Kunst und Handicap : „Beste Gelegenheit für Anerkennung“

Das Podium: Horst und Petra Rosenberger, Christina Kohla, Till Warwas und Sonja Jannichsen (v. l.) diskutieren miteinander und mit dem Publikum.
Das Podium: Horst und Petra Rosenberger, Christina Kohla, Till Warwas und Sonja Jannichsen (v. l.) diskutieren miteinander und mit dem Publikum.

Schlei-Akademie zieht Zwischenbilanz nach einer knappen Woche Unterricht im St. Nicolaiheim Sundsacker.

shz.de von
21. Juli 2018, 06:51 Uhr

Nachdem am Wochenende die erste Schlei-Akademie durch Stefan Lenz, Geschäftsführer des veranstaltenden St. Nicolaiheims und Akademieleiterin Dr. Christina Kohla eröffnet wurde, war jüngst Zeit für eine erste Zwischenbilanz. In einer Diskussionsveranstaltung im St. Nicolaiheim Sundsacker war das die Gelegenheit für einige der Dozenten der ersten Studienwoche und Akademieleiterin Dr. Christina Kohla, um einerseits den Interessierten noch einmal vor Augen zu führen, wie der Akademie-Gedanke entstanden ist und um andererseits zu überprüfen, ob jene Kunst-Akademie ihren eigenen Ansprüchen überhaupt gerecht wird.

Am prägnantesten zeigen sich die im Leitbild der Akademie, das den Veranstalter, das St. Nicolaiheim Sundsacker, spiegelt. Darin heißt es unter anderem, dass man Rahmenbedingungen schaffen will, die allen an Kunst Interessierten Zugang und Mitarbeit ermöglichen sollen. Unabhängig davon, welche individuelle Einschränkung sie möglicherweise mit sich tragen.

Auf dem Podium in der Albert-Schweitzer-Schule in Sundsacker saßen die beiden Dozenten Till Warwas und Sonja Jannichsen sowie die Reisejournalisten Petra und Horst Rosenberger. Warwas gilt dabei als so etwas wie der Initiator der Schlei-Akademie, so zumindest stellte ihn Moderatorin Kohla vor. Warwas selbst nannte derweil seinen Lehrer Klaus Fußmann als Urheber, dessen Idee er aufgegriffen und mit Kohla und der Kappelner Unternehmerin Corinna Graunke („Eine große Bewegerin.“) weitergesponnen habe. „Am eigentlichen Zustandekommen war ich dann nicht mehr beteiligt“, sagte Warwas. Das war dann selbst auferlegte Aufgabe des St. Nicolaiheims.

Gemeinsam mit Sonja Jannichsen ist Till Warwas aber als Dozent Teil der Akademie. Beide lobten das Gelände um die Albert-Schweitzer-Schule, das „wahnsinnig viele schöne Plätze“ bereithalte. Das jedoch nicht verhindern konnte, dass nicht alle Kunstkurse auch stattfinden. Für Horst Rosenbergers „Malerei mit dem Tablet“ etwa fanden sich nicht genügend Teilnehmer. Trotzdem war Rosenberger gekommen, um mit Fotoapparat und auf Video seine Eindrücke der Akademie festzuhalten. Der Berliner Künstler ist wie seine Frau auf den Rollstuhl angewiesen, blickte also allein deshalb mit anderen Augen auf das Veranstaltungsgelände. Sein Fazit: „Es funktioniert gut.“ Noch wichtiger aber: „Die Kursleiter sind offen, und es ist einfach ein spannendes Projekt.“ Eines, das den Künstler in den Fokus rücke und nicht seine Behinderung. Horst Rosenberger betonte: „In der Regel muss man als Behinderter immer zwei- bis dreimal so viel machen, ehe man ernst genommen wird.“ In der Schlei-Akademie sei das anders. Petra Rosenberger ergänzte: „Behinderte Menschen haben hier die beste Gelegenheit, Anerkennung zu finden.“

Trotzdem, ein paar Verbesserungsvorschläge hatte Horst Rosenberger dennoch: „Möglichkeiten des Transports und der Unterkunft sollte man auf der Internetseite noch deutlicher darstellen“, sagte er. Je weniger Fragen man online offen lasse, desto größer sei die Chance, dass sich Rollstuhlnutzer tatsächlich anmelden. Rosenberger: „Dann hat man nämlich keine Ausrede mehr. Dann liegt es nur noch an einem selbst.“ Und dann hätte die Akademie tatsächlich schon einiges bewegt.

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