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Beliebung: Ein Binder für die Stärkung des Wir-Gefühls

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erstellt am 28.Mai.2013 | 03:59 Uhr

eckernförde | Sie ist die stille unter den drei Gilden in der Stadt: Die Eckernförder Beliebung von 1629 feiert morgen mit ihrem Ältermann Klaus-Peter Holst ihre 384. Generalversammlung. Weder Kriege oder Seuchen haben die Vereinigung in ihrer Geschichte daran hindern können, ihre jährliche Zusammenkunft abzuhalten. Um 16 Uhr trifft eine Abordnung in schwarzen Anzügen und mit langen Tonpfeifen zum Empfang im Rathaus ein, um 17 Uhr beginnt die Versammlung im Saal 71 im Mangos mit launigen Sprüchen und heiteren Ritualen.

Die Beliebung zählt rund 300 Mitglieder, davon 80 Frauen, denn auch Frauen können der Gilde beitreten. Für sie ist die Generalversammlung allerdings tabu, die Damenwelt erscheint zur Krönung des Tages zum Abendessen und gemütlichen Ausklang des Tages. "So war es immer schon", sagt Gildeschreiber Otto Schlotfeldt. "Es wurden bis dato nie ernsthafte Einwände gegen diese Sichtweise erhoben."

Als Totengilde gegründet, können Mitgliedern auch heute noch Beihilfen im Todesfall gewährt werden. Tradition und die Pflege des Brauchtums ist der Gilde wichtig. In ihrer Satzung steht als Zweck, "die alten Überlieferungen zu pflegen, der Geselligkeit zu dienen und den Gemeinsinn zu fördern". Sie bekennt sich zur Kulturförderung und der Solidarität mit Schwächeren in der Gesellschaft, und hilft "nach Belieben" Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind. Daher auch der Name der Gilde, die wegen ihres Verzichts auf Umzüge und Königsschießen auch "Stille Gilde" genannt wird.

Bekannt ist allerdings das gar nicht so stille Aufnahmeritual neuer männlicher Mitglieder. Sie müssen bei der Generalversammlung den mit Malzbier gefüllten Willkommen-Pokal in einem Zug leeren und werden dabei von der Versammlung mit "He schafft dat, he schafft dat nich"-Rufen angefeuert.

Mit dem im vergangenen Jahr erstmalig ausgerichteten Spätsommerfest hat die Gilde eine neue Tradition gegründet. Auch in diesem Jahr wird das Fest wieder auf jüngere Mitglieder mit Kindern abgestimmt.

Neu ist in diesem Jahr der Gilde-Binder. "Vorstand und Zwölfer haben sich schon seit Jahren einen Binder zur Stärkung des Wir-Gefühls während der Versammlungen gewünscht", sagt Otto Schlotfeldt. Er sollte in wenigen Zeichen eine tiefe Verbindung zur Stadt sowie die Darstellung der Gilde mit ihrer Tradition und Geselligkeit ausdrücken. Auch die Mitglieder stimmten dafür. Auf einem alten Stich der Stadt um 1600 aus dem 5. Band des Städtebuches des Verlages Georg Braun fanden die Gildebrüder das alte Wappen von Eckernförde. "Zur Erinnerung und Ehre unseres verstorbenen Gildebruders Hans-Jürgen Burmeister hat die Beliebung diesen Stich von den Erben erworben und seinem Traditionsbestand zugeführt", so Otto Schlotfeldt. Die Grafikerin Katharina Mahrt hat Wappen, Jahreszahl und Pfeifen zusammengeführt, die Hamburger Bekleidungsfirma Brendler den Auftrag zur Produktion erhalten. Morgen hat die Krawatte ihre Premiere und wird den Mitgliedern zum ersten Mal vorgeführt.

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