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Sprotten Matinee : Beste Unterhaltung rund um die Sprotte

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Sprotten-Matinee im Kurpark in Eckernförde lockt am Sonntagvormittag rund 300 Besucher an: Musik, Talkrunden und das Sprottendiplom

Eckernförde | Das ZDF hat den Fernsehgarten, Eckernförde hat seine Sprotten-Matinee. Show, Musik und Unterhaltung unter freiem Himmel in entspannter Sonntagvormittag-Atmosphäre. Alle Plätze im Kurpark waren besetzt – 200 bis 300 Besucher ließen sich dieses kurzweilige Angebot nicht entgehen –, die Sonne strahlte entgegen den Vorhersagen vom Himmel und auf der Bühne und auf dem Platz davor gab es zweieinhalb Stunden beste Unterhaltung. Als wäre er täglich auf der Bühne, moderierte Hermann Wolter flott und kenntnisreich durchs Programm, führte Interviews mit dem plattdeutschen Autor Udo Bielenberg, Touristikchef Stefan Borgmann, Opsteekfru Stine und Fischer Fiete, ließ das Publikum zu Wort kommen, schrieb in akkurater, kunstvoller Federschrift die Namen ins Sprottendiplom und trommelte im Orchester der Turn- und Spielvereinigung (TuS) noch kräftig mit – sehr zum Gefallen des Publikums, eine reife Leistung des um seine Heimatstadt sehr bemühten Eckernförder Kaufmanns und Musikers.

Die TuS Eckernförde zeigte sich in bester Spiellaune. Knapp 20 Märsche, Walzer, Polkas, Rags, Dudelsacksound und Seemannslieder gaben sie zum Besten, das Ganze nicht nur musikalisch sehr ansprechend, sondern auch choreografisch mit Pfiff, wie die Trompeteneinlagen mit rotem Sombrero bei „Mexiko“ oder dem Auftritt von Dudelsackspieler Sascha Paustian im Schottenrock bei „Highland Cathedral“. Da kam auch im Publikum besondere Freude auf, das sich zwischendurch bei den Getränke- und Imbissständen bediente und das abwechslungsreiche Programm sichtlich genoss – am Ende nach „Gruß an Kiel“ gab es stehenden Applaus. Die Eckernförde Touristik und Marketing GmbH (ETMG), die TuS und die Stadtführer dürfen mit ihrer Sprotten-Matinee mehr als zufrieden sein.

Natürlich stand neben der Musik die Sprotte als einstiger Brotfisch des Eckernförder Fischräucherei-Imperiums im 19. und 20. Jahrhundert im Mittelpunkt. Die Eckernförder Stadtführer waren wieder sehr aktiv. Unter Leitung von Hans Willomitzer durften die kleinen und großen Besucher Sprottenkisten nageln und – diesmal richtig – mit der Herkunftsstadt „Eckernförde“ abstempeln. Bekanntlich erhielten die Eckernförder Sprotten früher am Kieler Bahnhof einen anderen Stempel und traten daher, ungeachtet ihrer wahren Herkunft, als „Kieler Sprotten“ ihren Zug um die Welt an. Immerhin 46 Sprottenkisten wurden genagelt. Permanent im Blick waren Opsteekfru Stine und Fischer Fiete alias Christel Fries und Werner Pötzsch in alter Tracht und mit einem Bollerwagen voller Sprotten. Unablässig zeigten die beiden, wie man Sprotten für den Verzehr vorbereitet: Kopf ab, Schwanz ab „und rin in de Snuut“. Klar war da auch Feinjustierung gefragt wie der sanfte Druck auf Bauch und Rücken, damit die Mittelgräte herausgezogen werden kann. Susanne und Eggert Steinbach aus Hamburg mit ihren Kindern Enno (5) und Hannah (7) ließen es sich nicht nehmen, ganz genau hinzuschauen und zu probieren. Die junge Familie macht zum wiederholten Urlaub auf dem Bauernhof in Holzdorf und genießt die Umgebung und Eckernförde. „Das ist toll hier“, sagte Susanne Steinbach und zeigte die von ihren Kindern genagelten Sprottenkisten mit Stempel und süßem Inhalt. Auch Ida (9) aus Twedt ließ sich die Technik zeigen. Sie macht sozusagen „Piraten-Ferien“ bei ihren Großeltern in Eckernförde, singt im Piratenchor und fiebert dem Piratenspektakel am nächsten Wochenende entgegen. Insgesamt landeten gestern 1000 Sprotten in den Mägen der Besucher, viele Kinder haben probiert.

Drei Themen mit den entsprechenden Gästen hatte sich Moderator Hermann Wolter für die Interviewrunden vorgenommen. Den Auftakt machte der plattdeutsche Autor Udo Bielenberg, ein selbstständiger Bau-Ingenieur mit eigenem, großen Büro in Schönkirchen, der jetzt wieder in Eckernförde lebt und Plattdeutsch fühlt, denkt und spricht. „Plattdeutsch will gelebt sein“, sagt der 79-Jährige, der in der Kremper Marsch plattdeutsch aufgewachsen ist – dort war Hochdeutsch, außer in der Schule, verpönt. Er begrüßt alle Aktivitäten zur Förderung der plattdeutschen Sprache, wichtig sei es über den Schulunterricht hinaus, den typischen Klang, den Humor und die Nuancen des Plattdeutschen zu erhalten, also Dinge, „die man nicht lernen kann“. Udo Bielenberg möchte dazu beitragen, Plattdeutsch zu erhalten, dafür schreibt er seine Bücher - inzwischen 35 im inzwischen aufgelösten Verlag Michael Jung, unter anderem „Von Fischerslüüd un Sprottenfang“ –, dafür liest er, „immer mit Freude, nie für Geld“. In Eckernförde werde die plattdeutsche Tradition noch vielfach gepflegt, worüber er sehr glücklich sei.

Runde 2 gehörte dem Tourismus und ETMG-Geschäftsführer Stefan Borgmann, der für eine Verdopplung der Übernachtungszahlen auf jetzt 230  000 Euro gesorgt hat, wie der Moderator betonte. Ein Teil des Erfolgs sei dem generellen Trend, im eigenen Land Urlaub zu machen, geschuldet, einen Teil des Wachstums könne sich aber Eckernförde selbst durch die Investition in den Tourismus zuschreiben, sagte Borgmann. Als Erfolg wertete er die Ankünfte der Kreuzfahrtschiffe, nicht gut sei, dass der Exer noch nicht mit einem Hotel bebaut sei. Wichtig sei es, die touristischen Interessen und Wünsche der Urlauber und Gäste mit denen der Eckernförder Bürger in Einklang zu bringen. Der Moderator ließ Publikumsfragen zu, und zwei kamen: Sandqualität und 22 Uhr als Veranstaltungsende. Borgmann verwies auf den erheblichen Pflegeaufwand, den die ETMG betreibe, und auch die erzieherischen Bemühungen, die Strandbesucher zur Sauberhaltung zu animieren. Da um 22 Uhr die Nachtruhe beginne, habe die Touristik keine andere Wahl, als dann auch die Lautsprecher abzuschalten. Würden Anwohner klagen, würden sie Recht bekommen, so Borgmann.

Die dritte Talkrunde war Stine und Fiete vorbehalten, die seit fünf Jahren landauf, landab für die Sprotten, die plattdeutsche Sprache und Eckernförde werben. 10  000 Sprotten habe man schon rausgegeben, sei pro Saison 5000 Kilometer unterwegs und verschleiße dabei ein Paar Holzbotten. Wolter dankte ihnen für den unermüdlichen Einsatz und widmete sich dann der kunstvollen Ausfertigung der begehrten Sprottendiplome.

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