Geburtshilfe : Belegärzte steigen aus – Imland sucht neue Lösung

Ziehen sich nach vielen Jahren aus der Belegabteilung zurück: die Frauenärzte Dr. Swana Swalve-Bordeaux,
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Ziehen sich nach vielen Jahren aus der Belegabteilung zurück: die Frauenärzte Dr. Swana Swalve-Bordeaux,

Das bisherige Belegsystem ist nicht rechtskonform. Aber auch das Chefarztmodell ist nach Auffassung der Frauenärzte „rechtlich genau so unsicher und angreifbar“. Sie steigen zum 1. April aus.

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28. März 2017, 06:10 Uhr

Eckernförde | Die Würfel sind gefallen. Drei der vier Belegfrauenärzte der geburtshilflichen Abteilung der Imland Klinik Eckernförde werden ihre Mitarbeit zum 1. April einstellen. Diese Entscheidung haben Dr. Swana Swalve-Bordeaux, Dr. Anna Holk und Dr. Ralf Kröger gestern vorab per Fax an Klinik-Geschäftsführer Dr. Hans-Markus Johannsen geschickt, nachdem zuvor am Sonntagabend ein Krisengipfel in Rendsburg mit führenden Vertretern des Kreises, des Kreistages und der Klinik stattgefunden hat.

Die drei Frauenärzte sehen keine Möglichkeit mehr, unter den veränderten rechtlichen und wirtschaftlichen Bedingungen weiterzuarbeiten, erklärten sie gegenüber unserer Zeitung. Die Geburtshilfe, für deren Erhalt sich gestern auch der Kreistag ausgesprochen hat (siehe Bericht rechts), soll ab April zunächst übergangsweise als Hauptabteilung der Imland Klinik weitergeführt werden.

„Wir wollen ja Geburten machen und für die Frauen und Kinder da sein“, sagt Dr. Ralf Kröger, „aber wir möchten nichts tun, was nicht rechtens ist.“ Damit kommen er und seine beiden Kolleginnen aus der Gemeinschaftspraxis auf den entscheidenden Punkt zu sprechen: das neue Anti-Korruptionsgesetz vom 4. Juni 2016 und die vorliegenden Einschätzungen zweier Rechtsgutachten, die beide der Klinikleitung empfehlen, keine Sonderzahlungen mehr an die Belegfrauenärzte und die Hebammen zu leisten.

Hintergrund: Die Frauenärzte erhalten nach dem 2013 geschlossenen Kooperationsvertrag den geburtshilflichen Anteil an ihrer immens hohen Berufshaftpflichtversicherung erstattet – zwischen 25  000 und 49  000 Euro –, und die Hebammen erhalten eine Pauschale von 150 Euro pro Geburt für Reinigungsdienste im Kreißsaal und andere hebammenferne Leistungen auf der Station. Laut Rechtsgutachten werden diese Zahlungen allerdings als nicht rechtskonform bewertet – mit entsprechend möglichen strafrechtlichen Konsequenzen (Bestechung und Bestechlichkeit), falls man diese weiterhin leistet.

Auch das Chefarztmodell, bei dem die Belegärzte die ärztliche Verantwortung für die Abteilung übernehmen, sei „rechtlich genau so unsicher und angreifbar wie das Belegsystem“, sagte Dr. Kröger und komme daher ebenfalls nicht in Frage. Somit bliebe nur die Möglichkeit, die Geburtshilfe in eine Hauptabteilung mit festangestellten Ärzten umzuwandeln, betonen Ralf Kröger, Anna Holk und Swana Swalve-Bordeaux (siehe auch Bericht rechts).

Die als Belegärzte notgedrungen ausscheidenden Frauenärzte erklärten unisono, dass sie „sofort wieder dabei wären, wenn es eine rechtssichere und wirtschaftlich belastbare Vertragssituation“ geben würde. Auch als Honorarärzte würden sie zur Verfügung stehen. In Bayern beispielsweise seien zahlreiche Belegkliniken gerettet worden seien. „Es ist also machbar“, so Kröger. Aber unter den gegebenen Umständen und eingeholten Rechtspositionen „kann kein Landrat und kein Kreistag dem zustimmen“.

„Wir sind sehr traurig“, sagt Dr. Swalve-Bordeaux. Alle drei loben die außergewöhnlich gute Teamarbeit mit den Hebammen und Schwestern, und sie hoffen sehr, dass die 1973 von Dr. Uwe-Jens Müllenhoff ins Leben gerufene Geburtshilfe in Eckernförde auch ohne Kinderstation weiter existieren kann.

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