zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

11. Dezember 2017 | 05:42 Uhr

Beschuldigter Koch-Azubi sieht sich als Opfer

vom

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Eckernförde | Ein Jahr habe er gearbeitet und nicht einen einzigen Tag Urlaub bekommen. So versuchte ein ehemaliger Koch-Azubi in einem Eckernförder Gastronomie-Betrieb vor dem Schöffengericht die Gewaltanwendung gegen seinen Chef zu rechtfertigen, die er eine "Verzweiflungstat" nannte. "Er hat mich wie ein Sklave behandelt", sagte der Angeklagte über seinen Vorgesetzten.

Im Juni 2011 hatte der damals 23-Jährige dem Küchenchef eine Kopfnuss in der Restaurant-Küche verpasst, nachdem er nicht den gewünschten Urlaub gewährt bekam. Doch damit nicht genug: Zwei Wochen später suchte der Auszubildende mit zwei Bekannten seinen ehemaligen Vorgesetzten in dessen Wohnung auf. Gegen 3 Uhr nachts sei er von den Geräuschen der sich öffnenden Eingangstür aus dem Schlaf gerissen worden, schilderte das Opfer. Sein ehemaliger Lehrling, inzwischen gekündigt, besaß einen Schlüssel, weil er vorübergehend bei seinem Chef gewohnt hatte.

Dieser hastete zur Eingangstür, um zu sehen, was los war. "Und dann bin ich auch schon auf dem Boden gelegen." Im Hausflur standen der Auszubildende und zwei maskierte Männer. "Die haben mich festgehalten und wollten mich zur Rede stellen", erinnerte sich der Koch. Der ehemalige Azubi hätte ihn bewegen wollen, die Anzeige wegen Körperverletzung wieder zurückzuziehen. Schließlich ließen er und seine Komplizen einige Wertgegenstände mitgehen lassen: ein Handy, eine Playstation mit sieben Spielen, ein Haustelefon, eine E-Gitarre und mindestens 100 Euro Bargeld. Nicht alle Diebstähle konnten den Tätern nachgewiesen werden, andere dagegen eindeutig, weil sie die Beute sofort zu Geld gemacht und verkauft hatten.

"Mir tut die Sache leid. Es war eine bescheuerte Aktion", beteuerte einer der beiden Mittäter. Und auch der andere schloss sogleich seine Entschuldigung an. Nur der Hauptangeklagte zeigte sich nicht zu 100 Prozent geständig: "Es wäre echt schön, wenn du zugeben würdest, was wirklich passiert ist", sagte er an das Opfer gerichtet und spielte auf die aus seiner Sicht ungerechten Arbeitsbedingungen in dem Gastronomie-Betrieb an.

Richter Johann Kümmel überzeugte das nicht: "Es machte zeitweise den Eindruck, dass Sie sich nicht als Täter, sondern als Opfer sehen", sagte er in seiner Urteilsbegründung. Der Hauptangeklagte erhielt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die jedoch auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem muss er 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Die beiden "Mitläufer" - wie sie die Staatsanwältin bezeichnete - erhielten ebenfalls eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten, ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen