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Ehrenamt : Begegnungs-Café ist erste Adresse im Ort

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Helferkreis und syrische Neubürger organisieren wöchentliches Begegnungs-Café in der Alten Post / Bürger zur Teilnahme willkommen

Rieseby | Es riecht nach frischen Falafel, Salate, Dipps und Kuchen stehen auf der langen Tafel im Obergeschoss der Alten Post in Rieseby. Überall sitzen und stehen die Besucher des Begegnungs-Cafés und tauschen sich aus. „Das Treffen ist für uns die erste Adresse im Ort“, sagt Ahmed Alloush. Der studierte Wirtschaftsingenieur aus Ostsyrien und seine Frau Ghalia gehören zum festen Kern des Cafés. Sie sind jeden Mittwoch von 16 bis 18 Uhr dabei und bereiten zuvor Essen und Kuchen vor. Fast alle Asylbewerber, die in Rieseby eine Unterkunft über das Amt Schlei-Ostsee gefunden haben, kommen zu den Treffen, berichtet Waltraut Folge, die den Riesebyer Helferkreis mit viel Unterstützung organisiert. „Wir können hier Kontakte knüpfen und lernen uns kennen“, sagt Alloush. Er empfindet es als sehr gut, dass sie in einem relativ kleinem Ort leben, so „gelingt die Integration viel besser, als in einer große Stadt“, sagt er. Alloush und seine Frau haben vor wenigen Wochen einen deutschen Pass bekommen und wurden anerkannt. „Das hat uns sehr gefreut“, sagt er auf Englisch, auch wenn er inzwischen eifrig Deutsch lernt. „Am Anfang war Englisch wichtig für die erste Verständigung“, sagt Doris Hansen-Lau, die seit Gründung des Helferkreises im Herbst 2015 dabei ist. Inzwischen halten die rund 30 Mitglieder des offenen Helfernetzwerkes die Flüchtlinge an, lieber Deutsch zu sprechen. „Wenn sie hier leben und später arbeiten wollen, brauchen sie das“, sagt Hansen-Lau.

Seit Anfang Dezember werden in der Alten Post Deutschkurse, an vier Tagen die Woche jeweils vier Stunden, angeboten. So können jetzt im ersten Block rund zehn Asylbewerber, die für sie fremde Sprache erlernen. Das dies im Ort erfolgen kann, ist dank der großen Unterstützung durch Robert Schulze, Leiter der VHS-Rieseby möglich, sagt Folge dankbar. „Ende Mai wird der erste Kurs mit 320 Unterrichtseinheiten enden“, ergänzt Schulze. Der Helferkreis unterstützt das Projekt durch die zeitgleiche Betreuung der kleinen Kinder der Mütter, die an dem Sprachkurs teilnehmen. Unter ihnen auch Jamina Amsalam, die alleine mit acht Kindern aus Syrien floh. „Sie will unbedingt die Sprache lernen“, berichtet Folge, ohne die Kinderbetreuung wäre das für sie und weitere Mütter aber nicht möglich.

Fällt den Erwachsenen die neue Sprache zu lernen etwas schwer, so nehmen die Kinder die Sprache sehr schnell auf. Mohamed (14) spricht schon sehr gut Deutsch. Er geht nach Eckernförde zur Schule. Auch wenn er traurig ist, dass sie ihre Heimat verlassen mussten, so wohl fühlt er sich jetzt in Rieseby, sagt er. Dass sich die Gäste wohlfühlen, und die Angebote des Helferkreises schätzen, den Eindruck haben auch Dr. Ingo Scheller und Stefanie Sommariva vom Helferkreis. Scheller habe selber durch die Mitarbeit sehr viele Riesebyer neu kennen gelernt. Allerdings könnten sich noch mehr Bürger einbringen, um so auch die Integration der Gäste zu fördern, sagt er. Und Hilfe werde immer gebraucht.

Und während an der langen Tafel das Essen genossen wird, sorgt Atnar Othman für Falafel-Nachschub. In der kleinen Küche des Treffs frittiert er die typische arabische Beilage und geht in seiner Aufgabe auf. In seiner Heimat hat er als Friseur gearbeitet.

Hin und wieder nimmt auch Bürgermeister Jens Kolls an dem wöchentlichen Begegnungs-Café teil. „Der Helferkreis ist eine ganz große Erleichterung für mich“, sagt er und lobt das Bürgerengagement. Er freut sich, wie intensiv die rund 20 Riesebyer Asylbewerber begleitet werden, und im Ort eine Heimat gefunden haben. Kolls wünscht sich allerdings von den örtlichen Vereinen mehr Interesse, damit die Einbindung der Gäste noch etwas leichter fällt.

Begegnungs-Café, jeden Mittwoch 16-18 Uhr Obergeschoss Alte Post

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erstellt am 16.Apr.2016 | 06:42 Uhr

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