Konzert : Begeisterung pur für die Musik

Boten einen außerdordentlichen Musikgenuss: Georg Schroeter, Tim Engel, David Shamban, Gesche Clasen und Marc Breitfelder (v.l.).
Boten einen außerdordentlichen Musikgenuss: Georg Schroeter, Tim Engel, David Shamban, Gesche Clasen und Marc Breitfelder (v.l.).

Preisgekröntes Duo Schroeter und Breitfelder beeindrucken mit drei Kollegen in der Hüttener Kirche

shz.de von
19. Januar 2015, 06:00 Uhr

Hütten | Wohl der Kirchengemeinde, die so einen Förderverein hat: Gerade mal zehn Jahre alt, hat er mehrfach ein glückliches Händchen bewiesen und immer wieder namhafte Beträge für „erhaltende und verschönernde Maßnahmen am Bauwerk und der Ausstattung der Hüttener Kirche“ erwirtschaftet. Kissen für die Kirchenbänke, Altarleuchter, Kerzenständer für die Osterkirche, Klapp- und Hochzeitsstühle, Kirchenfenster sind nur ein Teil dessen, was der rührige Förderverein in die Wege leitete. Nun ist das Kirchendach dran. Dafür darf man das altehrwürdige Gebäude und seine Besucher schon mal aufrütteln – wie es am Freitag Georg Schroeter (Piano) und Marc Breitfelder (Mundharmonika, aufgrund der Spielweise und des Programms ist das amerikanische „Bluesharp“ ein besser passender Name für sein Instrument) mit Tim Engel am Schlagzeug schafften. Zum fünften Mal „rockten“ sie die Kirche, dieses Mal sogar mit zwei Gästen: David Shamban, amerikanischer Profi-Cellist, der nun mit Gesche Clasen (Querflöte) in Haby lebt und auf reichlich Erfahrungen als Hollywood Film-Musiker verfügt und sogar mit Barbra Streisand, Madonna und Michael Jackson gearbeitet hat.

Power-Motor des Ganzen war Georg Schroeter, der mit unbändiger Kraft und straffem Rhythmus am elektronischen Super-Piano den Ton angab. Einfühlsam verstärkt wurde er von Tim Engel am Schlagzeug. Beide bildeten aber auch die aufmerksame Ergänzung zu Marc Breitfelders Improvisationen: Gekonnt, überlegt, intelligent und teils auch ekstatisch: Ein Profi, der mit Georg Schroeter zu Recht mit dem 1. Platz auf der International Blues Challenge in den USA ausgezeichnet worden war. David Shamban, Universalcellist, aber mit Schwerpunkt auf klassischem Spiel – was er auch gleich mit einem Solo zum Anfang zeigte – befreite sich nach und nach von romantischen Cellotönen und wagte sich im Laufe des fast dreistündigen Konzerts in hemmungslosere und weniger sentimentale Hardrock-Spielweisen vor. Super! Auch Gesche Clasen fand schnell ihre Rolle im Schroeter-Engel-Breitfelder Trio. Kurzerhand wurde beschlossen, dass alle fünf den zweiten Teil bestreiten würden – ohne große Probe. Nach bester Jazz- und Rock Session-Manier erhielt jeder ein Solo.

Rhythmus, der sofort in die Füße ging, mitwippende Köpfe – mit diesen Künstlern hatte der Förderverein wieder ins Schwarze getroffen. Mit Georg Schroeters Blues-Gesang, den Marc Breitfelder sofort mit seiner Bluesharp kommentierte, und dem sich die mittlerweile ebenfalls spieltechnisch befreite Gesche Clasen anschloss („learning by doing“), lieferten sie eine Session ab, die es in diesem Rahmen noch nie in der Hüttener Kirche gegeben hat. Premiere für ein neues Kirchengefühl. Tim Engels Schlagzeugsolo, in dem er zeigte, was er alles so mit den Schlägeln treffen kann und wie es dann klingt, das knallige Ende seines Solos, der „Wettlauf“ der Solisten (beide haben gewonnen), bis es schließlich mit „Cocaine“ keine Improvisations-Hemmungen mehr zu geben schien. Schließlich – so der Eindruck – fuhr sogar eine Western-Eisenbahn durch die Kirche: Marc Breitfelder erzählte ohne Worte diese dramatische Geschichte. Knappe zehn Minuten ganz allein auf der Bluesharp. Dafür gab es Bravo-Johl-Klatsch-und Trampelbeifall. Verdient. „Summertime“, „Shake your body“: Beides Titel, die auf ihre Art bewegten. Nach ruhigem Einstieg Super-Boogie-Woogie-Feeling. So Musik zu machen, kann man nicht üben. Das „kann man“ als guter Musiker – wie die fünf an diesem Abend. Hier hatten sich beste Freunde getroffen, die überzeugend Fröhlichkeit und Stärke ausstrahlten, dabei optimistisch Stärke zeigten. Begeisterung pur. So kann man Kirche auch erleben.

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