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Pastoren-Weihnachten : „Bescherung musste immer warten“

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Zwölf bis 13 kirchliche Veranstaltungen hat Pastor Jörg-Michael Schmidt in Rieseby zwischen dem Vierten Advent und dem Neujahrsgottesdienst auf dem Zettel. Heute beginnt Heilig Abend bei Familie Schmidt nach dem vierten Gottesdienst. Nur gute Vorbereitung und Organisation helfen da.

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erstellt am 24.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Nach vier mal „Stille Nacht“, vier mal „Alle Jahre wieder“ und auch vier Versionen der Weihnachtsgeschichte freut sich Jörg-Michael Schmidt auf seinen Weihnachtsabend im Kreis der Familie. Mehrmals an Weihnachten in der Kirche zu sein ist für den Pastor aus Rieseby und seine Familie nichts Besonderes. „Das ist für uns ganz normal“, sagt Sybille Schmidt „wir kennen es nicht anders.“

So war es auch als ihre drei Kinder Ann-Kristin (28), Carolin (26) und Phillipp (22) noch klein waren. Wenn bei anderen Familien schon Bescherung war, „bei uns musste die Bescherung immer warten, bis auch der späte Gottesdienst zu Ende war“, berichtet Schmidt. Um die Zeit des Wartens zu überbrücken, zog es Phillipp oft in die Kirche zu den Gottesdiensten um 16 und 17 Uhr, damit er seinen Vater gleich abfangen und nach Haus geleiten konnte. Waren sie erst zu Hause, dann beherrscht Tradition den Ablauf des Abends. Bei den einen gibt es Kartoffelsalat mit Würstchen, so steht bei Familie Schmidt seit Jahrzehnten Hühnerfrikassee auf dem Festtisch. „Vorschläge, das zu ändern, hatten nie Erfolg“, sagt Jörg-Michael Schmidt. Nach dem 17 Uhr Gottesdienst gehört der Heilige Abend der Familie. Auf das Angebot einer Mitternachtsvesper verzichtet Schmidt. Viele Jahre lang bot Riesebys ehemaliger Pastor Jens Johannsen eine Christmette auf Plattdeutsch an.

Zwischen zwölf und 13 kirchliche Veranstaltungen hat Schmidt zwischen dem vierten Advent und dem Neujahrsgottesdienst auf dem Zettel. Wenn dann noch nicht planbare Ereignisse hinzu kommen, die ihn als Seelsorger fordern, dann sei es schon eine Herausforderung, allem und jedem gerecht zu werden.

Um diese Zeit gut zu schaffen, liege der Schlüssel zum Erfolg in der Vorbereitung. Der Baum, schlicht in Rot und Grün geschmückt, steht einen Tag vor Heiligabend fertig in der Stube. Und auch das Weihnachtsessen ist vorbereitet, Gästezimmer sind gerichtet und alles liegt bereit. „Das ist alles gut organisiert“, sagt Sybille Schmidt.

Spätestens zehn Tage vor Heiligabend beginnt die ernste Phase für den Pastor. Schmidt macht sich Gedanken für die Predigten, stellt Lieder zusammen und geht die Veranstaltungen durch. Dabei kann Schmidt inzwischen auf seine langjährige Erfahrung bauen. Als sie vor 27 Jahren nach Rieseby kamen, im Vikariat war er in Eckernförde, fiel es ihm schwerer in seinen Predigten die Idee von Weihnachten immer wieder neu aufzugreifen. Heute aber mit Lebenserfahrung und der Lösung von dem heilen und idealisierten Bild von Weihnachten, falle es viel leichter, die immer wieder faszinierende Geschichte von der Geburt Jesu zu erzählen.

Not und Verzweiflung gehörten danach ebenso zu Weihnachten, wie Glück und Freude. Weihnachten sei für viele Menschen eine Herausforderung. Zugleich werde Weihnachten immer früher gefeiert, nicht nur der Handel trage dazu bei, es sei wohl eine gesellschaftliche Entwicklung. Verloren gehe dabei der Gedanke der Adventszeit, als Vorbereitung auf Weihnachten. Feierte man früher Adventsfeiern so wird heute zu Weihnachtsfesten eingeladen, die mit Weihnachten an sich wenig zu tun hätten.

Vom Weihnachtsmann spricht man im Hause Schmidt nicht. Da kommt das Christkind in die Stube und erst wenn es die Glocke läutet, dann öffnet sich die Tür. Als die Kinder größer waren, verschob sich die Bescherung nach hinten. Dann war nicht nur Pastor Schmidt im Dienst der Kirche im Einsatz, auch seine Töchter waren gefragte Orgelspielerinnen, die mal in Loose mal in Rieseby die Kirchengemeinden beim Gesang unterstützten. Zusammen in die Kirche gehen, das war für Familie Schmidt viele Jahrzehnte unmöglich. Sie gingen zwar gemeinsam hin, aber dann trennte sich ihr Weg. Während Sybille mit den Kindern in den Bänken Platz nahm, stand Jörg-Michael Schmidt vorne. Erst im Vorjahr, als Schmidt nach einer erfolgreichen Organtransplantation vom Dienst befreit war, da saßen sie alle nebeneinander in der Kirchenbank. „Das war schon komisch und völlig ungewohnt“, sagen beide, glücklich über die überstandene schwere Zeit.

In diesem Jahr wird Schmidt wieder in seiner St. Petri-Kirche zu Heilig Abend predigen. Morgens um 11 Uhr geht es mit dem Krippenspiel der Kleinen los, es folgt um 14.30 Uhr ein Familiengottesdienst auf den um 16 und 17 Uhr zwei weitere Gottesdienste folgen. Und dann kehrt auch bei Familie Schmidt Weihnachten ein. Die Kinder sind da, Hündin Stina freut sich über den Besuch und es duftet nach Kerzen und leckerem Essen. Nur Weihnachtslieder, die werden Heiligabend nicht mehr gesungen. Aus Tradition läuft eine Aufnahme des Kinderchors aus ihrer Heimat Minden. Eines der Lieder hatte Schmidt Vater Reinhold geschrieben.

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