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Eckernförder Zeitung

15. Dezember 2017 | 03:58 Uhr

Zuwanderung : Bereicherung statt Bedrohung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Bewegender Asylbewerber-Informationsabend in Altenholz/ Erfahrungsberichte und Zukunftsperspektiven

Altenholz | In Zeiten der Unruhe und Veränderung müssen die Menschen zusammenrücken, um sich den Herausforderungen gemeinsam zu stellen. In Altenholz, wo sich die AWO und die evangelische Friedensgruppe in ehrenamtlicher Arbeit zusammen mit der Gemeinde und anderen Institutionen schon lange für Asylbewerber und ihre Eingliederung in die Gesellschaft engagieren, hat man das schon vor vielen Jahren verstanden. Donnerstagabend nutzen die Vertreter der Gemeinde, des Freundeskreises Asyl, der Arbeiterwohlfahrt (Awo), des Seniorenbeirats, des TSV, des DRK und der Kirche für eine Informationsveranstaltung zum Thema „Asylverfahren“, die auch mit gängigen Vorurteilen aufräumen sollte.

Besonderer Gast war der stellvertretende Beauftragte für Flüchtlings-, Asyl- und Zuwanderungsfragen des Landes, Torsten Döring, der den zahlreichen Gästen die Abläufe und Schwierigkeiten im Umgang mit Flüchtlingen und deren rechtlicher Anerkennung näher brachte. Eine Überraschung war der kurze Vortrag der ehemaligen Asylbewerber Arbneska Heims und Masoud Samadi, die beide schon seit vielen Jahren in Deutschland leben und sehr anschaulich von ihren Erfahrungen berichteten.

„Wir sind eine Einwanderungsgemeinde“, sagte Bürgermeister Carlo Ehrich und wies auf die stetig steigende Zahl der Asylbegehrenden in Altenholz hin. Lag ihre Zahl 2012 noch bei neun, so sind es in diesem Jahr voraussichtlich 76 Menschen, die hier aufgenommen werden sollen. Zwar sei es in der Vergangenheit immer gelungen, die Hilfesuchenden unterzubringen, dennoch sei es damit alleine nicht getan, so Ehrich. Vor allem erfordere der Umgang mit den Flüchtlingen viel Zeit, Geduld, die Vermittlung von Sprachkenntnissen und pädagogisches Geschick, erklärte er und lobte das hohe ehrenamtliche Engagement, mit dem der Freundeskreis Asyl und die Awo seit den 90er-Jahren die zum Teil schwer traumatisierten Menschen betreuen und bei ganz alltäglichen Dingen, wie dem Einkauf oder einem Arztbesuch, aber auch bei Behördengängen unterstützen. „Wir haben in den vergangenen 25 Jahren viel gelernt und können den Betroffenen kompetente Hilfe anbieten“, sagte Ingrid Heller, die für ihre Engagement kürzlich mit dem Bundesverdienstorden geehrt wurde. Auch das vom Freundeskreis Asyl monatlich veranstaltete Café International in den Räumlichkeiten des Eivind-Berggrav-Zentrums sei für die Gemeindemitglieder eine gute Gelegenheit, in entspannter Atmosphäre neue Kontakte zu den Menschen aus fremden Ländern zu knüpfen, erklärte sie.

Die Awo-Vorsitzende Hildegard Schaper machte die Bürger mit Hilfe persönlicher Erfahrungen aus der Praxis auch auf die Vorteile eines Zusammenlebens mit den Asylbewerbern aufmerksam. „Denken sie darüber nach, falls sie eine kleine Einliegerwohnung oder ähnliches zur Verfügung haben. Man lernt so viel voneinander. Es bereichert unglaublich.“ Arbneska Heims und Masoud Samadi genossen die besondere Aufmerksamkeit des Publikums. „Der Weg hierher war nicht immer leicht, aber es lohnt sich, nicht aufzugeben“, bekräftigte Samadi. Die Unterstützung in der Gemeinde habe ihr sehr geholfen, so Arbneska Heims. „Deutschland ist jetzt unsere Heimat.“ Aus den Begegnungen mit Menschen aus anderen Kulturen entstehe immer wieder Schönes und Wichtiges, sagte Pastor Okke Breckling-Jensen und rief die Zuhörer zu Nächstenliebe und Toleranz auf. „Wir sollten die Zuwanderung als Bereicherung und Stärkung und nicht als Bedrohung sehen“, unterstrich er nachdrücklich.

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