zur Navigation springen

Sperrfrist für Gülle-Ausbringung : Bauern in SH bleibt bald weniger Zeit zum Düngen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Deutschland bringt eine Novelle der Düngeverordnung auf den Weg. Unter anderem soll die Winterpause für das Jauchefahren ausgeweitet werden.

shz.de von
erstellt am 11.Feb.2015 | 06:00 Uhr

Rendsburg | Die Bauern bleiben künftig länger auf ihrer Gülle sitzen als bisher. Um Grundwasser, Seen und Flüsse zu schützen, will die Europäische Kommission eine neue Düngeverordnung durchsetzen, nach der die Sperrfristen für das Ausbringen von Gülle ausgeweitet werden sollen. Das hat auch für die Landwirte im Kreis Rendsburg-Eckernförde weitreichende Auswirkungen, wie Sönke Schmidt vom Kreisbauernverband am Dienstag auf der Winterversammlung mitteilte.

Demnach erhöht die Europäische Kommission den Druck auf Deutschland, entschiedener gegen die Nitratbelastung des Grundwassers und der Oberflächengewässer vorzugehen. 2013 hat die EU bereits ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Eine Novelle der Düngeverordnung soll jetzt für sauberes Wasser sorgen. Doch wann diese in Kraft tritt, ist ungewiss. „Wenn alles glatt läuft, könnte es schon zum 1. Januar 2016 der Fall sein“, sagt Agrarwissenschaftler Sönke Schmidt. Zuvor müsse die Verordnung noch durch den Bundesrat und anschließend von der EU-Kommission abgesegnet werden.

„Jeder Betrieb wird davon betroffen sein“, betonte Schmidt im Gespräch mit unserer Zeitung. Nach den Plänen der Bundesregierung soll Gülle kürzer als bisher auf die Äcker ausgebracht werden dürfen. Anstatt ab 1. November soll schon ab 1. Oktober für den Winter eine Pause gelten. Auf Grünland verkürze sich das Zeitfenster um 14 Tage. Die Sperrfrist soll vom 1. November bis 31. Januar gelten. Außerdem soll es erstmals eine Sperrfrist bei der Ausbringung von festen Gärresten, Kompost und Festmist geben – vom 15. November bis 31. Januar. Mit der Verkürzung der Zeit für die Gülleausbringung muss sich aber auch die Lagerdauer für Gülle verlängern. Einige Agrarbetriebe müssen künftig eine Lagerkapazität für neun statt bisher für sechs Monate vorhalten.

Nach ersten Plänen der Novelle soll ganz untersagt werden, Gülle auf frost- und schneebedeckten Feldern aufzubringen. Dieses Verbot sei aber gelockert worden. „Der Frost stellt kein Hindernis dar, wenn er im Laufe des Tages abtaut“, sagt Schmidt. Der Wetterbericht reiche dafür als Anhaltspunkt. Der gefrorene Boden sei sogar durchaus günstig, da der Stickstoffverlust bei niedrigen Temperaturen gering sei. Der Wirkungsgrad der Nährstoffe erhöhe sich also. „Außerdem fährt man auf gefrorenen Böden nichts kaputt“, so Schmidt, die Bodenverdichtung durch die schweren Maschinen bleibe weitgehend aus. Auch die Straßen und Banketten werden ihm zufolge auf diese Weise verschont bleiben.

Vermutlich wird die neue Verordnung aber ein gänzliches Aufbringungsverbot bei Schnee zur Folge haben. Der Spruch von „Schwarz auf weiß, das geht nicht mehr“, mache daher unter Landwirten die Runde.

Weitere Änderungen werden für die Herbstdüngung, die Nährstoffbilanzierung und Düngeplanung, die Abstandauflagen zu Gewässern sowie für die Ausbringtechnik diskutiert. Hier müssten einige Betriebe mit erheblichen Investitionen rechnen.

„Die Landwirte verlieren mit der Novelle deutlich an Flexibilisierung“, sagt Schmidt, der Spielraum für sie werde geringer. Dennoch könne der Bauernverband grundsätzlich mit der neuen Verordnung leben. Letztlich müsse eine Verordnung in Kraft treten, die eine bedarfs- und standortgerechte Düngung ermöglicht. Verständlich und praxisnah müsse sie sein. „Man muss bedenken, dass die Bauern unter freiem Himmel wirtschaften“, betont Sönke Schmidt, das seien keine Gewächshausbedingungen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen