Geburtsstation Eckernförde : Belegsarztystem ist unattraktiv

Geschäftsführer Martin Wilde. Foto: imland
Geschäftsführer Martin Wilde. Foto: imland

Die Geburtshilfe der imland Klinik soll geschlossen werden. Eine Woche nach Verkündung der Maßnahme nimmt Geschäftsführer Martin Wilde zur aktuellen Lage Stellung.

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18. August 2012, 11:45 Uhr

Eckernförde | Welche Reaktionen haben Sie in den Tagen nach der Verkündung der Schließung der Geburtshilfe in Eckernförde erhalten?
Viele Schreiben per Post oder E-Mail und natürlich die Berichte sowie Leserbriefe in den Zeitungen sind bei uns angekommen. Großes Bedauern, Anteilnahme bis zu unsachlichen Beiträgen wurden an verschiedenste Teilnehmer in diesem Bereich ausgesprochen.
Ergeben sich daraus für Sie neue Ansatzpunkte zur Neubewertung der Lage?
Das Thema ist mit Sicherheit noch einmal stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Neue Ansatzpunkte könnte es nur geben, wenn Ärzte bereit wären, im Belegarztsystem in Eckernförde zu arbeiten! Ein Arzt aus Glücksburg hat noch einmal einen Antrag an die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein und die beteiligten Kostenträger gestellt. Das Ergebnis steht noch aus.
Gibt es neue Entwicklungen, die auf eine Fortführung der Geburtshilfe hindeuten oder werden Sie nach Stand der Dinge von heute an der Schließung der Geburtshilfe zum 1. Oktober 2012 festhalten? Gibt es noch andere Gründe außer dem genannten (keine Belegärzte), warum Sie und die Klinikleitung die Geburtshilfe in Eckernförde schließen?
Es gibt keine weiteren Gründe für die Schließung der Belegklinik zum 30.09.2012. Es fehlen uns Ärzte. Ein Arzt erhält für eine Normalentbindung ca. 250 Euro und bei einer Kaiserschnittgeburt fallen zusätzlich noch einmal 80 Euro (somit 330 Euro) an. Für neuversicherte Ärzte dürften Beiträge pro Monat bis zu 3000 Euro anfallen. Das Belegarztsystem ist deshalb für jeden Arzt wirtschaftlich unattraktiv! Bei diesen Zahlen habe ich Verständnis für die Ärzte, nicht an diesem System teilnehmen wollen.
Spielt nicht auch der Auf- und Ausbau neuer, wirtschaftlich lukrativerer Abteilungen wie der Endoprothetik (Gelenkersatz) eine Rolle bei der Entscheidung? Sprich: Gibt es in Eckernförde eine Präferenz für wirtschaftlich starke Hauptabteilungen gegenüber Belegarztstationen wie der Geburtshilfe?
Der Auf- und Ausbau der Endoprothetik spielt keine Rolle.
Welche Pläne haben Sie mit der seit mehreren Jahren leerstehenden Station im 4. Obergeschoss?
Wir haben heute in der 4. Etage am Standort Eckernförde eine komplette Station leer stehen. Diese können wir im Gesamtkonzept der Klinik schnell nutzbar machen. Wir haben kein Platzproblem! Bei 600 Geburten schreiben wir als Klinik eine schwarze Null, neu beginnende Belegärzte leider nicht!
Abschließend ein Blick in die nähere Zukunft: Wie sieht die imland-Klinik Eckernförde in zehn Jahren aus? Welche Abteilungen wird es dann noch geben, welche Investitionen sind wohin geflossen?
Wir wollen den Standort in Eckernförde weiter ausbauen. Der Auf- bzw. Ausbau von Diabetesambulanzen und der Geriatrie (Tagesklinik) werden zukünftig wichtige Themen abbilden und somit den Standort sichern!

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