Walzer-Klassiker : Berliner Luft im ehrwürdigen Schlosssaal

Wagners Salonquartett  brachte mit Titeln von Paul Lincke Berliner Luft und Melodien nach Schloss Ludwigsburg.
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Wagners Salonquartett brachte mit Melodien von Paul Lincke Berliner Luft ins Schloss Ludwigsburg.

Wagners Salonquartett entführte ins musikalische Berlin um 1900. Im Mittelpunkt standen Stücke von Paul Lincke.

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13. Juni 2018, 06:12 Uhr

Waabs | Walzerfans kennen sie alle: die berühmte „Berliner Luft“, „Schlösser, die im Monde liegen“, „Eine Nacht in Venedig“, oder „Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe“. Doch wer der Mann hinter diesen – in Teilen – international renommierten Walzerhits ist, das dürfte eher Wenigen bekannt sein.

Paul Lincke, der „Vater der Berliner Operette“ schrieb die eingängigen Melodien, die ihn mit Johann Strauß und der Wiener Walzertradition oder mit Jacques Offenbach’s Pariser Operette auf eine Ebene stellen, um die Jahrhundertwende während der Kaiser-Wilhelm-Dynastie. Schnell erlangten die Kompositionen Linckes, der schon mit 19 Jahren Theaterkapellmeister und Musikverleger war, einen Ruf weit über die Stadtgrenzen Berlins hinaus in die Welt und machten ihn unsterblich. So unsterblich, dass das Publikum im Schloss Ludwigsburg noch etwa hundert Jahre später, textsicher den berühmten „Gloworm-Walz“, wie ihn die Amerikaner zu nennen pflegen, mitsingen kann.

Die Leitung dieser musikalischen Exkursion am Wochenende in das Berlin der Jahrhundertwende übernahm Wagners Salonquartett aus Eutin, das mit diesem Konzertprogramm bereits zum 20. Mal auf Ludwigsburg gastiert.

Unter dem Titel „Bis früh um fünfe – Paul Lincke und sein Berlin“ stellten die vier Musiker an Fagott, Piano, Violine, Querflöte beziehungsweise Kontrabass die musikalische, aber auch persönliche Entwicklung Linckes kurzweilig und amüsant vor.

Kontrabassist und Flötist Martin Karl-Wagner hatte tief in der biografischen Schatzkiste Linckes gekramt und schüttelte eine Anekdote nach der anderen über den Berliner Walzerkönig aus dem Frackärmel. So komponierte Lincke aus Verliebtheit in eine passionierte Rollschuhläuferin den „Rollschuh-Walzer“. Seine Angebetete mit sehr rundlicher Figur trug den Kosenamen „Möpschen“. Begeistert von ihren Rollschuhlaufkünsten nannte sie Lincke fortan nur noch sein „Rollmöpschen“ und widmete ihr die berühmte Walzerkomposition.

Mit ordentlich Tempo und eleganter Interpretation blies das Quartett für zwei Stunden Berliner Luft in den Goldenen Saal auf Schloss Ludwigsburg. Kein Fuß, der an diesem Abend nicht den Dreiviertel-Takt begeistert im Zeichen des Walzers mitklopfte und -wippte.

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