Frühstücksforum : Besser spät als nie

Das Frühstück beim Forum des Seniorenbeirats wollte verdient sein: Vorher gab es eine Bewegungseinheit mit Gitta Polzin vom Gettorfer Turnverein.
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Das Frühstück beim Forum des Seniorenbeirats wollte verdient sein: Vorher gab es eine Bewegungseinheit mit Gitta Polzin vom Gettorfer Turnverein.

Gettorfer Seniorenbeirat informiert über Fitness und Bewegung im Alter

shz.de von
19. Juni 2014, 06:00 Uhr

 Es ist nie zu spät – unter diesem Motto hätte das Forum des Seniorenbeirats auch laufen können. Vorsitzender Roland Lauterbach und die Mitglieder hatten neben Interessierten auch den Sportmediziner Professor Dr. med. Burkhard  Weisser von der Uni Kiel und die Seniorenbeauftrage des Landessportverbands (LSV) Brigitte Roos zu dem Thema „Gesünder leben und bewegen“ in das Hotel Stadt Hamburg eingeladen.

Wer groß gewachsen ist und lange Beine hat, hat eine größere Lebenserwartung. Ebenso kann der, der zwischen September und Dezember geboren ist, mit ein bis zwei Jahren mehr rechnen. „Das liegt daran, dass die Mutter über den Sommer schwanger war, viel Gemüse, frische Früchte und mehr Sonnenlicht hatte“, berichtete Weisser von einigen interessanten, wie amüsanten Forschungsergebnissen. Aber es gibt auch Dinge, durch die der Mensch seine Lebenserwartung und vor allem die Qualität des Lebens im Alter sehr wohl selbst beeinflussen kann. Es sei ein Mythos, dass in einem höheren Alter die relative Trainierbarkeit deutlich reduziert oder sogar gar nicht mehr vorhanden ist. „Die ist nicht einfach weg. Ab 60, 70, 80 ist das Training am allerwichtigsten“, erklärte der Experte. Die körperliche Leistungsfähigkeit sei der wichtigste Schutzfaktor für die Gesundheit im Alter. Die Trainierbarkeit bleibe bis ins hohe Alter bestehen. Nicht nur Ausdauer, sondern auch Kraft und Koordination sollten trainiert werden. „Nun müssen Sie nicht denken, dass Sie alle in die Muckibude rennen sollen“, erklärte der Sportwissenschaftler. Schon kleine kraftbetonte Übungen im Alltag könnten helfen. Mehrmals am Tag ein paar Stockwerke zu Fuß zu überwinden könne dabei ebenso hilfreich sein, wie die Muskeln zu stärken, indem man sich zum Beispiel beim Fußballgucken auf den Armlehnen hochdrückt. „Ein Kräftigungstraining der gesamten Muskulatur ist bis 100 Jahre und länger möglich“, so Weisser weiter. Laufen und regelmäßige körperliche Aktivität schütze darüber hinaus auch vor Gedächtnisverlust und Demenz. „Nichts beugt mehr vor als körperliches Training“, sagte er. Dabei sei die Gesellschaft eines Trainingspartners nicht zu unterschätzen. „Das ist gleichzeitig ein guter Test: Sprechen muss noch möglich sein – wenn Sie noch singen können, sind Sie zu langsam“, erklärte er schmunzelnd. Humor, sieben Stunden Schlaf, ein Haustier, Beten und einen Akademiker als Ehemann – das seien gute Voraussetzungen für ein langes Leben. „Kein Witz“, schloss er seinen charmanten Vortrag. Die Lebenserwartung der Menschen steigere sich jedes Jahr um drei, vier Monate – umso wichtiger ist es, sich selbst so lange fit wie möglich zu halten.

„Wir bekommen Langlebigkeit heute quasi geschenkt. Die Lebensqualität für das hohe Alter müssen wir uns aber erarbeiten“ – mit diesem Zitat von dem Altersforscher Dr. Christoph Rott, merkte Brigitte Roos an. Die liebsten Beschäftigungen der Menschen im fortgeschrittenem Alter seien: Spazierengehen, Gymnastik, Schwimmen, Radfahren, Wandern, Tanzen, Laufen, Wassergymnastik. Um gemeinsam mit den Mitgliedern „Fit ins Alter“ zu gehen, bietet der LSV die Informationsveranstaltungen Aktiv50Plus und Aktiv70Plus an, in denen in Theorie und Praxis vermittelt werden soll, wie gesundheitlichen Einschränkungen durch Bewegung entgegen gewirkt werden kann. Der Kurs Aktiv70Plus geht über zwölf Wochen und besteht aus zehn Bewegungs- sowie zwei Unterrichtseinheiten zum Thema Ernährung. Wer Interesse hat, sollte sich melden. „Auch wenn er vielleicht erst 62 ist“, erklärte die Seniorenbeauftragte augenzwinkernd.

> Infos unter Tel. 0431/64860, bei Brigitte Roos unter brigitte.roos@shv-sh.de oder auf der Homepage www.lsv-sh.de.


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