt der Pastor, der erklärt, dass der Kirchengemeinderat jederzeit zu Gesprächen bereit steht, um eine Lösung zu finden. „Das ist unser Ziel“, sagt Schmidt, um damit Bürgern, gleich welcher Konfession und oder ohne, mit dem Friedhof einen würdevollen Ort zur Trauer und zum Erinnern zu erhalten

Aus Sicht der Kirchengemeinde bestehen drei Möglichkeiten, so Schmidts Ansicht. Die politischen Gemeinden bilden einen Zweckverband, weisen eine Fläche als Friedhof nach entsprechenden Gutachten und Widmungen aus und bewirtschaften ihn. Oder es wird eine Lösung mit der Kirchengemeinde gefunden, in der in einer Kooperation der vorhandene Friedhof wirtschaftlich geführt wird. Als dritte Idee wäre es möglich, dass die politischen Gemeinden den Friedhofsbetrieb dem Bauhof anschließen und die vorhandene Anlage fortführen. „Unsere Tür für eine Kooperation steht immer offen“, betont der Pastor. Allerdings verfehle der Hinweis auf eine anteilige Beteiligung künftig sein Ziel, „das ist vorbei“, so Schmidt.

Aus Sicht des Kirchengemeinderates hat die Kirchengemeinde seit Jahrhunderten den Friedhofsbetrieb organisiert, obwohl es spätestens nach dem Bestattungsgesetz eine kommunale Aufgabe ist, wie der Betrieb von Kindergärten, Schulen oder der Erhalt von Spielplätzen. Die Kirchengemeinde bringe als ihren Anteil nicht nur die Bestattungsfläche ein, sondern auch die Verwaltung und den Personaleinsatz, macht Schmidt deutlich. Diese Leistungen werden als selbstverständlich, als Gewohnheit angesehen.

Den Weg und die Kündigung auszusprechen, wertet Jens Kolls, Bürgermeister von Rieseby auf Nachfrage der EZ, als nicht gelungen. Wie auch immer, nun werde man erneut das Gespräch suchen und eine Lösung finden, „damit der Friedhof im Ort bleibt“.

„Beteiligen heißt beteiligen, nicht übernehmen“, erläutert Amtsdirektor Gunnar Bock hinsichtlich der Forderung der vollen Defizitübernahme durch die politischen Gemeinden. Die Amtsverwaltung steht für Gespräche bereit, um bei der Suche nach einer Lösung zu helfen.

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