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Musik-Revue : Baströckchen-Swing im Coconut-Kurpark

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Musik-Revue der „21String Hawaiians“ ist noch bis Sonntag täglich im Kurpark zu sehen. Dort swingen die beiden schrägen Vögel die Gäste in einem Zelt zurück in die 20er- und 30er-Jahre.

shz.de von
erstellt am 08.Aug.2014 | 05:46 Uhr

Menjoubärtchen und Kreissäge auf dem Charakterkopf, apart in Fliege und Anzug, immer ein Instrument am Mann, dazu deutsch-englisches Kauderwelsch – dieser Typ ist ein Typ. Auf dem Bühnchen im Halbdunkel steht ein vor Energie sprühender Herr und sagt seinen ersten Gast an.

Das kleine igluförmige Zelt im Kurpark ist eine Zeitmaschine. Hat man den Weg unter die Kuppel von „Coconut Island“ gefunden, den Reißverschluss hinter sich ritschen gehört und einen Klappstuhl geentert, dann wird man von Jirka Sova und Angela Gülck an die optisch-akustische Hand genommen und um 80 bis 90 Jahre zurückgeswingt. Die beiden tänzeln, spielen und singen ihr Publikum als die weltberühmten, viel geliebten und immer wieder gern gesehenen „The 21String Hawaiians“ back to the Twenties (and Thirtees). Jiri „George McOwl“ Sova und sein aparter Stargast Angela „Kahula Mai“ Gülck, der, ganz Kosmopolit, auch mal gerne auf französisch parliert, greifen zu ihren Instrumenten und zupfen los.

Karibisch im Baströckchen kommen die Melodien daher, mal jaulen sie als freche Ausreißer mit dem Slide-Bar über die Lap-Steel, bis man im richtigen Jahr der Komposition angekommen ist und in Wohlklang übergeht: 1922. Oder: Kahula Mai (psst, die gebürtige Hamburgerin) mimt ein leierndes Grammophon mit kratzender Nadel (kreisförmig mit hartem Gegenstand in Blechschüssel rühren), bis McOwl ihr den richtigen Schwung verpasst: 78 Umdrehungen in der Minute. Kahula Mai begleitet nicht nur vortrefflich auf der Ukulele – nein – auch Singende-Säge-Soli gehen ihr schneidig von der Hand. Mit Lap-Steel- und Tenor-Gitarre, steppend und ebenfalls singend ist der (psst – gebürtige Tscheche) weltgewandte McOwl ein Schwergewicht der leichten Unterhaltung.

Die Menschen schmunzeln, kichern, sie freuen sich mit, als die „Dirty Swing Big Band of Ohio“ auf die Bühne gebeten wird. „Oh, you need phantasie!“ Ach so, ja – aber irgendwie war sie ja schon da, die komplette Truppe. Auf der Bühne, die ganze Zeit; und im Kofferdeckel, der jetzt aufgeklappt wird – als Ölgemälde: Da der Pianoplayer, im Hintergrund die Saxophone, Trompeten, vielleicht auch Klarinetten? Egal, auf einmal klingen die beiden wirklich wie ganz viele.

Ganz viele auch im Anschluss: Mindestens hundert, nein, bestimmt tausend Songtitel ergeben eine charmante Unterhaltung, die mit den überraschten Ausrufen „Hello Dolly!“ „Hey Jude!“ beginnt. Oh ja, „Summertime...“, aber dann: „Sometimes i feel like a motherless child...“ „O sole mio!“ Aber, wird schon werden, „With a little help from my friends“. Wenn da nicht das „Cocain“ gewesen wäre.

Besser Thema wechseln. McOwl steppt sich durch das halbe Notenbüchlein von Mozarts türkischem Marsch, tanzt dann ermattet mit dem Notenständer, der ebenfalls den fröhlichen Applaus mit tiefer Verbeugung entgegen nimmt. Die beiden Gaukler da oben, die beiden Multitalente, machen den Leuten Spaß mit ihrer „Musik-Revue im Stil der 20er- bis 30er-Jahre“. So weist es das Programmblatt aus: „Ein berauschender Musikabend im Art Deco-Milieu (...), String-band-Revue in Swingstimmung mit rasanten Stepptanzschritten & mondänen Varieté-Einlagen.“

Ungelogen. Hier und heute im Kurpark. Wie auch der Songtitel von Duke Ellingtons Welthit: „It doesn’t mean a thing if it ain’t got that Swing“

>Noch bis Sonntag, 10. August, sind die „The 21String Hawaiians“ zu Gast in Eckernförde. Vorstellungen gibt es täglich um 20 Uhr im Zelt im Kurpark. Die Abendkasse ist ab 19.15 Uhr geöffnet, Kartenvorbestellung unter Tel. 0171/20 79 567.


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