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Tierische Therapeuten : Besuchsdienst: „Ein Hund gibt so viel“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Hospizverein Dänischer Wohld bildet elf Vierbeiner und ihre Halter für Einsatz in Pflege- und Wohnheimen aus / Prüfung Anfang Mai

Gettorf | Ilona Schmidt sitzt in ihrem Zimmer auf dem Bett und wartet. Sie hat einen Napf mit Wasser auf den Boden gestellt, sich Leckerlis besorgen lassen. Vor zwei Jahren ist die 62-Jährige aus Osdorf in die Seniorenwohnlange am Park gekommen. Zu Hause ging es allein nicht mehr. Es klopft an der Tür. Iris Petrikat, ihre zweijährige Barsoi-Hündin Thayra, ein russischer Windhund, Hundetrainerin Kati Zimmermann und Dr. Friederike Boissevain, Vorsitzende des Hospizvereins Dänischer Wohld, kommen zu Besuch. Auf Anweisung setzt sich Thayra zunächst vor das Bett, lässt sich von Ilona Schmidt den Kopf streicheln. Wasser möchte sie nicht, nimmt aber vorsichtig die angebotenen Leckerlis. Dann darf Thayra ins Bett, springt mit einem Satz hoch, legt sich neben die Bewohnerin und lässt sich kraulen. Ilona Schmidt strahlt.

„Als das erste Mal die Hunde kamen, das war für mich ein ganz toller Tag“, sagt sie. „Hunde waren immer in meinem Leben. Ich liebe Hunde einfach.“ Iris Petrikat, 45, aus Revensdorf, macht mit Thayra gerade die vom Hospizverein angebotene Ausbildung zum Besuchshund. Angeregt durch die Vorsitzende Dr. Friederike Boissevain möchte der Hospizverein unter dem Titel Sanfte Pfoten einen ehrenamtlichen Besuchsdienst mit ausgebildeten Hunden für kranke Menschen in Privathaushalten, Pflegeheimen und Betreuten Wohnanlagen im Wohld etablieren (wir berichteten). Über 80 Hundehalter hatten sich für den ersten Kursus gemeldet. Nach dem Eignungstest wurden elf ausgewählt, zehn stehen auf der Warteliste. Golden Retriever sind dabei, Labradore, ein Bernersennenhund, ein Barsoi und ein Wäller. An sechs Wochenenden bildet der Hospizverein nun in Zusammenarbeit mit Hundetrainerin Kati Zimmermann, Inhaberin der Akademie für Assistenzhunde-Ausbildung in Hummelfeld, und der Seniorenwohnanlage am Park in Gettorf, Hunde und Halter in Theorie und Praxis zu Besuchshunden aus. Prüfung ist am 9. Mai. „Tiere können Dinge erspüren, die wir Menschen oft übersehen“, weiß Boissevain. „Sie können in ihrer ganz eigenen, instinktiven Weise Situationen sehr viel direkter und unmittelbarer erfassen, als es uns Menschen gelingt. Sie begegnen ihrem Gegenüber nicht selten vorbehaltloser und liebevoller, als wir selbst es vermögen.“ Es sei eine ganz andere Art der Kommunikation, anders als die professionelle Medizin, wo nur versorgt wird und das meiste über die Sprache gehe.

Während ihrer Ausbildung lernen Halter über die Hospizarbeit, Hunde den Grundgehorsam. „Die Hunde dürfen absolut keine Aggression zeigen und müssen über eine hohe Stress- und Frustrationstoleranz verfügen“, erklärt Assistenzhundetrainerin Kati Zimmermann, die zwölf Jahre als Altenpflegerin tätig war. „Es ist nicht jeder Hund geeignet.“ Daher der Test vorab.

Teresa Nogueira, die in der Seniorenwohnanlage für die soziale Betreuung zuständig ist, freut es sehr, dass die Einrichtungsleitung die Kooperation eingegangen ist. Sie selbst macht mit ihrer Spaniel-Hündin Ayla gerade eine Begleithundausbildung. „Hunde öffnen Türen“, weiß sie. „So ein Hund gibt so viel, ohne dass man viel tun muss. Die Körperspannung ändert sich, die Leute erzählen und erinnern sich. „Es ist das schönste, wenn die Hunde ins Haus kommen, eine Beziehung zu den Bewohnern aufbauen und sie bis zuletzt begleiten.“ Iris Petrikat hat aus der Zeitung von dem Kursus erfahren. „Ich fand das total ansprechend“, sagt sie. Sie wollte schon immer gern etwas Ehrenamtliches machen, hat aber nie das Richtige gefunden. „Da ich einen Hund habe, der Menschen liebt, habe ich gedacht, das wäre einfach großartig für uns beide“, erzählt sie. Dass kranke Menschen daran Freude haben, sei umso besser. Der Kursus sei schon eine Herausforderung, gesteht sie. Sie war nie in einer Hundeschule, hat aber immer Hunde gehabt. „Auf Kommando Platz und liegen bleiben, da haben wir noch unsere Schwierigkeiten“, verrät sie. „Thayra ist leicht abgelenkt, sie ist eben ein Jagdhund. Das müssen wir noch ein bisschen üben.“

 

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