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Landwirtschaft : Bauern empört über Generalverdacht

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Versammlung des Bezirksverbands Dänischer Wohld im Kreisbauernverband in Osdorf / Harsche Kritik an der Landes- und Bundespolitik

Osdorf | Drei Stunden Vorträge und Diskussion, da war Kondition gefragt bei den 30 Landwirten, die am Donnerstagabend nach einem langen Arbeitstag zur Winterversammlung des Bauernverbandes Dänischer Wohld gekommen waren. Die Stimmung insgesamt war durchwachsen, so kurz nach der Milchkrise. Manche mussten bereits aufgeben. Einer der Betroffenen sagte: „Es ist schwer, mit 53 Jahren noch eine andere Arbeit zu finden. Man kriegt häufig nicht einmal eine Antwort, wenn man sich bewirbt“. Andere haben sich verschuldet, nur um die Produktion aufrecht erhalten zu können und das bei einer Sieben-Tage-Arbeitswoche. Eine Maschine könne man anhalten, die Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, wenn der Absatz vorrübergehend einbricht. Kühe aber müssten gemolken werden, auch wenn die Herstellung der Milch mehr kostet als sie am Markt bringt.

Von staatlichen Regulierungen der Milchmenge halten die Bauern wenig. „Als wir noch eine Milchquote hatten, waren die Preise auch nicht gut“, sagte Klaus-Peter Lucht, Vorsitzender des Kreisbauernverbands. Von der Politik wünsche man sich, dass sie vor allem für Exportmöglichkeiten sorge. So eröffne das Freihandelsabkommen mit Kanada den Export von zusätzlichen 18  000 Tonnen Käse. Mehr Exportmöglichkeiten würden dafür sorgen, dass die Einzelhandelskonzerne die Erzeuger nicht mehr erpressen könnten, so Lucht. Er spannte einen weiten Bogen vom Landkreis bis zur Bundespolitik. Er lobte die gute Zusammenarbeit mit dem Kreis Rendsburg-Eckernförde, zum Beispiel bei Baufragen und wenn es um Ausgleichsflächen für Windräder gehe. Und er bedankte sich bei den Banken für die Unterstützung der Milchbauern in den letzten Jahren. „Wir hatten kein strukturelles Problem, sondern eine Wirtschaftskrise“, so der Kreisvorsitzende.

Für die Landes- und die Bundesregierung gab es hingegen wenig Lob. Besonders harte Kritik gab es für Bundesumweltministerin Barbara Hendriks (SPD). Ihre geplante Kampagne „neue Bauernregeln“, stelle einen ganzen Berufsstand unter Generalverdacht. Für 1,6 Millionen Euro hatte sie diese deutschlandweit plakatieren lassen wollen. Nach heftigen Protesten, nicht nur vom Bauernverband, sondern auch aus den eigenen Reihen, habe sie einen Rückzieher gemacht. Lucht verlangte von der Bundeskanzlerin, die sich zum ländlichen Raum bekenne, dass sie durchgreift und forderte: „Sie muss sie rauswerfen.“

Kritik gibt es aber auch für die Kirche. In einem kirchlichen Positionspapier fänden sich sachlich falsche Aussagen, die konventionelle Landwirtschaft betreffend. „Die Kirche kann gerne politisch sein, aber sie soll sich nicht auf eine Seite schlagen, sondern Brückenbauerin sein.“ Er selber sei nur noch nicht aus der Kirche ausgetreten, weil er seinen Pastor vor Ort sympathisch finde.  
Foto: Weiterer Bericht folgt


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erstellt am 11.Feb.2017 | 06:21 Uhr

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