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Bauamtsmitarbeiter verurteilt: Untreue und Betrug in 260 Fällen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 12.Okt.2017 | 17:03 Uhr

Ein 64-jähriger Bau-Ingenieur und früherer Mitarbeiter des Bauamtes in Eckernförde hat die Stadt und die Steuerzahler um mindestens 500  000 Euro betrogen. Wegen Untreue und Betrugs in insgesamt 260 Fällen verurteilte ihn das Kieler Landgericht gestern zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten.

Als städtischer Angestellter hatte sich der Mann nach Feststellung des Gerichts das Geld an ein von ihm verdeckt unter dem Namen seiner Frau geführtes Berliner Ingenieurbüro auszahlen lassen. Das gab Gerichtssprecherin Rebekka Kleine gestern bekannt. Zwischen Dezember 2006 und November 2011 soll sich der Angeklagte auf betrügerische Weise jeweils Beträge zwischen rund 400 Euro und 5000 Euro verschafft haben.

Zu dem vergleichsweise milden Urteil – auf Untreue stehen bis zu fünf Jahre Haft –, sei es nach einer Verständigung zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung gekommen. Neben dem vollen Geständnis wertete die Wirtschaftsstrafkammer auch strafmildernd, dass die Taten viele Jahre zurückliegen und dem Angeklagten die Tatausübung in der Stadtverwaltung relativ leicht gemacht wurde.

Während der Bewährungszeit von drei Jahren muss der 64-Jährige monatliche Raten zahlen. Das veruntreute Geld soll bei ihm – soweit noch vorhanden – eingezogen werden.

Der Mitarbeiter des Bauamtes war am 7. Dezember 2011 von Bürgermeister Jörg Sibbel wegen des dringenden Verdachts der Untreue vom Dienst suspendiert worden. Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft hatten die Ermittlungen aufgenommen. „Wir sind schockiert“, sagte Sibbel seinerzeit gegenüber unserer Zeitung („Hohe kriminelle Energie“: Stadt suspendiert Mitarbeiter“, EZ v. 8. Dezember 2011). In den 27 Jahren in der Kommunalverwaltung habe er noch nie eine so „hohe kriminelle Energie“ und „so einen Abgrund erlebt“.

Dem Tatverdächtigen wurde vorgeworfen, kurz nach seiner Einstellung über fünf Jahre eingehende Rechnungen zu seinen Gunsten manipuliert und in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben. Man sei dem beschuldigten Mitarbeiter durch eine interne Überprüfung auf die Schliche gekommen, sagte der Bürgermeister vor sechs Jahren. Er habe umgehend die Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft informiert und Strafanzeige gestellt. Er selbst habe den Mitarbeiter sofort vom Dienst suspendiert, den PC sperren, alle Dateien, Ordner und E-Mail-Kontakte sichern, das Büro abschließen und die Tür mit einem neuen Schloss versehen lassen.

Der Mitarbeiter hat ab September 2006 eingegangene Rechnungen manipuliert. Die Rechnungen seien auf den ersten Blick plausibel und richtig erschienen und daher nach den vorgeschriebenen Verfahrensregeln wie dem Vier-Augen-Prinzip bearbeitet worden, hatte der Bürgermeister seinerzeit ausgeführt. Nach internen Überprüfungen hätten sich Verdachtsmomente ergeben. Die Antworten des Mitarbeiters auf die „unauffällige Ansprache auf bestimmte Fälle“ habe „den Verdacht genährt“, sagte Sibbel damals. Ein Jahr nach der Suspendierung des früheren Bauamtsmitarbeiters, also im Dezember 2012, hat die Staatsanwaltschaft Anklage vor dem Landgericht in Kiel erhoben.

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