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Generalprobe am BBZ : Berufsschüler üben die Wahl

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Projekt „Juniorwahl“ soll Hemmschwellen vor der Wahlkabine abbauen.

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2017 | 06:21 Uhr

Eckernförde | Ob er am Sonntag zur Landtagswahl geht? „Mal sehen“, sagt Jim Wegner. „Ich entscheide das spontan, aber eigentlich bin ich gar nicht da.“ Begierig auf seine erste Wahl ist der 16-Jährige nicht. Wenn, dann würde er sein Kreuz mehr aus Gefühl setzen und sich danach richten, was er aus Gesprächen innerhalb der Familie weiß. Für Politik interessiere er sich nicht.

Kein Einzelfall, wie Andrea Gutzmer weiß. Die Lehrerin am Berufsbildungszentrum (BBZ) in der Fischerkoppel geht mit ihren Schülern seit März das Thema Wahlen durch – viele von ihnen sind Erstwähler. Immer wieder hört sie, dass einige Jugendliche ihr Wahlrecht nicht nutzen wollen. „Ich will nicht das Falsche wählen“, sagt auch die 17-jährige Jule Engelhardt, die ebenfalls am Sonntag zum ersten Mal wählen dürfte. Vorfreude? Weit gefehlt. Es dominiert die Unsicherheit. Dann lieber gar nicht hingehen.

Doch genau das ist es, was das BBZ mit seinem Unterricht und der Teilnahme an der „Juniorwahl“ verhindern will. Insgesamt 152 Schulen nehmen in ganz Schleswig-Holstein an diesem Programm teil. Dabei bauen die Schüler ein Wahllokal auf, legen Wählerverzeichnisse an und bilden einen Wahlvorstand. Jeder der rund 400 in Eckernförde am BBZ teilnehmenden Schüler hat eine Wahlbenachrichtigungskarte erhalten, mit der er ins Wahllokal gehen kann, wo er einen originalgetreuen Stimmzettel mit den tatsächlich für den Landtag kandidierenden Politikern bekommt, auf dem er in der Wahlkabine sein Kreuz setzen kann.

Seit Dienstag wird am BBZ gewählt, bis Freitag können die Schüler noch ihre Stimme abgeben. „Am Ende werden die Stimmen auch ausgezählt und am Sonntag nach 18 Uhr auf der Homepage www.juniorwahl.de veröffentlicht“, so Andrea Gutzmer, die das Projekt mit ihren Kolleginnen Dagmar Much und Claudia Tönjes vorantreibt. „Es geht darum, Hemmschwellen abzubauen“, erklärt sie. „Die jungen Menschen sollen lernen, dass Wählen nicht kompliziert ist.“ Tatsächlich seien die Rückmeldungen positiv: „Viele Schüler, die schon einmal an der Juniorwahl teilgenommen haben, haben positive Erinnerungen daran“, sagt die Lehrerin.

Dass es gut ist, wenn man über die Wahlprogramme der Parteien Bescheid weiß, findet auch der Berufsschüler Marten Glosch (18). „Aber letzten Endes doch sinnlos. Keine Partei hält doch das ein, was sie verspricht.“ Auch Jannik Schütze (18) hat seine Zweifel. „Es ist gut zu sehen, wie es bei einer Wahl abläuft. Aber ich glaube nicht, dass das Einfluss auf das Wahlverhalten der Jugendlichen hat. Die meisten von ihnen haben keine große Ahnung von Politik.“

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