Berufswelt : Berufswelt und Natur im Blick

Wie lässt sich das Berufsleben mit einem Engagement für Nachhaltigkeit und Umweltschutz vereinbaren? Janne Rasche (v. l.), Maret Ohlsen, Annabelle Durani und Julia Seidel erfuhren Wissenswertes über den Klimaschutz und die Grenzen des Wachstums.
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Wie lässt sich das Berufsleben mit einem Engagement für Nachhaltigkeit und Umweltschutz vereinbaren? Janne Rasche (v. l.), Maret Ohlsen, Annabelle Durani und Julia Seidel erfuhren Wissenswertes über den Klimaschutz und die Grenzen des Wachstums.

„Mach Grün!“-Projekt in der Isarnwohld-Schule in Gettorf. Informationen über Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz im Arbeitsalltag.

shz.de von
20. Dezember 2017, 06:27 Uhr

Gettorf | Ob nun Klimawandel, Flüchtlingsströme, Plastikmüll in den Meeren oder Schadstoffeinträge im Boden: Um weltweite Herausforderungen ging es Dienstagvormittag in der Isarnwohld-Schule in Gettorf. Mit den Möglichkeiten, eine ökologische Zukunft mitzugestalten, beschäftigt sich das Projekt „Mach Grün! Berufe entdecken und gestalten“, das vom Bundesumweltministerium gefördert wird. Gleich 35 Oberstufenschüler erfuhren jetzt bei einer Informationsveranstaltung mit Martina Kriwy und Nele Bastian vom Verein Frauennetzwerk zur Arbeitssituation Wissenswertes über nachhaltiges Handeln in Wirtschaft und Umwelt.

Themen wie Nachhaltigkeit oder die Entwicklung grüner Berufsperspektiven sollten bereits auf der jüngsten Ausbildungsmesse der Isarnwohld-Schule angepackt werden, wie Lehrer Dietrich Meyer-Jessen berichtete. „Aus Mangel an Zeit hat es aber nicht geklappt“, blickte der 59-Jährige zurück. Deshalb wurde die Info-Aktion nun nachgeholt.

Zielgruppe des Projektes sind Nele Bastian zufolge Jugendliche zwischen 14 und 25 Jahren. Der Nachwuchs soll dabei unterstützt werden, eine „grüne Berufsperspektive“ zu entwickeln. „Die Schüler erhalten Tipps für Studien- und Ausbildungsgänge“, sagte Martina Kriwy, die in Neuwittenbek wohnt, mit Verweis auf entsprechende Info-Wände im Klassenraum. Es gehe um Fragen wie: Was kann ein Berufstätiger tun, um in der Ausübung seines Jobs an einer nachhaltigen Entwicklung mitzugestalten? Oder: „Welcher Beruf passt überhaupt zu mir?“, so Nele Bastian.

Nachhaltigkeit? Was bedeutet der oft zitierte Begriff überhaupt? „Als ich zur Schule ging, hat man davon noch nicht so viel gehört“, erzählte Martina Kriwy schmunzelnd. Doch während damals knapp fünf Milliarden Menschen auf der Erde lebten, liege die weltweite Bevölkerungszahl mittlerweile bei etwa 7,5 Milliarden. „Das bringt einige Herausforderungen mit sich“, so die 34-jährige Geografin. Sie sprach von knappen Ressourcen und „Grenzen des Wachstums“. So stamme der Begriff Nachhaltigkeit ihres Wissens ursprünglich aus der Forstwirtschaft „Man hat irgendwann erkannt, dass man nicht unendlich Bäume abholzen kann“, so Martina Kriwy. Allerdings gehe es beim Thema Nachhaltigkeit keineswegs nur um Belange der Umwelt wie Tierhaltung oder Düngemittel. Ebenso spielten Wirtschaft und Soziales eine Rolle– und damit die Steigerung der Erträge, Absatzmärkte, Arbeitsplätze sowie eine sozial gerechte Verteilung des Wohlstandes. „Nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit müssen alle Faktoren berücksichtigt werden“, so die Neuwittenbekerin.

Als einen Schwerpunkt des „Mach Grün!“-Projektes bezeichnete Nele Bastian das sogenannte „Greening der Berufe“. Dahinter verberge sich eine Veränderung der Arbeitswelt, mit dem Ziel des Klima-, Ressourcen- und Naturschutzes. Die Soziologin sprach von einer „Umwandlung des Wirtschaftens“. Es gehe darum, „negative Auswirkungen auf die Natur zu reduzieren“.

Die Solidarische Landwirtschaft („Schinkeler Höfe“) in Schinkel diente als ein Beispiel für Nachhaltigkeit. Laut Dietrich Meyer-Jessen handelt es sich um vier Betriebe, die unter anderem Gemüse, Brot, Milch, Eier und Fleisch erzeugten – nach hohen ökologischen Standards. Seine Familie gehöre auch zu den Abnehmern, verriet der Schinkeler. „Die Ernte ist nicht auf Gewinnmaximierung angelegt“, so der Lehrer. Vielmehr stehe die Solidarität von Anbietern und Kunden im Vordergrund. Für das „Mach Grün!“-Projekt war in der Öko-Region Schinkel ein Film gedreht worden, aus dem bei der Veranstaltung ein Ausschnitt gezeigt wurde. „Es ist ein Beispiel für ein anderes Wirtschaften“, sagte Nele Bastian.

Zudem diskutierten die Schüler noch untereinander über das Thema Nachhaltigkeit. „Wir fahren so oft es geht mit dem Fahrrad, dem Bus oder dem Zug“, sprach Julia Seidel (17) aus Osdorf für sich selbst und Mitschülerinnen. Annabelle Durani (16) aus Gettorf berichtete von einer Aktion für die Umweltorganisation Green Peace, bei der Schüler Unterschriften zum Schutz von Eisbären gesammelt hätten.

Die „Mach Grün!“-Informationsveranstaltung betrachtete Dietrich Meyer-Jessen als Auftakt zu weiteren Aktionen zum Thema Nachhaltigkeit. Ihm schwebe eine Arbeitsgruppe vor, die sich mit der Frage beschäftigen sollte, wie die Nachhaltigkeit an der Isarnwohld-Schule gefördert werden könnte. Unterdessen wünschte sich Martina Kriwy ein Schülerprojekt – eventuell einen Workshop – auf der „Kieler Woche 2018“.

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