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Neujahrsempfang der Bundeswehr : Belastungsgrenze deutlich überschritten

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Fregattenkapitän Michael Blunk fordert beim Neujahrsempfang mehr Ruhe für die Soldaten ein. Die Belastungsgrenze sei überschritten. Der Ausbau des Marinestützpunkts macht Fortschritte.

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erstellt am 13.Jan.2016 | 06:42 Uhr

Eckernförde | Mit einem gehörigen Schuss Selbstironie, aber auch kritischen Worten zur Einsatzbelastung der Soldaten würzte Kasernenkommandant Fregattenkapitän Michael Blunk gestern Nachmittag seine Rede zum Neujahrsempfang der Bundeswehr im „Haus Marienburg“ im Marinestützpunkt Eckernförde. Vor rund 130 Gästen aus Wirtschaft, Politik, Kirche, Behörden, Vereinen und Bundeswehr nutzte Blunk, der den aus familiären Gründen verhinderten Standortältesten Fregattenkapitän Bernd Ufermann vertrat, in seiner von humorvollen Anspielungen gespickten Rede die Gelegenheit, bundeswehrspezifische und gesellschaftliche Themen in den Blickpunkt zu rücken. Anschließend ging Bürgermeister Jörg Sibbel auf wichtige Fragen der Stadtentwicklung ein.

Der Marinestützpunkt gleicht in weiten Teilen einer riesigen Baustelle. Vier Mal hat die Bundeswehr dort 2015 Richtfest gefeiert, die Gebäude wurden früher fertig als geplant, selbst die Kosten blieben im vorgesehenen Rahmen. In diesem Jahr werden laut Blunk vier große Bauprojekte fertiggestellt: die Ausbildungsinspektion des Seebataillons, die Bordeinsatzkompanie, die Stützpunktfeuerwehr und das Unterkunftsgebäude für alle Einliegerdienststellen. Zudem sei der Auftrag für das neue Kampfschwimmer-Gebäude erteilt, das neben dem künftigen Stabsgebäude Seebataillon das größte Einzelbauwerk sein wird. 2017, so hofft der Kasernenkommandant, kann mit dem Bau der neuen Hauptwache in Höhe Louisenberg begonnen werden, in dessen Folge die Bundeswehrstraße nach Abschluss der Arbeiten Mitte oder Ende 2018 in Höhe Klärwerk gesperrt und das Jungmannufer – von den Anwohnern ersehnt – zur Sackgasse mit entsprechend weniger Verkehr wird. Insgesamt würden die Investitionen in den Standort bis Mitte der 2020er Jahre „die 300-Millionen-Schwelle erreichen“. Nach der Aufgabe der Preußerkaserne – derzeit ist 2021 angepeilt – würden insgesamt rund 2700 Soldaten (ca. 1900) und Zivilbeschäftigte im Marinestützounkt stationiert sein.

Auch die Bundeswehr sei in den Kampf um die besten Köpfe eingetreten, sagte Blunk. Er nahm dabei die Eigenwerbung „Triple A – Aktiv. Attraktiv. Anders.“ ein wenig auf die Schippe, ohne allerdings die Notwendigkeit einer guten Nachwuchsarbeit ernsthaft zu bestreiten. Ob er auch die neue Soldatenarbeitszeitverordnung als Errungenschaft einer guten Personalplanung wertet, ließ er offen. Er sei „gespannt“, wie sich die 41-Stunden-Woche – Blunk nannte 1750 Arbeitsstunden pro Jahr – mit der Erfüllung der Aufgaben in Einklang zu bringen sind. Durch die Vielzahl der internationalen Einsätze – Atalanta, Unifil und andere – sei bereits jetzt die Belastungsgrenze nicht nur erreicht, sondern deutlich überschritten. „Es wäre gut, unseren Soldaten mehr Ruhe zu geben.“ Vor allem die knapp 800 Soldaten des Seebataillons seien extrem stark gefordert. Insgesamt 845 Soldaten aus Eckernförde nahmen an der Aktion „Helfende Hände“ zur Rettung und Unterbringung von Flüchtlingen teil. Vom 17. September bis 16. November 2015 hätten sie 25  000 Einsatzstunden geleistet. Blunk ließ dabei nicht unerwähnt, dass Oberbootsmann Raphael P. vom Seebataillon von den Leserinnen und Lesern der Eckernförder Zeitung wegen der Wiederbelebung eines Flüchtlings auf offener See zum „Menschen des Jahres 2015“ gewählt worden ist. Sein Kommandeur, Fregattenkapitän Arne Krüger, bestätigte gegenüber der EZ die hohe Auslastung der Truppe. „Jeder geht persönlich bis an die Grenze. Ich habe großen Respekt vor den Soldaten. Sie sind hoch motiviert und leben ihren Beruf. “ Einsätze im Mittelmeer, Afghanistan, Libyen und Mali seien große Herausforderungen.

Als große Erfolge wertete Kasernenkommandant Blunk den Tag der Bundeswehr zum 60-jährigen Bestehen und den Info-Tag im Stadthafen mit einem Großaufgebot an Schiffen und Booten. Erstmals waren dort eine Fregatte, eine Korvette, ein Schnellboot und ein Minenjagdboot neben den üblichen Einheiten zu sehen. Abschließend gab Blunk drei Spendenerlöse bekannt: das Soldatenhilfswerk hat 1068,26 Euro eingenommen, die Marinekäfer 1554 Euro in fünf Jahren und der Einsatz auf dem Weihnachtsmarkt brachte 306,75 Euro, die Blunk an Bürgermeister Jörg Sibbel für den Fördertopf der Stadt für in Not geratene Bürger überreichte.

Der Bürgermeister sprach anschließend von einem erfolgreichen Jahr für die Stadt. Er ging auf die dezentrale Unterbringung der 245 Flüchtlinge ein, künftig könne auch die Willers-Jessen-Schule als „Überlaufventil für den Notfall“ in Betracht gezogen werden. Die hohen Investitionen der Bundeswehr seien ein Bekenntnis für den Standort Eckernförde und den Erhalt der Arbeitsplätze. „Das ist auch eine gute Nachricht für die Stadt. Die Bundeswehr ist ein fester Teil unseres Lebens in Eckernförde“, so Sibbel. Die Bundeswehr sei ein bedeutender Faktor in der Stadt, die Soldaten und Zivilangestellten bereicherten das öffentliche Leben durch ihr Engagement. Wichtig sei in Eckernförde die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, zum Beispiel an der Nooröffnung. Angesichts eines drohenden Bürgerentscheids gegen die wasserseitige Bebauung der Gaehtjestraße wies der Bürgermeister darauf hin, dass das Innenministerium dies als „deutliche Abweichung“ gegenüber des abgestimmten Siegerentwurfs bewerte und daher Fördermittel versagt bzw. zurückgefordert werden könnten. Dies könne die Stadt 1,45 Millionen Euro kosten.

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