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Eckernförder Zeitung

17. Oktober 2017 | 14:29 Uhr

Beste Noten für Ecktown City

vom

Mehr Jobs für mehr Bewohner bei der zweiten Ausgabe von Ecktown City / Acht- bis Zwölfjährige erleben Funktionsweise eines Gemeinwesens

shz.de von
erstellt am 03.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Ecktown City | Romantik, Skandale, Notfälle und ein durchgedrehter Ex-Bürgermeister - Der Alltag war turbulent in Ecktown City. Und so reihte sich in der Kinderstadt auf dem Gelände des Schulzentrums wieder ein Höhepunkt an den nächsten. Vielleicht auch deshalb, weil sich die Einwohnerzahl im Vergleich zur Premiere im Vorjahr noch einmal erhöht hatte. In einer Großstadt ist halt immer etwas los. 30 Bürger mehr - also insgesamt 150 Kinder zwischen acht und zwölf Jahren - erlebten dort die ganze Woche über, wie ein Gemeinwesen funktioniert - politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich.

Der erste Weg der Mädchen und Jungen führte dabei jeden Tag zur Agentur für Arbeit, wo sie sich um einen Job für den Tag bemühten. Ihren Lohn bekamen sie in Eckis ausgezahlt - der stadteigenen Währung. 38 verschiedene Projekte gab es in diesem Jahr zu entdecken. Von der Müllabfuhr und zwei Banken, über Fernsehsender, Zeitungsredaktion und Fotostudio bis hin zu Polizei und Feuerwehr. Unterstützung erhielten die Kinder von rund 70 erwachsenen Helfern - Ehrenamtlern, Auszubildenden und Hauptberuflichen von Unternehmen und Vereinen.

Für Aufregung sorgte allerdings die Nachlässigkeit zweier Betreuer im Casino. Eine 7-Jährige konnte dort problemlos an den beiden vorbeigehen und ungestört spielen. Und das, obwohl ein Schild ganz klar vor der Suchtgefahr des Glücksspiels warnte und der Eintritt deshalb erst ab acht Jahren freigegeben war. Das Mädchen hatte sich offenbar durch familiäre Beziehungen überhaupt erst in die Stadt einschleichen können. Einzige Konsequenz des Vorfalls: Die Betreiber des Casinos entfernten das entsprechende Hinweisschild wieder. Es war offenbar nichts als eine Makulatur.

Am beliebtesten waren wieder die Jobs bei der Bank und vor allem bei Feuerwehr und Polizei. Kein Wunder: Wurde doch mehrmals am Tag Großalarm in Ecktown City ausgerufen: Rettungsaktionen vermisster Personen, Pöbeleien bis hin zu einer Messerstecherei und zwei Banküberfällen. Ausgerechnet der Ex-Bürgermeister Jonas erbeutete maskiert und mit Spielzeugpistole bewaffnet 200 Eckis in der Ökobank. Ihm und seinem Komplizen konnte kurz nach dem Raubzug das Handwerk gelegt werden. Auch ein Brandstifter trieb sein Unwesen in der Stadt. Ein bis zwei Mal täglich mussten die Feuerwehrleute ausrücken, um die Stadt vor den Flammen zu retten. Schwerstarbeit auch für die Mitarbeiter der Ecktown City News - betreut von der Eckernförder Zeitung. Gewissenhaft und mit viel journalistischem Einsatz berichteten sie täglich von den Ereignissen in der Kinderstadt.

Insgesamt hatte die Feuerwehr in dieser Woche etwa 30 Einsätze. Zudem gingen 40 Strafanzeigen bei der Polizei ein - davon zehn wegen Körperverletzung und 20 wegen Beleidigung, berichtet Polizist Michael Heinrich. "Wir haben dadurch 505 Eckis Bußgeld kassiert." Und auch der Rettungsdienst war im Dauerstress: Um die 20 bis 25 Einsätze sind zusammengekommen.

Abgesehen von kriminellen Ausrutschern Einzelner - die nicht selten von erwachsenen Betreuern zu ihren Taten angestiftet worden - verlief das Leben in der Kinderstadt friedlich. "Wie im letzten Jahr war es eine Woche voller Harmonie und Frieden", betonten die Leiter Wilfried Lüthge von der Verkehrswacht und Simone Staack-Simon vom Lokalen Bündnis für Familie der Stadt Eckernförde. Sicher auch ein Verdienst des amtierenden Bürgermeisters Johannes, der nach seiner Wahl im Supermarkt etwa das Treuepunktsystem einführte und somit für Entspannung in den Geldbeuteln seiner Bürger sorgte. "Für 5 Eckis erhält man einen Treuepunkt, hat man 10 gesammelt, gibt es eine Ware umsonst", erklärte der Zwölfjährige sein System. Bei einem Einkauf lernte er dann auch seine "First Lady" kennen. Sie spendierte ihm einen Saft, und der Funke sprang über. Die beiden heirateten und wurden zudem Traumpaar der Stadt. Selbst Johannes Beteuerung, es sei keine Liebesheirat, er wolle nur Steuern sparen und Werbung für das Standesamt machen, tat der romantischen Stimmung an diesem Tag keinen Abbruch.

Die Kinder zeigten sich am Ende der Woche begeistert von ihren Erlebnissen. Nur wenige Verbesserungswünsche wurden genannt: So möchte Nick mehr Zelte haben und Maren hätte es gerne noch bunter. Die meisten Bewohner wollen im nächsten Jahr wiederkommen. Und eine Wiederholung von Ecktown City soll es auf jeden Fall geben, kündigten Simone Staack-Simon und Wilfried Lüthge bereits an. "Aus der Nummer kommen wir nicht mehr raus."

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