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„Bei 21 Misshandlungen ist das Baby tot“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Baby füttern statt Kinobesuch, Windeln wechseln statt Treffen mit Freunden – für fünf Schüler der Grund- und Gemeinschaftsschule Standort Nord sieht die Freizeitgestaltung an diesem Wochenende anders aus als üblich. Die Neuntklässler haben sich entschieden, an dem Projekt „Verantwortung übernehmen für ein Kind“ teilzunehmen. Im Rahmen des Sexualkundeunterrichts im Fach Biologie hätten die Jugendlichen so die Möglichkeit, einmal unter realistischen Bedingungen Art und Umfang der Verantwortung für ein Baby hautnah zu erfahren, erklärt Biolehrerin Caroline Witt.

3300 Gramm schwer, 52 Zentimeter lang – die Babypuppe kommt in ihrer Größe und Ausstattung einem echten Säugling sehr nahe. Talita (15), Sarah (15), Jana (15), Nina (15) und Marvin (14) aus der Klasse 9 c betrachten erwartungsvoll, aber auch ein wenig ängstlich ihre Babys auf Zeit.

„Ich will einfach mal gucken, wie das so ist“, beschreibt Marvin. Ausgestattet mit einem Armband, das einen Chip enthält, kann er sich an der Babypuppe, bei der am Nacken, am Po, auf der Brust und dem Bauch Chips angebracht sind, andocken. So sind er und sein Baby, dem er den Namen At gegeben hat, als Betreuungseinheit verbunden. Eine Geburtsurkunde belegt seine Vaterschaft. Wie ein echter Säugling weint At, wenn er Hunger hat, wenn die Windel voll ist und wenn er einfach nur liebevoll gewiegt werden will. Unterlässt Marvin das, weint At, und die Programmierung in der Puppe verbucht die Unterlassung als Misshandlung. Auch das richtige Halten des Babys wird gewertet. „Bei 21 Misshandlungen ist das Baby tot“, erklärt Claudia Clark, Sozialpädagogin bei der Beratung des Diakonischen Werks des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde, das die Puppen zur Verfügung stellt, den Schülern. Seit sechs Jahren sind die Puppen als Babys in den Schulen sehr gefragt. „Auch bei den Jungen. Es hat hier eine Trendwende gegeben“, so Clark.

Neun von insgesamt 20 Schülern der 9 c hatten sich für das freiwillige Projekt gemeldet. Alina (15), Celine (16), Annalena (15) und Miriam (15) hatten bereits vor zwei Wochen die Babypuppen übers Wochenende bei sich. Zwar handele es sich nur um eine Puppe, aber ihr Verhalten sei so täuschend echt gewesen, dass alle eine wirkliche Beziehung zu ihr aufgebaut hätten, so die Schülerinnen übereinstimmend. So empfand Annalena ein echtes Verlustgefühl, als sie ihr Baby Leni wieder abgeben musste: „Es war komisch, ohne das Baby im Bett zu schlafen“, erklärt sie. Die Belastung durch ein Neugeborenes zu erleben dürfte für Marvin und seine Mitschülerinnen eine richtige Herausforderung sein. Zur Not will seine Mutter Carmen Schaefe (44) ihm zur Seite stehen. Denn ein Baby muss 24 Stunden betreut werden. Auch dann, wenn so wie gestern bei Marvin, Kickbox-Training auf dem Programm steht.

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erstellt am 08.Feb.2014 | 00:34 Uhr

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