Deutsch als Zweitsprache : BBZ und UTS bilden Klasse für junge Flüchtlinge

Eingerahmt von den Lehrerinnen Nele Timm und Katharina Hahn, UTS-Vertreterin Sonja Ramert und Schulleiter Bernt Wellhausen sehen die jungen Flüchtlinge ihrem Schulunterricht mit Freude und gespannter Erwartung entgegen.
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Eingerahmt von den Lehrerinnen Nele Timm und Katharina Hahn, UTS-Vertreterin Sonja Ramert und Schulleiter Bernt Wellhausen sehen die jungen Flüchtlinge ihrem Schulunterricht mit Freude und gespannter Erwartung entgegen.

Der Unterricht soll den Asylbewerbern gesellschaftlichen Einstieg erleichtern und Bildungschancen eröffnen. Vor dem Unterrichtsstart nach den Sommerferien läuft jetzt eine Erprobungsphase.

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07. Mai 2015, 06:12 Uhr

Eckernförde | Die wachsende Zahl der Flüchtlinge und Asylbewerber fordert nicht nur die Kommunen, sondern die ganze Gesellschaft. Eine wichtige Säule bei der Aufnahme vor allem junger Menschen aus den Krisenregionen der Welt ist die Schul- und Berufsausbildung. Das Berufsbildungszentrum Rendsburg-Eckernförde (BBZ) hat jetzt zusammen mit dem Bildungsträgerverein Umwelt-Technik-Soziales (UTS) die Initiative ergriffen und bietet ab dem kommenden Schuljahr in Rendsburg und Eckernförde neue DAZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) für junge Flüchtlinge an. Da ein solches Projekt wegen der unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen gut vorbereitet sein will, starten das BBZ und UTS am 18. Mai mit einer Erprobungsphase. Gestern wurden die knapp 20 jungen Männer und Frauen in Eckernförde schon einmal von er Schulleitung und den Lehrkräften in Empfang genommen und eingewiesen, nachdem sie vorher die Schule besichtigen, sich mit dem Stundenplan vertraut machen konnten und einen Vertrag über die Teilnahme unterschrieben haben.

Mit diesem Angebot werden das BBZ und UTS dem integrativen Bildungsansatz gerecht, allen in Deutschland lebenden Menschen zumindest die deutsche Sprache zu vermitteln und ihnen dadurch Bildungschancen zu eröffnen. Die jungen Flüchtlinge werden in den nächsten Wochen tageweise das BBZ und einen Deutschkurs bei UTS besuchen, um möglichst schnell in die Lernphase einzusteigen. Nele Timm als Klassenlehrerin sowie Katharina Hahn und Harald Schumacher als Berufsschullehrer für die Bereiche Englisch und (Kfz-)Technik haben die Aufgabe, in der ethnisch und kulturell bunt gemischten Lerngruppe für eine möglichst individuelle Förderung der Sprachkenntnisse zu sorgen, um den jungen Menschen so die Chance auf einen späteren Berufseintritt zu eröffnen. Was schwierig genug sein dürfte, den die Bandbreite in der Eckernförder DAZ-Klasse reicht von Schülern mit wenig Schulerfahrung und sogar Alphabetisierungsbedarf bis hin zu afghanischen Abiturienten mit guten Englischkenntnissen. Viele allerdings teilen ein gemeinsames Schicksal: Sie wurden in ihren Heimatländern verfolgt, verhaftet oder misshandelt. Auch das will im Unterricht berücksichtigt werden.

In der Klasse sind unter anderem mehrere junge Männer aus Eritrea, die in einem Reihenhaus in Gettorf in einer Wohngemeinschaft leben und von der Lehrerin Kirsten Swane aus Schinkel ehrenamtlich und mit viel Engagement betreut werden. Kirsten Swane hat die Patenschaft für gleich sieben junge Männer aus dem Nordosten Afrika übernommen, die auf ihr Asylverfahren warten. „Das Schlimmste für sie ist es, nichts zu tun zu haben“, sagt Swane. Die Afrikaner seien in ihrem Land verfolgt und inhaftiert worden und hätten schlimme Fluchterlebnisse auf dem Weg durch die Wüste und übers Mittelmeer mitgemacht. „Sie wollen Frieden und eine Beschäftigung, dürfen aber nicht arbeiten“, sagt Kirsten Swane. Der Einstieg in die DAZ-Klasse sei ein erster Schritt in diese Richtung.

Der Unterricht läuft montags, donnerstags und freitags von 8 bis 13 Uhr, dienstags und mittwochs übernimmt UTS. Für Schulleiter Bernt Wellhausen und Sonja Ramert von UTS beginnt damit eine spannende Phase der Kooperation, die im gleichen Stil auch in Rendsburg angeboten wird. Gitta Hoffmeyer , zuständige DAZ-Abteilungsleiterin, hat gestern schon mal bei ihrem Besuch in Eckernförde Fühlung aufgenommen.

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