bARRIEREFREIER AUSBAU Eckernförde : Beirat für Menschen mit Behinderung kritisiert CDU

Die Vorsitzenden des Beirats für Menschen mit Behinderung, Barbara Davy (l.) und Anke Braun, fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.
Die Vorsitzenden des Beirats für Menschen mit Behinderung, Barbara Davy (l.) und Anke Braun, fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.

Die Vorsitzenden Anke Braun und Barbara Davy befürchten in Bezug auf die Umgestaltung der Kieler Straße und der Nicolaistraße einen Rückschritt. Einfache Ausbauvarianten erfüllen nicht die Voraussetzungen für eine Barrierefreiheit.

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13. November 2018, 17:19 Uhr

Die Vorsitzende des Beirats für Menschen mit Behinderung versteht die Politik im Ostseebad nicht mehr. Im Januar hatte der Bauausschuss beschlossen, den barrierefreien Ausbau der St.-Nicolai-Straße vorzuziehen. Entsprechende Mittel wurden im Haushalt 2018 bereitgestellt. Für die Kieler Straße wurden die Ausbaukosten auf 320 000 Euro geschätzt, für die Nicolaistraße auf 30 000 Euro. Auf der Jahreshauptversammlung Anfang November hat die CDU sich gegen eine komplette Neupflasterung beider Straßen ausgesprochen, das bestehende Pflaster soll erhalten bleiben. In der Nicolaistraße stellt sich die CDU eine Lösung mit abgeflachten Kopfsteinen vor (wir berichteten). Anke Braun und ihre Stellvertreterin Barbara Davy fühlen sich und ihre Vorschläge von den CDU-Politikern nicht ernst genommen. „Ich glaube, bei der CDU ist das noch nicht angekommen, dass der Beirat für Menschen mit Behinderungen ein notwendiges Gremium ist“, sagt Barbara Davy. Erst in der vergangenen Woche hat der Beirat der Verwaltung eine Stellungnahme für die barrierefreie Umgestaltung beider Straßen zukommen lassen. Darin heißt es: „Barrierefreiheit hat den gleichen Stellenwert wie Brandschutz, Schallschutz und Statik und ist daher gleichermaßen erstrangig vor der Gestaltung zu bewerten.“ Ein Blindenleitstreifen sei unabdingbar. Bislang hat es keine Rückmeldung irgendeiner Fraktion gegeben. Den Vorstoß der CDU bezeichnen die beiden Frauen als Verzögerungstaktik und als „absoluten Rückschritt“. Sie kritisieren, dass die CDU bislang keinerlei Kontakt zwecks Information zum Beirat gesucht habe: „Sie können das nicht beurteilen, sie sind nicht betroffen“, so Davy. Einfache Varianten wie ein ebengehaltener Gehstreifen mit flachen Steinen in der Nicolaistraße seien nicht barrierefrei und damit auch nicht förderungsfähig. Von einer Barrierefreiheit profitierten alle, so Davy, Menschen mit Rollstühlen, Rollatoren, Blinde und Mütter mit Kinderwagen. Und das geschehe im Sinne des Gesetzes zur Gleichstellung behinderter Menschen. In Bezug auf die Kosten für den Ausbau regen Braun und Davy an, eventuelle Fördertöpfe ausfindig zu machen. „Wir hatten das Gefühl, dass das Thema Barrierefreiheit in der Politik mittlerweile angekommen ist, aber das ist anscheinend ein Trugschluss“, zeigt sich Anke Braun enttäuscht.

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